# taz.de -- Hohe Spritpreise: Nutzen Tankstellen den Krieg in Iran zur Abzocke?
       
       > Über zwei Euro kosten Benzin und Diesel gerade in Deutschland. Die
       > Bundespolitik diskutiert darüber, ob und wie einzugreifen ist.
       
 (IMG) Bild: Bei den hohen Preisen macht Tanken nur den Tankstellenbetreibern Spaß
       
       Die Preise für Diesel und Benzin haben die Marke von 2 Euro pro Liter
       übersprungen. Zocken Tankenstellen die Autofahrer systematisch ab, seit
       [1][Öl infolge des Kriegs] in [2][Iran] am Weltmarkt teurer geworden ist?
       Die Preise an der Zapfsäule sind mal wieder zum Politikum geworden.
       
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte bereits eine
       kartellrechtliche Prüfung an. Sie sei in dieser Sache mit dem
       Bundeskartellamt im Austausch, sagte sie. Unterdessen forderte die Linke
       von der Regierung bereits „zeitnah ein Ergebnis“. Linken-Fraktionschef
       Sören Pellmann sagte im Sender ntv, er erwarte ein Resultat „bis Anfang
       nächster Woche“.
       
       Dass sich – vor allem so kurzfristig – Anhaltspunkte für ein Einschreiten
       der Kartellbehörden ergeben werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich.
       Der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte 2022 in der
       Energiekrise infolge des Ukrainekriegs eine Sektoruntersuchung des
       Bundeskartellamts zu Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel initiiert. Im
       Februar 2025 wurde sie mit einem umfangreichen [3][Endbericht]
       abgeschlossen.
       
       Die Analyse habe „eine hohe Markttransparenz auf allen Ebenen der
       Wertschöpfungskette“ belegt, sagte damals Kartellamtspräsident Andreas
       Mundt. Es gab lediglich ein paar Empfehlungen an die Politik hinsichtlich
       von Details – etwa eine stärkere gesetzliche Regulierung von
       Preisnotierungen im Mineralölbereich.
       
       ## Höhere Preise am globalen Rohölmarkt
       
       Wie kommen die Endkundenpreise nun zustande? Am Anfang der Preisbildung
       steht immer der globale Rohölmarkt mit Angebot und Nachfrage. Dort sind die
       Notierungen nach dem Beginn des Irankriegs um rund 20 Prozent auf nunmehr
       84 Dollar pro Barrel gestiegen.
       
       Die Märkte der einzelnen Mineralölprodukte sind unterdessen auch regional
       geprägt. In Westeuropa zum Beispiel produzieren die Raffinerien mehr
       Benzin, aber weniger Diesel, als jeweils nachgefragt wird. Somit sind beim
       Diesel, anders als beim Benzin, auch Importe des Endprodukts nötig, was
       diesen Treibstoff aufgrund der gestörten Handelswege in jüngster Zeit
       besonders verteuert hat.
       
       Für den Einkauf der Tankstellen sind die Produktpreise für Benzin und
       Diesel relevant. Diese hängen nicht nur vom Rohölpreis, dem Wechselkurs
       Dollar/Euro und den zuletzt auch gestiegenen Transportkosten der Tanker ab,
       sondern auch schlicht vom regional verfügbaren Angebot.
       
       Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie teilte auf Anfrage mit, dass der
       Dieselpreis in Rotterdam „seit Beginn des Nahostkonflikts und der
       [4][De-facto-Sperrung der Straße von Hormus]“ um 26 Cent je Liter oder fast
       50 Prozent gestiegen sei. Bei Benzin seien es plus 12 Cent oder 17 Prozent.
       Die Preise seien „ein Knappheitsindikator in einer geopolitisch schwierigen
       Situation“.
       
       ## Tankstellen zahlen jetzt höhere Einkaufspreise
       
       Zu Irritationen führt oft die Tatsache, dass die Tankstellen ihren Sprit im
       Großhandel zwar häufig auf Basis langfristiger Lieferverträge (sogenannter
       Termverträge) beschaffen, gleichwohl aber an den kurzfristigen Preisen
       hängen. Denn der Preis bestimmt sich oft auf Basis eines Index zum
       Zeitpunkt der Lieferung.
       
       „Die für die deutschen Großhandelsmärkte relevantesten Anbieter von
       Preisnotierungen sind die zum S&P-Konzern gehörende S&P Global Commodity
       Insights“, erklärt das Bundeskartellamt. Für Mitteleuropa am wichtigsten
       sind die ARA-Indices (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen). Daher müssen auch
       die Tankstellen oft unmittelbar höhere Einkaufspreise bezahlen, sobald die
       Rohölpreise steigen.
       
       Unterdessen kam im politischen Berlin neben einer kartellrechtlichen
       Prüfung auch ein zweites Thema wieder auf – was inzwischen oft passiert,
       wenn Energiepreise steigen: ein staatlich finanzierter Tankrabatt. Doch
       anders als im Jahr 2022 nach dem Beginn des Ukrainekriegs soll es einen
       solchen diesmal nicht geben. „Das steht nicht auf der Agenda“, sagte
       Wirtschaftsministerin Reiche laut Medienberichten.
       
       Ebenso ablehnend zeigte sich Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)
       im Bundestag auf die Frage eines AfD-Abgeordneten, ob der Staat angesichts
       der „horrenden Steigerung der Treibstoffpreise“ nicht die Spritsteuern
       senken wolle. Sein Vorschlag: „Grundsätzlich ist es am besten, Sie fahren
       ein batterieelektrisches Auto. Dann sind Sie nicht davon abhängig, wie der
       Benzinpreis ist.“
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Energiepreise-seit-dem-Irankrieg-Angst-vor-dem-Preisschock/!6160064
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Iran/!t5007776
 (DIR) [3] https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2025/02_19_2025_SU_Raffinerien.html
 (DIR) [4] /Strasse-von-Hormus/!6159021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernward Janzing
       
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