# taz.de -- Italien feiert Tag der Befreiung: Wir haben ein Problem
> Hunderttausende Antifaschist*innen gedenken der Nazi-Befreiung auf
> Italiens Straßen. Am Ende des Tages gibt es Schüsse. Meloni weiß davon
> offenbar nichts.
(IMG) Bild: Demonstration zum Tag der Befreiung in Mailand am 25.04.2026
Viel los ist jedes Jahr am 25. April in Italien. Da wird im ganzen Land die
Befreiung von Hitlers Nazibesatzern und ihren faschistischen italienischen
Helfershelfern gefeiert, hatten sich doch an jenem Tag im Jahr 1945 überall
im noch besetzten Norden von Ligurien über die Lombardei bis zum Veneto die
Partisanenverbände zum entscheidenden Aufstand erhoben.
Der Tag beginnt ganz offiziell mit der feierlichen Kranzniederlegung durch
den Staatspräsidenten am Grab des unbekannten Soldaten in Rom. In den
letzten Jahren war da auch immer die – nie besonders enthusiastisch
dreinblickende – Ministerpräsidentin und Postfaschistin Giorgia Meloni
dabei, [1][die dann allerdings den Rest des 25. April brav zu Hause
verbringt].
In Mailand hat ein riesiger Demonstrationszug Tradition – dieses Jahr kamen
rund hunderttausend –, Zehntausende waren in Rom auf der Straße.
Kundgebungen gab es auch in Dutzenden größeren und kleineren Städten. Am
nächsten Tag allerdings dominierte nicht die ausgelassene Stimmung der
Antifaschist*innen die Schlagzeilen und TV-Berichte, sondern einige
unschöne Episoden am Rande der Demos. Eine der Überschriften: „Krach statt
Einigkeit“.
Los ging es in Rom. Dort wurden am Sammelpunkt der Demo einigen
Teilnehmer*innen der kleinen linksliberalen Partei +Europa ukrainische
Fahnen entrissen. „Faschisten mit roten Fahnen“ hätten sie mit Pfefferspray
eingenebelt, empörte sich einer der Attackierten, „diese Schande kennt
keinen Präzedenzfall“.
Nicht viel anders ging es einem 80-jährigen Demonstranten in Bologna, dem
von Ordnern der Zutritt zu dem Sammelplatz einer Demo der radikalen Linken
verwehrt wurde, [2][weil er mit einer ukrainischen Fahne unterwegs war].
„Tiefe Trauer“ äußerte der alte Herr angesichts des Vorfalls. Sicher war
ihm zumindest die Solidarität des Bürgermeisters von Bologna, Matteo
Lepore. Der sah in dem Vorfall „eine Beleidigung für das, was dieser Tag
repräsentiert“.
## Israelische Fahnen und "Thank you Donald"-Schilder
Richtig zur Sache ging es dann auf der Großdemo in Mailand. Dort hatte sich
wie immer in den letzten Jahren der Block der „Brigata ebraica“
eingefunden, der „Jüdischen Brigade“, die 1945 in den Reihen der alliierten
Truppen gekämpft hatte. Tausende Demonstrant*innen versperrten ihnen den
Weg und forderten sie zum Verlassen des Demonstrationszugs auf. In dem
Block wurden nicht nur die israelische und die US-Fahne ebenso wie die
Flagge Irans aus den Schahzeiten geschwenkt, sondern auch Fotos von
Benjamin Netanjahu und Reza Pahlavi ebenso wie Trump verherrlichende
Schilder mit der Aufschrift „Thank you Donald“ hochgehalten.
Am Ende musste die Brigata ebraica abziehen. Die Partito Democratico (PD)
zeigte sich solidarisch und sprach von einem „absolut gravierenden“
Geschehen, [3][ja von „einem antisemitischen Klima“]. Mailands Jüdische
Gemeinde wiederum warf dem Partisanenverband Anpi vor, er habe „das alles
organisiert, weil er von Beginn an Nein zu Juden im Demonstrationszug
gesagt hat“. So ganz stimmt das nicht: Ein Nein hatte es nur gegen das
Mitführen israelischer Fahnen gegeben – und die Anpi klagt jetzt wegen
Verleumdung gegen die Jüdische Gemeinde.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich nachmittags in Rom. Dort wurden eine
Frau und ein Mann mit einer Druckluftpistole beschossen; beide trugen das
Halstuch des Partisanenverbands Anpi.
Am Ende des Tages meldete sich dann Ministerpräsidentin Meloni
höchstpersönlich zu Wort. Sie zählte einige Vorfälle des Tages auf und
resümierte sarkastisch: „Wenn dies die Leute sind, die sagen, dass sie
Freiheit und Demokratie verteidigen, dann haben wir ein Problem.“
Ein Problem lässt Meloni in ihrer Aufzählung aber aus: Über den mit einer
Schusswaffe verübten Angriff auf die zwei Antifaschist*innen in Rom spricht
sie nicht. Als Täter wurde drei Tage später ein 21-jähriges Mitglied der
Jüdischen Gemeinde verhaftet.
30 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schulbesetzung-gegen-Meloni-in-Italien/!6172962
(DIR) [2] /Besuch-in-der-Sperrzone/!6173039
(DIR) [3] /Gaza-Solidaritaet-und-Kunstfreiheit/!6174590
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Nationalsozialismus
(DIR) Italien
(DIR) Giorgia Meloni
(DIR) Antifaschismus
(DIR) Linke Proteste
(DIR) Palästina-Proteste
(DIR) Italien
(DIR) Giorgia Meloni
(DIR) Kolumne Stadtgespräch
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Schulbesetzung gegen Meloni in Italien: Was sie wollen
In Bologna besetzen Schüler:innen vier Tage lang ihre Schule. Sie
kritisieren die Regierung von Meloni und protestieren gegen Aufrüstung.
(DIR) Wahlrechtsreform in Italien: Melonis Trump’sche Züge
Das Referendum zur Justizreform ist gescheitert. Nun versucht Italiens
Regierungschefin Giorgia Meloni den nächsten Schritt Richtung Machterhalt.
(DIR) Justizreferendum in Italien: Rekord-Wahlbeteiligung bei Italiens Jugend
Von wegen unpolitisch! Wie gerade Italiens Jugendliche dafür sorgten, die
Justizreform von Giorgia Meloni per Referendum abzuschmettern.