# taz.de -- Israel schließt Teil seiner Gasfelder: Jordanien wird der Gashahn abgedreht
> Der Krieg in Iran erzeugt Energie-Engpässe: Israel schließt seine
> Gasfelder im Mittelmeer und Jordanien wechselt in den Notfallbetrieb.
(IMG) Bild: Teile der Fotoredaktion streiken. Hier erscheint deswegen kein Bild
Fünf Kilometer unter der Oberfläche des Mittelmeeres liegt ein kleiner
Schatz versteckt – zumindest in Zeiten von mangelhafter Energiewende und
[1][militärischen Konflikten]. Erdgas, 600 Milliarden Kubikmeter, das die
gesamte Region mitversorgen könnte.
Der Leviathan, etwa 130 Kilometer westlich der Küstenstadt Haifa, ist ein
Gasfeld in israelischen Gewässern. Dank Abkommen mit Jordanien und Ägypten
beliefert Israel schon seit einigen Jahren etliche Nachbarländer mit Gas.
Doch jetzt gehen [2][iranische Drohnen und Raketen in Nahost nieder] – auch
im Mittelmeer. Und Israel schließt einen Teil seiner Gasfelder, unter
anderem den Leviathan. Präventiv, wie bereits beim israelisch-iranischer
Krieg im Juni. Die jordanische Regierung kündigt einen Notfallplan an, denn
Jordanien gewinnt 58 Prozent seines Stroms aus Gas, das meiste davon aus
dem Ausland.
Mehr als 80 Prozent des Gases kommen laut Medienberichten aus Israel.
Offizielle Zahlen sind schwer zu finden, denn Importe aus Israel sind in
Jordanien ein Tabu. Das 2016 unterzeichnete Abkommen war lange geheim.
Mindestens [3][die Hälfte der Jordanier*innen] hat palästinensische
Wurzeln. Dass das Land im Energiesektor so abhängig ist von Israel, sehen
viele kritisch. Immer wieder gab es Proteste, durch die Altstadt der
Hauptstadt Amman zogen 2021 nach dem Freitagsgebet mehrfach wütende
Demonstrierende mit roten Schildern in der Hand. „Gas vom Feind ist
Besatzung“, stand dort in arabischer Schrift.
## Fabriken müssen auf andere Energien umschalten
Laut dem Deal sollen in 15 Jahren 45 Milliarden Kubikmeter Gas aus dem
Leviathan nach Jordanien fließen. Ein weiteres Abkommen aus dem Jahr 2014
sah Lieferungen aus dem israelischen Tamar-Gasfeld vor, insgesamt liegen
sie momentan bei 3 Milliarden Kubikmetern für 15 Jahre. Das wären insgesamt
48 Milliarden Kubikmeter. Laut Daten des jordanischen Energieministeriums
produzierte das Königreich 2024 insgesamt weniger als 170 Millionen
Kubikmeter Gas.
Jetzt ist der Ernstfall eingetreten: Unter dem Notfallplan erhalten
Fabriken vorläufig kein Gas mehr und müssen auf andere Energiequellen
umschalten. Haushalte und kritische Infrastruktur werden priorisiert.
Energieminister Saleh Kharabsheh kündigte am Sonntag an, man wechsele auf
andere importierte Gasquellen sowie auf Diesel und Schweröl. Dies wird der
staatlichen Energiefirma Nepco zusätzliche 1,8 Millionen Dinar pro Tag,
etwa 2,18 Millionen Euro kosten. Gleichzeitig teilte Nepco mit, man habe
genug Treibstoffvorräte für mindestens 30 Tage.
Eine Sprecherin des Energieministeriums schrieb der taz, Jordanien beziehe
seinen Strom aus verschiedenen Quellen und habe genug Erdölderivate und
Flüssiggas für die Haushalte. Gerade gebe es kein Defizit bei der
Energieversorgung. Ebenso wenig spiegelten sich die Zusatzkosten für den
Staat in den Stromrechnungen der Verbraucher wider, da die Tarife
festgelegt seien.
## Die Energiepreise werden steigen
Im Alltag spüren die Menschen momentan in der Tat kaum Folgen. Die Preise
für Diesel und Benzin sind nur minimal gestiegen. Große Unternehmen wie
Arab Potash und Jordan Phosphate Mines ließen jedoch Anfragen diesbezüglich
unbeantwortet. Ein Firmenbesitzer, der im Minengeschäft arbeitet und anonym
bleiben möchte, sagte, seine Firma müsse auf Schweröl umschalten. Die
Produktion gehe unberührt weiter, doch die Kosten stiegen.
„Die Energiepreise werden steigen“, prognostiziert auch Energieexperte
Samer Zawaydeh. Eigentlich seien die Ausgaben für das Gas aus Israel
festgelegt, 10 Milliarden US-Dollar hat Nepco damals mit der US-Firma Noble
Energy ausgemacht, die am Leviathan arbeitet. Doch laut Zawaydeh könnte der
Konflikt die Lage verändern.
Über eine Schiffsanlage in Akaba könne Jordanien Gas aus anderen Märkten
beziehen, aber nur solange das Rote Meer frei bleibt. „Wenn etwas im Roten
Meer passiert, dann haben wir ein Problem.“
## Erneuerbare bleiben im Wüstenstaat unzureichend genutzt
Auch Öl aus Saudi-Arabien fließt durch das Rote Meer in die Welt, seit der
Iran die Straße von Hormus versperrt hat. Durch die Schiffspassage
passierten vor dem Krieg 20 Prozent der Ölprodukte weltweit. Zudem hat
Katar seine Gasverflüssigungsanlage nach einem iranischen Raketenangriff
geschlossen, das Land ist einer der größten Exporteure weltweit.
Bereits jetzt zeigt der Konflikt seine Auswirkungen auf den europäischen
Energiemarkt. Am Montag war Benzin laut Medienberichten um rund zehn
Prozent teurer, Gaspreise haben sich fast verdoppelt. Momentan sieht die
Europäische Union indes keinen Notfallplan vor. Nach dem Konflikt zwischen
Russland und der Ukraine bezieht Europa das meiste seines Flüssiggases aus
den USA.
Im ressourcenarmen Jordanien versucht die Regierung, die Nutzung von
Solarenergie voranzutreiben. Doch obwohl der Anteil erneuerbarer Energie
jüngst auf 27 Prozent gestiegen ist, bleibt das heimische Potenzial im
wüstenreichen Land noch unzureichend genutzt. „Dafür brauchen wir
strukturelle Veränderungen“, sagt Zawaydeh, „vor allem
Speichertechnologien.“ Seit 2020 steht zudem ein hydroelektrisches Projekt
am Mujib-Damm auf dem Plan. Das Projekt laufe „im Schildkrötentempo“.
9 Mar 2026
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