# taz.de -- Kontroverse um Göttinger Landrat: Riethig ist raus
> Nachdem Mitarbeitende ihm Machtmissbrauch vorwarfen, enthebt das
> niedersächsische Innenministerium den Landrat des Dienstes. Er bestreitet
> die Vorwürfe.
(IMG) Bild: Das Namensschild wird vorerst nicht benötigt: Der Göttinger Landrat Marcel Riethig wurde vorläufig vom Dienst enthoben
Paukenschlag im Fall des unter massivem Druck stehenden [1][Göttinger]
Landrats Marcel Riethig: Aufgrund „zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte
für ein Dienstvergehen“ hat das Niedersächsische Innenministerium ein
Disziplinarverfahren gegen den 43 Jahre alten SPD-Mann eingeleitet.
Gleichzeitig enthob das Ministerium Riethig vorläufig des Dienstes. Das
steht in einer am Dienstagnachmittag versandten Mitteilung.
Das Ministerium kam damit dem Göttinger Kreistag zuvor, der sich am
Dienstagabend in einer weiteren Sondersitzung mit den Vorwürfen gegen den
Landrat beschäftigte und ebenfalls über Anträge zu dessen Suspendierung
abstimmen wollte. Auch Riethig selbst hatte zwischenzeitlich die Einleitung
eines Disziplinarverfahrens gegen sich beantragt, um die Anschuldigungen zu
klären.
Auslöser für das Disziplinarverfahren und die vorläufige Suspendierung ist
ein Schreiben von 17 Führungskräften der Göttinger Kreisverwaltung, das im
Februar bei der Kommunalaufsicht im [2][Innenministerium] eingegangen war.
Darin werfen die Unterzeichner dem Landrat Machtmissbrauch, die
Einschüchterung von Mitarbeitenden, Vetternwirtschaft sowie zahlreiche
Rechtsverstöße vor. Insgesamt stehen 28 konkrete Vorwürfe im Raum. Dem auch
von den drei Dezernent:innen unterschriebenen Brandbrief war ein
mehrere hundert Seiten umfassender Aktenordner mit Beweismaterial
beigefügt.
Grundlage für die vorläufige Suspendierung und die Einleitung eines
Disziplinarverfahrens durch das Innenministerium war dort die Untersuchung
von bisher 15 der 28 genannten Fälle. Drei Wochen lang wurde in Hannover
geprüft – dann stand fest, dass sich daraus in 12 Fällen ein
Anfangsverdacht für ein Disziplinarverfahren ergab.
## Vorläufige Suspendierung des Landrats ist keine Strafe
Bezüglich weiterer Vorwürfe seien noch zusätzliche Vorermittlungen
erforderlich, „ob und inwieweit zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für
Dienstvergehen vorliegen“, heißt es. Das Innenministerium habe sich die
Ausdehnung des Disziplinarverfahrens insoweit vorbehalten. Mit Blick auf
drei Vorwürfe hätten sich im Rahmen der Vorermittlungen keine zureichenden
tatsächlichen Anhaltspunkte für ein Dienstvergehen ergeben.
Bei der vorläufigen Suspendierung handele es sich um eine „Begleitmaßnahme,
der keine wertende Vorfestlegung des disziplinarrechtlichen Ergebnisses
zukommt“, betont das Ministerium. Sie sei rechtlich nicht als Sanktion,
sondern ausschließlich als vorläufige, der Sicherung des ordnungsgemäßen
und ergebnisoffenen Verfahrens dienende Maßnahme zu verstehen.
Das Ministerium habe dabei eine sorgfältige Abwägung vorgenommen: „Aufgrund
dieser wird die vorläufige Dienstenthebung im Interesse der Ordnung des
Dienstbetriebs, zur Gewährleistung der weiteren Ermittlungen und auch unter
dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht gegenüber dem Beamten für
erforderlich angesehen.“
Riethig, der 2021 zum Göttinger Landrat gewählt wurde, [3][bestreitet
sämtliche Vorwürfe.] Angebliche Beweise seien frisiert worden, hatte er
noch am Montag erklärt und Strafanzeigen gegen die Kritiker:innen wegen
falscher Verdächtigungen und übler Nachrede angekündigt. Nach kurzer
Krankheit nahm Riethig vor zwei Wochen die Dienstgeschäfte wieder auf. Nach
seiner vorläufigen Suspendierung darf er die Landkreisverwaltung bis auf
Weiteres nicht mehr leiten.
## Im September stehen Kommunalwahlen an
Bei der Kreistagssitzung am Dienstag hatte die SPD beantragt, einen
Staatskommissar zur Führung der Dienstgeschäfte im Kreishaus einzusetzen.
Nur jemand von außen könne überparteilich und frei auf die Entscheidungen
schauen. Die Mitarbeitenden – aber auch der Kreistag – könnten dann wieder
freier und offener arbeiten. Nur die FDP stimmte dem Antrag zu. CDU und
Grüne – Letztere bisher in einer Koalition mit der SPD verbandelt –
votierten dagegen, damit war der Antrag abgelehnt.
Mit der Leitung der Kreisverwaltung und ihren knapp 2.000 Beschäftigten ist
nun die Erste Kreisrätin Doreen Fragel (Grüne) betraut. Ob damit Ruhe im
Kreishaus einkehrt, darf bezweifelt werden. Im September finden in
Niedersachsen Kommunalwahlen statt.
18 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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