# taz.de -- Kulturpolitik: Schiffschaukelbremser im Maßanzug
> Die Schaustellerkultur und Martinsumzüge stehen auf Weimers Liste
> immaterieller deutscher Kulturgüter. Interessant ist auch, was nicht
> drauf steht.
(IMG) Bild: Die Schaustellerkultur und Martinsumzüge stehen auf Weimers Liste immaterieller deutscher Kulturgüter
„Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ – dieser Aushang steht ab sofort für
eine „kreative, inklusive und innovative“ Kulturerrungenschaft: Die
Schaustellerkultur auf Volksfesten wurde ebenso in die Liste des
immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen wie die
Ostseefischerei, das Kicken auf dem Bolzplatz oder die Martinsumzüge im
Rheinland. Zu den fünf neu gewürdigten Traditionen gehört auch das
„handwerkliche Anfertigen von Herrenbekleidung“, wie die
Kulturministerkonferenz, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die
Deutsche Unesco-Kommission mitteilten.
Was die deutsche Herrenschneiderei so besonders macht, dürfte man sich nun
besonders in Italien oder Frankreich fragen. Und wird nicht im Rest Europas
genauso gefischt, schiffschaukelgebremst und gebolzt?
Nun hat Weimer ja besondere Ansichten davon, was förderwürdige Kultur ist.
Deshalb ist wohl am interessantesten an der Liste, was alles nicht
draufsteht: Der Döner etwa hätte als genuin deutsche Ausprägung der
Kebapkultur durchaus Erwähnung finden können. Oder inhabergeführte kleine
[1][Buchhandlungen] mit linker Ausrichtung?
Aber wo es um geldwerte staatliche Anerkennung geht, ist Weimer bekanntlich
rigoros. Kürzlich strich er ein Übersetzungsprojekt für palästinensische
Autoren von der durch eine Jury erstellten Förderliste des
[2][Hauptstadtkulturfonds] – wogegen Kulturminister und -Senatoren aus acht
SPD-geführten Ländern protestieren. Die SPD-Sommerfestbratwurst steht
übrigens auch nicht drauf.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abschluss-der-Leipziger-Buchmesse-2026/!6164839
(DIR) [2] https://www.monopol-magazin.de/neue-kritik-weimer-wegen-eingriff-jury-entscheidung?utm_source=monopol_Newsletter&utm_campaign=manuell
## AUTOREN
(DIR) Nina Apin
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