# taz.de -- Nach Brandanschlag gegen Linkenpolitiker: Die Grenze zur Gewalt will nicht jeder in der Linken sehen
       
       > Die Linke distanziert sich vom Brandanschlag gegen den
       > Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner. Doch nicht alle in der Partei
       > sehen das so.
       
 (IMG) Bild: Finden es „falsch, wie mit unseren Genoss:innen umgegangen wird“: Ines Schwerdtner und Jan van Aken (Die Linke)
       
       Andreas Büttner ist ein streitbarer Mensch. Und das soll, ja muss er auch
       sein. Sonst hätte er seinen Job als Beauftragter zur Bekämpfung des
       Antisemitismus im Land Brandenburg verfehlt. Als er im Juni 2024 im Landtag
       vereidigt wurde, verließ die rechtsextreme AfD-Fraktion aus Protest den
       Plenarsaal, kurze Zeit später wurden vor einem Wahlkreisbüro in Templin in
       der Uckermark Nazisymbole in Büttners Auto geritzt.
       
       Inzwischen kommen die Angriffe auf das 52-jährige Linken-Mitglied vor allem
       aus jener Szene, die sich selbst ebenfalls für links hält, jedoch nicht
       zwischen der Solidarität mit den in Not und Elend befindlichen Menschen in
       Palästina und israelbezogenem Antisemitismus unterscheiden kann. Ihr gilt
       Büttner [1][als zu israelfreundlich] und damit als jemand, gegen den aus
       ihrer Sicht alles gerechtfertigt ist.
       
       Mit Beginn dieses Jahres haben die hasserfüllten Attacken die Grenze des
       Verbalen überschritten: In der Nacht zu Samstag wurde in Templin ein
       Schuppen auf dem Privatgrundstück der Familie Büttners von bislang
       unbekannten Tätern in Brand gesteckt, nur vier Meter vom Wohnhaus entfernt.
       Zum Glück griff das Feuer nicht über. Auf die Haustür gesprüht war jenes
       rote dreieckige Symbol, das auch von der Terrororganisation Hamas verwendet
       wird, um potenzielle Anschlagsziele zu markieren.
       
       Ein solches rotes Dreieck fand sich [2][auch in einem Brief], der am Montag
       im Brandenburger Landtag für Aufregung sorgte. Zwar erwies sich das weiße
       Pulver, das aus dem Umschlag rieselte, als ungefährlich. Das an Büttner
       adressierte anonyme Schreiben enthielt jedoch neben Beschimpfungen und
       Verunglimpfungen auch eine eindeutige Morddrohung: „Wir töten dich.“
       
       ## Unmut der „palästinasolidarischen“ Szene
       
       Die Attacken auf Büttner reihen sich ein in eine Reihe von Angriffen gerade
       auch auf Linken-Politiker:innen, die den Unmut der „palästinasolidarischen“
       Szene erregen. So beklagen die beiden Linken-Vorsitzenden Jan van Aken und
       Ines Schwerdtner in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen
       Erklärung, dass auch gegen den Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow „seit
       Monaten massiv gehetzt“ werde, „im Netz wie auf der Straße“. In Leipzig
       werde derzeit [3][unter dem Motto „Antifa means Free Palestine“] zu einer
       Demonstration gegen die sächsische Landtagsabgeordnete Juliane Nagel sowie
       das Projekt- und Abgeordnetenbüro Linxxnet und das Jugendzentrum Conne
       Island in Leipzig mobilisiert.
       
