# taz.de -- Justizreferendum in Italien: Rekord-Wahlbeteiligung bei Italiens Jugend
       
       > Von wegen unpolitisch! Wie gerade Italiens Jugendliche dafür sorgten, die
       > Justizreform von Giorgia Meloni per Referendum abzuschmettern.
       
 (IMG) Bild: Demonstration gegen Meloni nach dem Scheitern des Referendums zur Justizreform, 23. März in Rom
       
       Wirklich zufrieden ist Celine nicht. Klar, dass die Italiener*innen
       [1][Giorgia Melonis Justizreform im Referendum so klar verworfen] haben,
       das zaubert ihr schon ein Lächeln aufs Gesicht. Doch die 24-jährige
       Ökonomiestudentin hätte sich unter ihren Altersgenoss*innen eine
       höhere Beteiligung gewünscht. „Zu wenige“ aus ihrem Bekanntenkreis hätten
       an die Urnen gefunden, beschwert sie sich.
       
       Celine muss die Messlatte ganz schön hoch gelegt haben. Denn gerade die
       jungen Menschen gelten in diesen Tagen als die eigentlichen Sieger*innen
       des Referendums. Wäre es nach Meloni gegangen, hätten Richter*innen und
       Staatsanwält*innen in der Folge des Referendums an Unabhängigkeit
       gegenüber der Exekutive eingebüßt. Doch es kam anders. Während die
       allgemeine Wahlbeteiligung schon bei für Volksabstimmungen hohen 59 Prozent
       lag, erreichte sie bei den unter 35-Jährigen stolze 67 Prozent. Mehr noch:
       Während quer durch die Altersgruppen das Nein mit knapp 54 Prozent siegte,
       schnellte es bei den Jüngeren auf 60 Prozent hoch.
       
       Eine Umfrage im privaten Umfeld bestätigt das Bild. „Klar sind meine
       Töchter, beide Anfang 20, wählen gegangen“, berichtet Barbara. Sie hätten
       sich gründlich darüber informiert, [2][was Ministerpräsidentin Giorgia
       Meloni da mit der Justiz vorhatte], und dann hätten sie voller Überzeugung
       ihr Kreuz beim „No“ gemacht. Auch Monia, die in einem
       Lohnsteuerhilfe-Verein arbeitet und selbst nicht damit herausrücken will,
       wie sie abgestimmt hat, hat keinen Zweifel: Ihre zwei Töchter haben mit
       „No“ votiert.
       
       ## Briefwahl gibt es keine
       
       Viele haben für ihr Nein Mühen auf sich genommen. Wer fern vom
       Hauptwohnsitz studiert, musste für die Abstimmung zurück an den Heimatort,
       denn Briefwahl gibt es in Italien nicht. Celine zum Beispiel: Sie studiert
       in Neapel, ihr Wahllokal ist in Rom. Also samstags auf den Zug. Am Sonntag
       dann der Wecker um 7 Uhr, schnell wählen, um 9.30 Uhr zurück nach Neapel –
       wegen privater Termine, die Celine ebenso wenig versäumen wollte wie den
       Denkzettel für die Meloni-Rechte.
       
       Celine weiß von vielen, die am Wochenende unterwegs waren, die Freundin aus
       Rom zum Beispiel, deren Erstwohnsitz in Castellammare im Großraum Neapel
       liegt. „Klar hat sie sich auch aufgemacht“, genauso wie Elisa aus Florenz,
       die in einer toskanischen Kleinstadt abstimmte.
       
       Giorgia Meloni hat das wohl geahnt. Noch drei Tage vor dem am Sonntag und
       Montag abgehaltenen Referendum eilte sie ins Podcast-Studio des prominenten
       Rappers Fedez, um sich beim jungen Volk anzubiedern – doch es nützte
       nichts. Nichts gegen viral gegangene [3][Social-Media-Posts] wie einen, in
       dem eine junge Frau das neue Waschmittel „Mastro Nordio“ anpries, spöttisch
       benannt nach Melonis Justizminister Carlo Nordio. „Weiße Kragen“ könne es
       wieder reinwaschen, auch wenn sie übel verdreckt sind, erzählt der Sprecher
       aus dem Off – und spielt damit allzu deutlich auf die Neigung der
       italienischen Rechten an, Täter aus Politik und Wirtschaft vor
       richterlichen Nachstellungen zu schützen.
       
       ## „Generation Gaza“
       
       Immer wieder ist jetzt in den TV-Diskussionen von der „Generation Gaza“ die
       Rede, von den hunderttausenden jungen Menschen, die im September letzten
       Jahres auf die Straßen gingen, um gegen Israels Vernichtungskrieg zu
       protestieren – eine Generation, die alles andere als unpolitisch ist, auch
       wenn das über Jahre so oft behauptet wurde, dass es schon als Gewissheit
       galt.
       
       Die Rechte macht sich ihren eigenen Reim darauf. „Pro-Pal“-Fanatiker hätten
       gewonnen, hieß es in einem meloninahen Blatt. „Der produktive Norden“ habe
       mit Ja gestimmt, befand Mario Sechi, Chefredakteur der Rechtspostille
       Libero, während die, die auf „ein Einkommen ohne Arbeit“ zielten, mit Nein
       votiert hätten.
       
       Celine hat gerade einen Screenshot auf Instagram gepostet, mit Zahlen zur
       in Italien extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit. Auch die könnten einen
       kleinen Beitrag dazu leisten, das Abstimmungsverhalten der Jüngeren zu
       erklären, glaubt sie.
       
       28 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Justizreform-von-Giorgia-Meloni/!6165175
 (DIR) [2] /Traum-der-italienischen-Rechten/!6163179
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/shorts/kgefiC5bC2M
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
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