# taz.de -- Ölpreise und Irankrieg: Doppelwumms lässt Börsen krachen
> Die Börsen schmieren wegen des rasant steigenden Ölpreises ab. Besonders
> massiv trifft das die Staaten des Globalen Südens – während Russland
> profitiert.
(IMG) Bild: Irgendwann ist' ausgetropft: ohne Rohöl kein Benzin
Gut eine Woche nach dem Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe
auf Iran haben die Folgen die internationalen Energie- und Finanzmärkte mit
voller Wucht erwischt: ein Doppelwumms, um ein Wort von Ex-Kanzler Olaf
Scholz (SPD) zu verwenden. Die Aktienkurse gerieten weltweit massiv ins
Rutschen aufgrund der Lieferengpässe und stark gestiegener Preise für
fossile Brennstoffe. Vor allem im Globalen Süden brechen Protestwellen los,
denn die Preiskrise trifft diese Länder bereits hart.
Da weiterhin [1][kaum Tanker durch das Nadelöhr Straße von Hormus im
Persischen Golf mehr fahren] und die Preise für Tanker sowie
Schiffsversicherungen in der Region massiv gestiegen sind, ist der Ölpreis
weltweit auf den höchsten Stand seit der russischen Vollinvasion in der
Ukraine vor vier Jahren gestiegen.
Die Aussichten sehen nicht gut aus: „Solange kein Öl durch die Straße von
Hormus transportiert wird, werden die Ölpreise nur steigen“, schrieb Warren
Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING, am Montagmorgen in einer
Mitteilung.
Da war der Preis für die Referenz-Ölsorte Brent aus der Nordsee pro Barrel
(je 159 Liter) auf über 100 Dollar gestiegen, in der Spitze sogar auf
118,48 Dollar. Das ist ein Anstieg von etwa 15 Prozent seit dem Wochenende.
Am Sonnabend hat laut der Schiffstracking-Firma Windward nur ein Tanker die
Straße von Hormus passiert, statt vor dem Krieg etwa 100 täglich.
## Großer Profiteur ist Russland
Durch die Meerenge vor der iranischen Golfküste werden etwa 26 Prozent der
weltweiten Öl- und Gasexporte transportiert. Nach Angriffen auf Tanker mit
iranischen Drohnen ist der Transport fast zum Erliegen gekommen. Dadurch
haben die Golfstaaten kaum noch Kapazitäten für die Einlagerung von Rohöl
und müssen ihre Ölförderung reduzieren. Der Irak, einer der führenden
Produzenten des Ölkartells Opec, musste bereits um 70 Prozent drosseln. Nur
ein Drittel der Rohölproduktion kann aus der autonomen kurdischen Provinz
via Türkei in Pipelines exportiert werden.
Vor allem Asien ist von Öl und Gas aus dem Mittleren Osten abhängig. Die
drastische Verteuerung von fossiler Energie seit dem
israelisch-amerikanischen Angriff auf Iran setzt die Wirtschaft stark unter
Druck. In der Folge sind die Aktienkurse an den Bösen in Seoul und Tokio am
Montag nochmals drastisch um mehr als 7 Prozent eingebrochen. Importeure
aus Japan, die vor allem auf Flüssiggas aus Katar angewiesen sind,
versuchen derzeit, LNG-Tanker voll mit verflüssigtem Erdgas auf den
Weltmeeren in Richtung Asien zu lenken.
Die Krise wird noch verschärft durch israelische Angriffe auf große Öllager
in Iran und wegen iranischer Drohnen, die über dem saudischen Ölfeld
Shaybah abgeschossen wurden, aber die Raffinerie in Bahrain in Brand
setzten. Die größten Industriestaaten (G7) wollten nach eigenen Angaben
beraten, strategische Ölreserven freizugeben, um den Preisanstieg
abzuschwächen.
[2][Großer Profiteur] des gestiegenen Ölpreises ist indes Russland: Moskau
musste bis vor dem Irankrieg [3][noch heftige Rabatte auf das Rohöl in den
Tankern seiner Schattenflotte] gewähren, um KäuferInnen zu finden. Jetzt
hat der Kreml Indien, dem drittgrößten Ölimporteur der Welt, diesen
Discount gestrichen.
## In Sri Lanka kommt es zu Demonstrationen
In Indien hat die Gas-Importkrise bereits zu einem Rückgang der
Düngemittelproduktion geführt. In anderen Ländern des Globalen Südens kommt
es wegen stark gestiegener Benzin- und Dieselpreise sowie erheblicher
Lieferengpässe inzwischen zu erheblichen lokalen Protesten.
Zafar Iqbal Sarwar, Chef der pakistanischen Textilfabrik ZIS Textiles,
klagt über hohe Kostensteigerungen und wegen der Lieferengpässe inzwischen
auch über enorme Exportprobleme an KundInnen in den Golfstaaten, berichtet
die Economic Times aus Indien. In Sri Lanka kommt es wegen täglicher,
sechsstündiger Stromabschaltungen und Stilllegungen von Fabriken und der
Streichung von Treibstoffsubventionen zu landesweiten Demonstrationen.
Nahrungsmittel- und Treibstoffsubventionen wegen der stark gestiegenen
Staatsausgaben für Energieimporte wurden auch in Ecuador, Honduras und
anderen Ländern gestrichen. In Argentinien wurden die Energiepreise für
Haushalte verdoppelt und die Lebensmittelsubventionen für Arme um ein
Drittel gekürzt. Inzwischen gibt es tägliche Demonstrationen dagegen in
Buenos Aires und anderen Städten.
In Tunesien werden Grundnahrungsmittel rationiert. In den Millionenstädten
Lagos und Abuja in Nigeria kam es zu Hamsterkäufen und leeren Regalen. Das
ist inzwischen sogar im reichen Dubai zu beobachten. [4][Laut Stefan Paul],
Chef des Logistikunternehmens Kühne + Nagel, hat die Stadt wegen der
Lieferengpässe nur noch für zehn Tage frische Lebensmittel. Das
Haupt-Emirat der VAE, Abu Dhabi, erlebt derweil einen drastischen
Preisverfall bei Luxus-Immobilien.
9 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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