# taz.de -- Andreas Büttner tritt aus der Linken aus: Ein folgenschwerer Beschluss in Niedersachsen
> In der Linken wird weiter über ihr Verhältnis zu Israel gestritten. Jetzt
> hat Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter seinen Parteiaustritt
> erklärt.
(IMG) Bild: Andreas Büttner, Linken-Politiker und Antisemitismusbeauftragter Brandenburgs, reicht es: Er ist aus der Partei ausgetreten
Eigentlich würde Jan van Aken lieber über anderes sprechen, zum Beispiel
[1][die erfolgreichen Kommunalwahlen in Hessen]. Doch die Fragen an den
Linken-Vorsitzenden auf der turnusgemäßen Pressekonferenz am Montag im
Berliner Karl-Liebknecht-Haus drehen sich vor allem um ein Thema: den
Parteiaustritt von Andreas Büttner, dem brandenburgischen
Antisemitismusbeauftragten. Er könne dessen Entscheidung zwar „ein bisschen
nachvollziehen“, bedauere sie jedoch „sehr“, sagt van Aken. „Ich finde, er
hätte weiter in dieser Partei arbeiten sollen.“
Es ist das Ende eines längeren Entfremdungsprozesses. „Es geht nicht mehr“,
beginnt Büttner sein am Sonntagabend verfasstes Austrittsschreiben. „Und
ich will nicht mehr.“ Ihm falle der Austritt nicht leicht und er habe lange
gezögert. „Aber ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich feststellen
muss: Ich kann nicht länger Mitglied dieser Partei bleiben, ohne meine
eigenen Überzeugungen zu verraten“, schreibt der 52-jährige Brandenburger.
Konkreter Anlass für seinen Austritt ist ein [2][Beschluss auf dem
Parteitag des niedersächsischen Linken] vom Sonntag. Darin lehnt der
Landesverband „den heute real existierenden Zionismus“ ab, bezichtigt
Israel gleich fünfmal eines „Genozids“ in Palästina und zweimal der
„Apartheid“ sowohl in den besetzten Gebieten als auch innerhalb des
israelischen Staates. Die Hamas findet hingegen nur einmal eine knappe
Erwähnung. Über den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 findet sich kein
Wort.
Mit der Ablehnung des Zionismus sei „eine Grenze überschritten“, schreibt
Büttner. Denn das bedeute „nichts anderes, als das Existenzrecht Israels
infrage zu stellen“. Schließlich sei Zionismus „die Idee, dass das jüdische
Volk ein Recht auf Selbstbestimmung in einem eigenen Staat hat“. Wer diesen
Gedanken grundsätzlich ablehne, stelle die Existenz dieses Staates infrage.
„Ich kann und werde das nicht akzeptieren“, so Büttner weiter. Wer außerdem
Israel pauschal als „genozidalen Staat“ diffamiere, übernehme Narrative,
die Bestandteil moderner antisemitischer Ideologie seien.
## Nach Anschlag drei Tage Stille
Kritik übt Büttner auch an den Reaktionen aus der Partei auf einen
[3][Brandanschlag auf sein Anwesen] im Januar. Zwar habe sich van Aken am
Tag nach dem Anschlag bei ihm gemeldet. Dass die Parteiführung jedoch drei
Tage gebraucht habe, „um sich überhaupt in irgendeiner Form dazu öffentlich
zu äußern“, habe ihn „tief verletzt“. Das sei „ein Moment“ gewesen, „in dem
ich sehr deutlich gespürt habe, wie groß die Distanz zwischen mir und
meiner eigenen Partei inzwischen geworden ist“. Als „absurd“ bezeichnete er
die „Behauptung, es gebe in dieser Partei kein Antisemitismusproblem“.
Parteichef van Aken bemüht sich am Montag um Schadensbegrenzung. Dass die
Parteiführung ein Antisemitismusproblem in der Linken verkenne, könne er
„nicht so stehen lassen“, sagte er. „Vielleicht gibt es Einzelpersonen, die
ein Antisemitismusproblem haben“, relativiert er. Die Linke hingegen sei
„die Partei, die am stärksten in Deutschland sich immer gegen jede Art von
Antisemitismus gewendet haben“.
Den niedersächsischen Beschluss fände er zwar „nicht gut“, weil er eine
„grobe Schlagseite“ hätte. Aber er bewege sich trotzdem „ganz klar“ im
innerparteilichen Meinungskorridor. So sei die Behauptung, dieser Beschluss
richte sich generell gegen den Zionismus, „einfach falsch“. Wenn auch
„unglücklich“ formuliert, gehe es vielmehr nur um „das, was heute von der
rechtsextremen Netanjahu-Regierung praktiziert wird“. Allerdings wirke der
Beschluss insgesamt „so, als ob es da mehr um so einen ideologischen Streit
um Begriffe geht und weniger darum, jetzt die Situation der Menschen in
Palästina und Israel zu verbessern“, räumte van Aken ein. Er selbst
verwende Begriffe wie „Genozid“ und „Apartheid“ in Bezug auf Israel nicht.
Büttner war seit 2015 Mitglied der Linkspartei. Zuvor war der gläubige
Mormone in der FDP aktiv gewesen, für die er in Brandenburg zeitweise auch
als Landesgeneralsekretär und Landtagsfraktionsvorsitzender tätig war. Als
der frühere Polizeibeamte im Juni 2024 als Beauftragter zur Bekämpfung des
Antisemitismus im Land Brandenburg vereidigt wurde, verließ die
rechtsextreme AfD-Fraktion aus Protest den Plenarsaal.
Mit deutlichen Worten kritisierte Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow den
Beschluss seiner niedersächsischen Genoss:innen. Hier werde „das Leid der
Palästinenser zum innerparteilichen Landgewinn“ missbraucht, sagte er dem
Spiegel. Die Linke müsse aufpassen, von einer politisch wirksamen Partei
nicht zu einer Glaubensgemeinschaft, „um nicht von einer Sekte zu
sprechen“, zu werden.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kommunalwahlen-in-Hessen/!6162773
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(DIR) [3] /Nach-Brandanschlag-gegen-Linkenpolitiker/!6143662
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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