# taz.de -- Preissprünge wegen Irankrieg: EU und Bund setzen Energie-Krisenstäbe ein
       
       > Der Großhandelspreis beim Gas verdoppelt sich, die Kosten für Sprit und
       > Heizöl ziehen an. Grüne kritisieren Festhalten der Regierung an Fossilen.
       
 (IMG) Bild: Ist ganz schön teurer geworden: Öllieferant mit Schlauch
       
       Das Bundeswirtschaftsministerium hat aufgrund der Preissprünge auf den
       Energiemärkten infolge des Irankriegs einen Krisenstab eingesetzt. „Die
       bereits während der drohenden Sperrung der Straße von Hormus im vergangenen
       Jahr eingesetzte Taskforce wurde erneut einberufen“, sagte eine Sprecherin
       des Bundeswirtschaftsministeriums. Beteiligt seien unter anderem die
       Bundesnetzagentur (BNetzA), der Bundesnachrichtendienst (BND), das
       Auswärtige Amt sowie das Bundeskanzleramt.
       
       „Gleichzeitig stehen wir in Kontakt mit Verbänden und Unternehmen zur
       Lage“, sagte sie. Eine Situation wie im Ukrainekrieg, als die Energiepreise
       unkontrolliert in die Höhe stiegen, soll vermieden werden. Am Montag hatte
       die EU-Kommission bereits angekündigt, einen Energie-Krisenstab mit den
       Mitgliedstaaten einzuberufen. Er soll Reaktionen auf rasant steigende Öl-,
       Sprit- und Gaspreise einleiten.
       
       Der Iran hatte am Sonntag die für Öl- und Flüssiggastransporte wichtige
       [1][Straße von Hormus gesperrt]. Zudem wurde wegen des Konflikts Öl- und
       Gasinfrastruktur in Katar, Israel, Saudi-Arabien und im irakischen
       Kurdistan zerstört oder aus Sicherheitsgründen stillgelegt. An der
       Versorgungslage in Deutschland habe sich deshalb bislang nichts geändert,
       sie ist laut Branchenvertretern und auch nach Angaben des Ministeriums
       gesichert.
       
       „Deutschland bezieht kein LNG aus der Region und nur sehr geringe Mengen
       Öl“, sagte die Sprecherin. Über die künftige Preisentwicklung will die
       Regierung jedoch nicht spekulieren. Über die Straße von Hormus werden rund
       20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Flüssiggas und Rohöl transportiert.
       Fehlen diese Mengen auf dem Weltmarkt, steigen die Preise – je länger,
       desto höher.
       
       ## Fachleute rechnen mit Inflation
       
       Am heftigsten schlägt sich die Unsicherheit derzeit in Europa auf die
       Gaspreise nieder. Auf 65 Euro pro Megawattstunde verdoppelte sich am
       Dienstag der Preis für in Amsterdam gehandeltes Gas im Vergleich zur
       vergangenen Woche. Damit war der Preis so hoch wie zuletzt in der
       [2][Energiekrise] vor drei Jahren.
       
       Wegen längerfristiger Lieferverträge dürfte dies zwar zunächst keine
       direkten Auswirkungen für Haushaltskunden haben. Allerdings liegt der
       Füllstand der deutschen Gasspeicher aktuell bei nur bei ungewöhnlich
       niedrigen 21 Prozent. Das heißt: Das Gas für den kommenden Winter dürfte
       teurer hinzugekauft werden müssen als geplant, wenn sich der Konflikt
       fortsetzt. Auch der Ölpreis stieg am Dienstag weiter an. So trieb die
       Furcht vor Lieferausfällen aus den Förderländern im Nahen Osten den Preis
       für Rohöl der wichtigen Sorte Brent um bis zu 9,5 Prozent auf über 85
       Dollar pro Fass.
       
       Die Mineralölkonzerne verkaufen derzeit zwar noch zu günstigeren Preisen
       erstandene Treibstoffe, nutzten die Nachrichtenlage dennoch zu
       Preiserhöhungen: Von Freitag bis Montag wurde Sprit laut ADAC um 6 bis 7
       Cent pro Liter teurer. Heizöl verteuerte sich im Schnitt laut dem
       Verbraucherportal Heizoel24 am Dienstagvormittag auf zeitweilig mehr als
       123 Euro für 100 Liter. Noch am Freitag waren es unter 100 Euro gewesen.
       
       Fachleute rechnen für dieses Jahr wegen der steigenden Energiepreise
       bereits mit einer höheren Inflation. Das könne sich negativ auf die
       Konjunktur auswirken, sagte EZB-Chefvolkswirt ⁠Philip Lane. Für
       Energiekonzerne bedeuteten die höheren Rechnungen beim Tanken und Heizen
       „neue Rekordprofite“, kritisierte Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner –
       und forderte erneut eine Übergewinnsteuer.
       
       An diesem Mittwoch soll Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
       im Wirtschaftsausschuss des Bundestags erläutern, welche Auswirkungen der
       Irankonflikt auf die Energieversorgung haben könnte – und welche Maßnahmen
       die Bundesregierung plant. „Es ist eine schlechte Idee, wie von Ministerin
       Reiche beabsichtigt, an der [3][Abhängigkeit von fossilen Energien]
       festzuhalten“, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete und frühere
       Staatssekretär Michael Kellner der taz. Ihre Pläne, beim Heizen länger auf
       Gas und Öl zu setzen, müssten gestoppt werden.
       
       Vor einer Woche hatten Union und SPD ihre Entwürfe für eine Novellierung
       des [4][Gebäudeenergiegesetzes] vorgelegt. Sie wollen, dass weiterhin Gas-
       und Ölheizungen eingebaut werden dürfen. Damit die Klimaziele eingehalten
       werden, sollen Beimischungen und eine sogenannte Grüngasquote
       vorgeschrieben werden. Viele Expert:innen gehen davon aus, dass dadurch
       die Preise steigen werden.
       
       Diese Kritik hatte Reiche als „Hetzkampagne“ bezeichnet. Die Grünen
       verlangen nun von ihr Auskunft darüber, welche Erkenntnisse sie zu
       potenziellen Kostensteigerungen hat. Außerdem wollen sie wissen, wie der
       Sachstand zur Frage ist, ob die nur wenig verfügbaren Biogase zu einem
       Mangel anderswo führen, wenn sie verheizt werden.
       
       3 Mar 2026
       
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