# taz.de -- Straße von Hormus: Straßensperrung mit Folgewirkung
> Der Krieg der USA und von Israel gegen Iran findet in einer der
> wichtigsten Ölregionen der Welt statt. Eine FAQ zu den möglichen Folgen.
(IMG) Bild: Wichtiger Seeweg: Fischerboote vor Öltankern südlich der Straße von Hormus
## Der [1][Angriff der USA und von Israel auf Iran] findet in einer der
wichtigsten Ölregionen der Welt statt. Wird jetzt das Öl knapp?
Das lässt sich noch nicht sicher voraussagen. Bislang beträgt die globale
Ölproduktion nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) 106,6
Millionen Barrel pro Tag (159 Liter je Barrel). Iran selbst produziert
täglich etwa 3,3 Millionen Barrel Öl, wovon mehr als 2 Millionen Barrel in
den Export gehen, wegen der westlichen Sanktionen vor allem nach China.
Unklar ist, ob das angegriffene Land dazu weiterhin in der Lage sein wird.
Allerdings hat das Ölkartell Opec plus, dem Saudi-Arabien, Irak, die
Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Kasachstan, Algerien und Russland
angehören, sich [2][am Sonntag darauf verständigt], die Ölproduktion im
April um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Allerdings gibt es
Transportprobleme: Irans Revolutionsgarden haben am Samstag bekanntgegeben,
dass die [3][Straße von Hormus] bis auf Weiteres für die internationale
Schifffahrt gesperrt sei. Nach staatlichen Angaben Omans wurde bereits ein
Öltanker angegriffen. Die Meerenge ist der einzige Weg zum Persischen Golf.
Auf jeden Fall ist davon auszugehen, dass der Ölpreis deutlich ansteigt.
Schon vor dem Angriff auf Iran hatten alleine die Drohungen der USA zu
einer Verteuerung geführt. So kostete am Freitag ein Barrel Brent Nordseeöl
mit 72,48 US-Dollar bereits zehn Prozent mehr als zehn Tage zuvor. Laut der
britischen Bank Barclays könnte der Preis Anfang dieser Woche auf bis zu
100 US-Dollar steigen.
Sollte die Straße von Hormus nicht zeitnah wieder passierbar sein, fürchten
manche Analyst:innen auch einen noch höheren Anstieg, was zuletzt nach
dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 der Fall war. „Schon der
Wegfall weniger Prozent Öl auf dem Weltmarkt kann sehr preisbewegend sein“,
sagt Klaus-Jürgen Gern, Rohstoffexperte des Kiel Instituts für
Weltwirtschaft.
## Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Die Straße von Hormus ist eine 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Oman
und Iran und war bereits in der Antike ein wichtiger Seeweg. Heutzutage
verbindet sie wichtige Ölhäfen des Nahen Ostens mit den Weltmeeren. Nach
Angaben von Rohstoffexperte Gern werden je 20 Prozent des globalen
Handelsvolumens an Öl und Flüssiggas durch die Straße von Hormus
transportiert, unter anderem aus Irak, aus Saudi-Arabien, den Vereinigten
Arabischen Emiraten und Kuwait. Ein großer Teil des Öls geht nach Asien,
vor allem nach China.
Zwar gibt es Alternativen zum Seetransport, etwa die Ost-West-Pipeline von
Saudi-Arabien zum Roten Meer und die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline der
Vereinigten Arabischen Emirate. Aber sie haben nur sehr begrenzte
Kapazitäten.
## Welche Folgen hätte eine Dauerblockade der Straße von Hormus?
Brechen 20 Prozent der globalen Ölproduktion über einen längeren Zeitraum
weg, kann das nicht ausgeglichen werden. Es würde zu Engpässen kommen. Zwar
gibt es sogenannte Reservekapazitäten in Form nicht voll ausgelasteter
Förderstätten – aber die liegen auch in der Region und müssen über die
Straße von Hormus transportiert werden.
Bei einer langen Sperrung würden die Preise weit über 150 Dollar pro Barrel
steigen, erwartet Rohstoffexperte Gern. Das würde die Inflation anheizen,
denn alle Produkte, für deren Herstellung Öl benötigt wird, würden teurer,
Transporte ebenso. Je länger die Blockade andauern würde, desto größer
wären die Probleme. Unternehmen könnten etwa die Herstellung ölintensiver
Produkte einstellen, Staaten schlimmstenfalls Öl rationieren.
Die Ölkrisen der Jahre 1973 und 1979/80 führten in den Industrieländern zu
schweren Wirtschaftskrisen. Die Ölkrise 1973 wurde durch den
Jom-Kippur-Krieg ausgelöst, der mit dem Überfall arabischer Staaten auf
Israel begann. Arabische Staaten drosselten gezielt ihre Ölförderung, um
die westlichen Länder dazu zu bringen, Israel nicht mehr zu unterstützen.
Die Krise 1979/80 folgte auf die Islamische Revolution in Iran und den
anschließenden Angriff Iraks auf das Land, den Ersten Golfkrieg. Auch der
Zweite Golfkrieg 1990 und der Irakkrieg 2005 führten zu vorübergehenden
Preisspitzen. Eine Lehre aus den Ölschocks: Länder und Unternehmen haben
große Lagerbestände an Öl aufgebaut, die für die Überbrückung einiger
Wochen reichen.
