# taz.de -- Debatte über Kunstakademie Düsseldorf: Eine unüberbrückbare Kluft
> Weil ihre Studierenden eine palästinensische Künstlerin einluden, musste
> sich Rektorin Fioretti im Landtag massive Vorwürfe anhören. Sie selbst
> hat Fehler eingeräumt.
(IMG) Bild: Hatten sich im Landtag nicht viel zu sagen: Kunstakademie-Direktorin Donatella Fioretti und CDU-Kulturministerin Ina Brandes
dpa | Der Termin sollte die Wogen glätten, sorgte aber für wachsende
Anspannung und Distanz: Im Konflikt um eine Veranstaltung mit einer
palästinensischen Künstlerin an der Kunstakademie Düsseldorf hat der Druck
auf Rektorin Donatella Fioretti weiter zugenommen.
In einer Sondersitzung des Landtagsausschusses für Kultur und Medien gab es
scharfe Kritik – von Kulturministerin Ina Brandes (CDU), der
Antisemitismusbeauftragten des Landes, Sylvia Löhrmann (Grüne), sowie von
Alon Dorn als Vorstandmitglied der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und
Rednerinnen und Rednern aller Fraktionen. Brandes warf der Akademierektorin
vor, sie werde ihrer Verantwortung als Führungskraft der Hochschule nicht
gerecht.
Die Rektorin sagte zwar am Vormittag im Kultur- und Wissenschaftsausschuss
im Düsseldorfer Landtags, sie wolle zur Beruhigung der Lage beitragen. Sie
blieb aber weitestgehend bei ihrer Position und räumte lediglich
Kommunikationsfehler ein.
## Fioretti: Ausladung wäre diskriminierend gewesen
Der Hintergrund des Streits: Studierende hatten die palästinensische
Künstlerin Basma al-Sharif [1][im Januar zu einem hochschulinternen
Werkvortrag eingeladen]. Der Künstlerin wird von deren Kritikern unter
Verweis auf ihre Beiträge in sozialen Medien „Antisemitismus“ vorgeworfen.
Seitdem haben sich die Fronten verhärtet: [2][Offene Briefe für und gegen
die Rektorin] machen die Runde.
Fioretti sagte nun, man habe die Kritik ernst genommen und die Posts der
Künstlerin daher überprüft. Sie hätten sich im Rahmen der Meinungsfreiheit
bewegt. Eine Ausladung wäre „willkürlich“, also rechtlich nicht möglich
gewesen. Es handele sich um eine anerkannte Künstlerin. Die Veranstaltung
mit ihr habe einen „seminarartigen Charakter“ im kleinen Kreis gehabt.
Antisemitismus und antipalästinensischer Rassismus hätten in der
Kunstakademie keinen Platz, beteuerte die Rektorin. In einer polarisierten
Welt müssten Studierende die Chance haben, verschiedene Stimmen zu hören.
Mit den Aussagen der Künstlerin stimme sie nicht überein. Es sei aber nicht
ihre Aufgabe als Rektorin, „politische Inhalte zu prüfen“.
## Rücktrittsforderung und Vorwürfe
Alon Dorn von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sagte, die Äußerungen von
Basma al-Sharif seien antisemitisch, weil sie Israel das Existenzrecht
abspreche. Es gehe in ihren Posts „um die De-Legitimierung eines Staates,
um Narrative von Terrororganisationen und um Symboliken, die Gewalt gegen
Juden legitimieren“, behauptete er.
Die Sorgen der Jüdischen Gemeinde seien lange bekannt gewesen, aber Aufrufe
und Petitionen gegen die Veranstaltung seien nicht gehört worden. Der
Vertreter der Jüdischen Gemeinde forderte erneut Fiorettis Rücktritt. Zudem
brauche es eine Untersuchung zur Situation jüdischer Studierender an der
Hochschule.
Fioretti sagte: „Wir wollen nicht als Gegner der Jüdischen Gemeinde
dastehen.“ Sie räumte ein, dass es nicht gelungen sei, transparent zu
kommunizieren. „Das hat zu Missverständnissen geführt, für die ich mich
entschuldige.“ Das sei sehr stark ein Problem des Kommunikationsteams
gewesen. Sie hätte aber als Rektorin persönlich die Kommunikation
übernehmen sollen und vorher in Kontakt zur Jüdischen Gemeinde treten
sollen, erklärte Fioretti nun.
## Brandes zeigt sich „frustriert“
CDU-Kulturministerin Brandes warf Fioretti vor, sich nach wie vor nicht
klar von den politischen Positionen der Künstlerin zu distanzieren. Das
Ansehen der Akademie habe Schaden genommen, sagte sie. Die Jüdische
Gemeinde und sie selbst als Ministerin hätten nach der Veranstaltung auf
öffentliche Äußerungen verzichtet, um einen Dialog und ein für März
anvisiertes Gespräch nicht zu gefährden, schilderte Brandes. Hingegen habe
Fioretti in öffentlichen Äußerungen darauf beharrt, „alles richtig gemacht
zu haben“. Damit habe sie „Brücken wieder zum Einsturz gebracht“.
Ihr Ministerium und die Landesregierung respektierten die Freiheit von
Kunst, Wissenschaft sowie die Hochschulautonomie, sagte die
CDU-Politikerin. Die Akademieleitung hätte die Veranstaltung aber
unterbinden müssen, meinte Brandes. Als Ministerin seien ihr in dieser
Frage die Hände gebunden gewesen, eben wegen dieser Freiheit der
Hochschule. Aber: „Freiheit geht nur mit Verantwortung.“
Dieser Verantwortung sei Fioretti in den vergangenen drei Monaten und auch
in der aktuellen Ausschusssitzung nicht gerecht geworden. Direkt an die
Rektorin gewandt bilanzierte Brandes: „Das ist natürlich unbefriedigend,
was wir heute gehört haben.“ Als Ministerin verlasse sie die Sondersitzung
„frustrierter“ als sie hineingekommen sei.
## Kritik auch von Antisemitismusbeauftragter
Die Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann, ehemalige Ministerin für
Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des
Landes Nordrhein-Westfalen, sprach von einer emotional angespannten Lage
und einer „sehr eskalierten Situation“. Sie monierte auch, dass die
Veranstaltung an der Kunstakademie rein intern als „closed shop“ gelaufen
sei, was Misstrauen geschürt habe.
Der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas wies auf das Leid von Israelis und
Palästinensern hin. Diskurs sei wichtig. In der Kunstakademie sei das aber
„nicht in angemessener Weise geschehen“, meinte er. Und: „Nicht alles, was
man möglicherweise darf, sollte man auch tun.“ Aus der FDP hieß es,
Fioretti lasse die nötige „Führung und Haltung“ vermissen.
18 Mar 2026
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