# taz.de -- Zusammenarbeit von Union und AfD: Im Notfall mit der AfD
> Radikal Rechte mit Mehrheiten mit radikal Rechten bekämpfen zu wollen,
> ist verrückt. Und trotzdem hat die EVP-Fraktion es erneut versucht.
(IMG) Bild: Manfred Weber (CSU) auf der Feier zum 50-jährigen Besehen der Europäischen Volkspartei (EVP)
Am Mittwochabend hätte Manfred Weber die Dinge gerade biegen können. Bei
einer Feier zum 50-jährigen Bestehen der EVP, dem Zusammenschluss
konservativer Parteien in Europa, hielt der Vorsitzende eine Rede. Weber
hätte sich entschuldigen und versprechen können, dass es künftig keine
Zusammenarbeit mit den radikal Rechten mehr geben wird. [1][Aber das tat
der CSU-Mann nicht.] Im Kampf gegen die „Rechtspopulisten“ sei
entscheidend, dass die EVP ihre Wahlversprechen erfülle, sagte Weber.
Deshalb sei die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten „nicht exklusiv“.
Webers Strategie: Wenn man links von der EVP nicht mitspielt, dann sucht
man eben zudem künftig Mehrheiten rechts, auch mit der AfD. Eine
„strukturierte Zusammenarbeit“ aber solle es weiterhin nicht geben. Diese
fein ziselierte Formulierung soll bedeuten: Zustimmen dürfen die radikal
Rechten, Einfluss nehmen aber nicht.
Die radikal Rechten mit Mehrheiten mit radikal Rechten bekämpfen zu wollen,
das ist schon verrückt genug. Recherchen der dpa zeigen, dass diese
einschließlich der AfD – in einer [2][Chatgruppe auf Mitarbeiterbene und
bei einem persönlichen Treffen] mit Webers französischem Stellvertreter –
bei der Gesetzgebung eben doch mitreden durften.
Das ist für die Demokratie nicht nur höchst gefährlich, sondern
widerspricht dem Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU sowie zahl- und
wortreichen Versprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die eine
Zusammenarbeit und Absprachen mit der AfD ausschließen. Dass Weber von
alldem nichts gewusst haben will, macht die Sache nicht besser. Entweder
ist das nicht die ganze Wahrheit – oder die Fraktion unterläuft Webers
Vorgaben. So oder so ist das problematisch.
Kurzfristig hat die Union im Bund von Webers Strategie profitiert.
[3][Asylrechtsverschärfungen,] Verschiebung der Entwaldungsverordnung und
den Abbau des Lieferkettengesetzes, alles mit rechten Mehrheiten
verabschiedet, konnte sie hierzulande als Erfolg der eigenen Linie
verkünden. Langfristig aber arbeitet die Union so an ihrer eigenen
Zerstörung mit.
Denn natürlich wird die AfD mittelfristig Gesetzentwürfe der EVP nicht
einfach durchwinken – sondern verstärkt eigene Forderungen durchsetzen
wollen. So werden die Positionen der AfD weiter normalisiert und die
Wirkmächtigkeit der Partei wird deutlich erhöht. Das steigert die
Attraktivität für Wähler*innen. Der Druck auf die Union wird so weiter
wachsen und die inneren Fliehkräfte werden es auch.
Auch dass Merz’ klare Worte („Wir missbilligen das“) offenbar keine Folgen
haben, gibt Anlass zur Sorge. Denn wenn man nicht nur in den Kommunen,
sondern auch in der EU ohne Konsequenzen fröhlich Löcher in die Brandmauer
schießen darf – wie soll diese dann auf Landesebene halten, wenn es nach
der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hart auf hart kommt? Es stimmt zwar: Die
Brandmauer birgt eine Menge Probleme. Aber eine bessere Methode, die AfD
von der Macht fernzuhalten, gibt es bislang nicht.
20 Mar 2026
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