## Wie wahrscheinlich ist eine Dauerblockade?
Das ist schwer zu sagen. Iran braucht die Straße von Hormus für eigene Ex-
und Importe. Andererseits könnten Irans Machthaber zum Äußersten
entschlossen sein, wenn es um die Existenz ihrer Islamischen Republik geht
– und es ist noch völlig offen, wie lange sie sich an der Macht halten
können. Für eine Sperrung wäre keine physische Blockade nötig, die
Androhung von Attacken reicht.
Betroffen davon würden auch die USA sein, die zwar einerseits inzwischen
zum größten Produzenten von Öl und Gas geworden sind, andererseits aber
nach wie vor einen Anteil von 40 Prozent des Rohöls und anderer
Petroleumarten importieren. Ein Grund dafür ist, dass einige US-Raffinerien
eine bestimmte Sorte Öl benötigen, die in den USA selbst nicht produziert
wird.
## Wer profitiert von steigenden Ölpreisen?
Ein großer Profiteur wäre Russland. Das Land exportiert trotz westlicher
Sanktionen weiterhin viel Öl, wenn auch unter Weltmarktpreisen. Im Februar
waren es 2,8 Millionen Barrel. Hauptabnehmer sind Indien und China. Steigen
die Preise, spült das mehr Geld in Putins Kriegskasse.
## Welche Folgen haben hohe Ölpreise für Verbraucherinnen und Verbraucher?
Energiekonzerne geben steigende Preise rasch weiter. Sprit würde schnell
teurer werden, für viele Menschen auch das Heizen. Denn 17 Prozent der
Wohnungen in Deutschland haben noch immer Ölheizungen. Und: Hohe
Energiekosten heizen die Inflation insgesamt an. Das Leben würde teurer.
## Die deutsche Wirtschaft hat den Energiepreisschock nach dem Angriff
Russlands auf die Ukraine noch nicht weggesteckt. Was würde ein stark
steigender Ölpreis für sie bedeuten?
Nichts Gutes. Deutschland befindet sich nach wie vor in einer schlechten
Wirtschaftslage. Hohe Ölpreise würden die schwierige Lage noch verschärfen.
Die Energiekosten machen vielen Unternehmen schon jetzt schwer zu schaffen.
Vor allem, wenn Preise sprunghaft steigen, ist das ein Problem. Dann können
Unternehmen sich nicht darauf einstellen.
Nach wie vor ist die Abhängigkeit von Öl in Deutschland hoch. Von den
Energieimporten im Wert von 83 Milliarden Euro im Jahr 2023 entfielen
[4][nach Angaben des Öko-Instituts] 49 Milliarden auf Öl. Allerdings: Bis
2045 will Deutschland klimaneutral sein, dann soll kein Öl mehr zur
Energieerzeugung importiert werden. Denn das ist extrem klimaschädlich.
„Die Abkehr vom Öl leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Resilienz der
deutschen Wirtschaft“, sagt Philipp Godron, Programmleiter Strom beim
Thinktank Agora Energiewende. Der Ausbau etwa von Wind- und Sonnenkraft
trägt [5][langfristig dazu bei, die Energiepreise zu senken], betont er.
## Wären stark steigende Preise des Öls nicht auch eine Chance für einen
schnelleren Abschied von diesem Klimakiller?
Nicht unbedingt. „Es braucht einen politischen Rahmen, der darauf abzielt,
den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen attraktiv zu machen“, sagt
Godron. Ein Beispiel: Steigen die Spritkosten um 20 Cent je Liter, ist das
kein direkter Impuls zur Anschaffung eines E-Autos. Denn die
Anschaffungskosten spielen für potenzielle Käufer:innen die zentrale
Rolle. Gibt es aber einen Zuschuss vom Staat, könnte beides zusammen ein
Anstoß werden.
## Gibt es Länder, die weniger unter einem steigenden Ölpreis leiden
würden, weil sie aus vorherigen Energiekrisen gelernt haben?
Ein Beispiel dafür ist Dänemark. Die Ölkrise 1973 hat das Land hart
getroffen. Als Konsequenz stellte es die Wärmeversorgung um. So
verpflichtete Dänemark bereits 1979 die Kommunen, eine Wärmeplanung
vorzunehmen – womit Deutschland erst Jahrzehnte später begonnen hat. 2013
wurde in Dänemark der Einbau von Öl- und Gasheizungen in Neubauten
verboten, Fernwärme spielt dort eine große Rolle. Viele Anbieter sind
genossenschaftlich organisiert und schütten Gewinne nicht an Anteilseigner
aus, sondern investieren sie.
Auch das damalige Westdeutschland hat auf den Ölschock 1973 reagiert. Es
hat als Konsequenz unter anderem den Ausbau der Atomkraft forciert. Der
Staat hat Unsummen in diese Hochrisikotechnologie gesteckt. Bis heute ist
die Frage nicht beantwortet, wie der nach dem Ausstieg übrig gebliebene
radioaktive Müll sicher gelagert werden kann.
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Angriff-auf-Iran/!6158927
(DIR) [2] https://www.opec.org/pr-detail/1619593-1-march-2026.html
(DIR) [3] /Die-Strasse-von-Hormus/!5615409
(DIR) [4] https://www.oeko.de/publikation/kosten-der-energieimporte-nach-deutschland-und-europa/
(DIR) [5] https://www.agora-energiewende.de/publikationen/erneuerbare-energien-senken-strompreise-unabhaengig-von-der-nachfrage
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
(DIR) Pascal Beucker
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