       Sie fänden es „falsch, wie von der Partei nahestehenden Personen und teils
       sogar von Parteimitgliedern mit unseren Genoss:innen umgegangen wird“,
       schreiben Schwerdtner und van Aken, der nach dem Brandanschlag auch bei
       Büttner anrief. Die Partei verurteile „diese tätlichen Übergriffe, den
       Psychoterror auf der Straße und den Hass im Netz“. Und weiter: „Der Angriff
       auf unsere Genoss:innen ist ein Angriff auf uns alle.“
       
       Ob das alle in der Partei so sehen, ist allerdings leider fraglich. So
       fällt es doch so manchen sichtlich schwer, sich beispielsweise von einer
       mehr als fragwürdigen „palästinasolidarischen“ Gruppe wie Handala
       abzugrenzen, die in Leipzig für die Demo am 17. Januar gegen Jule Nagel
       mobilisiert. Dabei hält Handala das von der Hamas am 7. Oktober 2023
       angerichtete Massaker für einen legitimen antikolonialen Widerstandsakt:
       „Die unterdrückte palästinensische Bevölkerung befreite sich aus der
       Belagerung der Besatzungsmacht.“
       
       Auch die vielfältigen Solidaritätsbekundungen für den aus der Linken
       ausgeschlossenen [4][„Sozialismus von unten“-Aktivisten Ramsis Kilani]
       sprechen dagegen. Schließlich rechtfertigt Kilani den Terror der Hamas:
       „Für revolutionäre Sozialisten hatten und haben die Palästinenser immer
       jedes Recht, sich mit allen erforderlichen Mitteln gegen die von den
       Imperialisten unterstützte zionistische Siedlerkolonie zu wehren, die ihr
       Land besetzt und sie unterdrückt“, schrieb er in der trotzkistischen
       Zeitschrift International Socialism. Trotzdem solidarisierten sich sogar
       mehrere Bundesvorstandsmitglieder mit ihm.
       
       ## Das Gefühl von Sicherheit ist weg
       
       Die Linke sei „eine Partei, die miteinander um die richtige Position ringt
       – gerne auch hitzig und bis mitten in der Nacht“, schreiben Schwerdtner und
       van Aken in ihrer Erklärung. Dort, „wo Terror und Gewalt verherrlicht
       werden“, sei allerdings eine Grenze überschritten, formulieren sie
       erfreulich eindeutig. Wenn das nur alle in der Partei und darüber hinaus in
       der gesellschaftlichen Linken so sehen würden.
       
       Büttner will sich jedenfalls nicht unterkriegen lassen. Er werde seine
       Aufgabe „mit voller Entschlossenheit weiterführen“, versicherte der
       ehemalige Polizeibeamte [5][der Jüdischen Allgemeinen]. Gleichwohl muss er
       einräumen, dass der Schock bei ihm und seiner Familie tief sitzt. „Die
       Nacht hat sich unauslöschlich eingebrannt, weil plötzlich das Gefühl von
       Sicherheit weg ist“, sagte er. „Wenn die eigene Haustür angegriffen wird,
       trifft das einen im Innersten.“
       
       8 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Israelsolidarischer-Linker-Buettner/!6101867
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/potsdam/landeshauptstadt/einsatz-am-landtag-in-potsdam-polizei-pruft-moglicherweise-gefahrlichen-gegenstand-15104938.html
 (DIR) [3] /Geplante-Proteste-in-Leipzig/!6142982
 (DIR) [4] /Streit-ueber-Antisemitismus/!6045837
 (DIR) [5] https://www.juedische-allgemeine.de/politik/ploetzlich-war-das-gefuehl-von-sicherheit-weg/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Brandanschlag
 (DIR) Nahost-Debatten
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Die Linke
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Geplante Proteste in Leipzig: Connewitz wieder im Fadenkreuz – diesmal von links
       
       Propalästinensische Gruppen wollen gegen andere Linke in Leipzig-Connewitz
       demonstrieren, die angeblich zu israelfreundlich seien. Die Rechten jubeln.
       
 (DIR) Nach Chanukka-Anschlag in Sydney: Ein Jahr des antisemitischen Terrors
       
       Das Massaker am Bondi Beach in Australien war der tragische Höhepunkt. Doch
       2025 grassierte der antisemitische Terrorismus weltweit.
       
 (DIR) Israelsolidarischer Linker Büttner: Nahost-Streit füllt das Sommerloch
       
       Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner wehrt sich gegen
       einen beantragten Partei-Ausschluss. Er wolle wie gehabt weitermachen.