# taz.de -- Steigende Energiepreise durch Irankrieg: Angst vor dem Preisschock
       
       > Die Energiepreise steigen infolge des Irankriegs. Das schadet der
       > Wirtschaft. Grüne und Linkspartei fordern eine Senkung der Stromsteuer
       > für alle.
       
 (IMG) Bild: Der Sprit wird in Deutschland nicht knapp. Aber immer teurer
       
       Die steigenden Preise für Öl nähren die Sorge vor Preisschocks wie im Jahr
       2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Anhaltend höhere Ölpreise
       würden der deutschen Volkswirtschaft stark schaden, warnen Ökonom:innen.
       
       Nach dem Angriff der USA und Israels [1][hat der Iran die Straße von Hormus
       geschlossen.] Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweit
       gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Deutschland bezieht kaum
       Gas und Öl aus der Region, ist aber von den Verwerfungen auf den
       Weltmärkten betroffen. Preissteigerungen dort wirken sich global aus.
       
       Benzin und Diesel sind so teuer wie zuletzt nach den Preisschocks infolge
       des russischen Angriffs auf die Ukraine. Auch Heizöl und Gas sind teurer
       geworden. Hohe Energiepreise treiben die Inflation nach oben. Hinzu kommen
       Belastungen für Hersteller, die Öl und Gas als Rohstoff benötigen.
       
       Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind hohe
       Ölpreise eine herbe Belastung für Unternehmen. „Mit Verwerfungen in einem
       Ausmaß wie in den Ölkrisen der 1970er Jahre ist derzeit nicht zu rechnen“,
       sagt IW-Ökonomin Galina Kolev-Schaefer. Diese Ölkrisen hatten in
       Industriestaaten schwere Rezessionen ausgelöst. Auch wenn dieses Ausmaß
       nicht erreicht wird, treffe jeder Energiepreisanstieg und jede Störung des
       globalen Handels die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen
       Wirtschaft empfindlich, sagt die Ökonomin.
       
       ## Gefahr für das Wirtschaftswachstum
       
       Dabei hat sich die deutsche Wirtschaft noch immer nicht von der
       Energiepreiskrise 2022 erholt. Nach zwei Jahren Rezession stagnierte das
       Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025. Für 2026 erwarten Ökonom:innen ein
       leichtes Wachstum von rund 1 Prozent, für 2027 etwas mehr. Ein hoher
       Ölpreis könnte diese leichte Erholung stören.
       
       Vor dem Krieg lag der Preis für ein Barrel Öl unter 70 Dollar. Sollte er
       auf mehr als 100 Dollar steigen, schmälert das das BIP in diesem Jahr um
       0,3 Prozent und im Jahr 2027 um 0,6 Prozent, zeigt eine Simulation des IW.
       Das entspräche einem wirtschaftlichen Schaden in zwei Jahren von 40
       Milliarden Dollar. Würde der Barrel-Preis auf über 150 Dollar steigen,
       würde das BIP 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent geringer
       ausfallen als prognostiziert.
       
       Die aktuell hohen Preise an den Tankstellen lassen den Verdacht aufkommen,
       dass die Energiekonzerne aus Profitgier die Preise höher treiben als
       gerechtfertigt. Die FDP fordert eine Neuauflage des Tankrabatts, den die
       Ampel im Sommer 2022 gewährt hatte. Das will die Bundesregierung nicht. Der
       Tankrabatt war seinerzeit harsch kritisiert worden, weil die Konzerne ihn
       offenbar nicht an die Verbraucher:innen weitergegeben haben. Außerdem
       war er klimapolitisch ein falsches Signal, monierten Kritiker:innen
       seinerzeit. Zeitgleich zum Tankrabatt gab es das 9-Euro-Monatsticket für
       den gesamten deutschen Nahverkehr.
       
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die derzeitigen
       Preiserhöhungen für Benzin und Diesel kartellrechtlich prüfen lassen. Aber
       das ist offenbar eine Nebelkerze. „Katherina Reiche will etwas, was Robert
       Habeck längst erfolgreich begonnen hat“, sagt der frühere
       Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold, heute Bundesvorstandsmitglied der
       Grünen. Die Prüfung sei längst geschehen. „Sie soll Vorschläge machen, was
       sie ändern will“, fordert er.
       
       Der Hintergrund: Habeck hat seinerzeit als Wirtschaftsminister [2][das
       Kartellrecht] nach den hohen Spritpreissteigerungen im Jahr 2022
       verschärft. Auf dieser Grundlage [3][hat das Bundeskartellamt eine
       sogenannte Sektoruntersuchung Kraftstoffgroßhandel eingeleitet.] In einer
       vorhergehenden Prüfung hatten die Kartellwächter:innen Anhaltspunkte
       für Marktstörungen gefunden. Sollte sich das bestätigen, gibt es eine Reihe
       von Eingriffsmöglichkeiten bis hin zur Zerschlagung von Unternehmen.
       
       ## Forderung nach Senkung der Stromsteuer
       
       Um die Bürger:innen schnell zu entlasten, sollte die Bundesregierung die
       Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß senken, fordert Giegold. „Das
       wäre auch aus ökologischen Gründen sinnvoll und würde uns unabhängiger von
       Energieimporten machen.“ Rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland stammen
       aus erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung hat die Stromsteuer bislang
       entgegen ihren Ankündigungen nur für Großverbraucher herabgesetzt.
       
       Auch die Linkspartei fordert die Senkung. „Die Bundesregierung ist in der
       Verantwortung, schleunigst dafür zu sorgen, dass die Energiepreise in
       Deutschland nicht wieder exorbitant in die Höhe schießen und die Inflation
       weiter anheizen“, sagt der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Sören
       Pellmann. Auch mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie könnten
       Bürger:innen nach Pellmanns Auffassung entlastet werden, wenn der Staat
       gleichzeitig eine staatliche Preisaufsicht einführen würde.
       
       5 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Strasse-von-Hormus/!6159021
 (DIR) [2] /Nach-der-Verschaerfung-des-Kartellrechts/!5943567
 (DIR) [3] https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Meldung/DE/Pressemitteilungen/2025/03_06_2025_Verfahren_32f.html#:~:text=Bundeskartellamt%20-%20Homepage%20-%20Bundeskartellamt%20pr%C3%BCft%20erhebliche,Erstes%20Verfahren%20auf%20Basis%20des%20neuen%20Wettbewerbsinstruments.
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
       ## TAGS
       
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