# taz.de -- US-israelischer Angriff auf Iran: Die Büchse der Pandora ist geöffnet
> Der völkerrechtswidrige Angriff auf Iran wird das Mullah-Regime kaum zu
> Fall bringen. Zwei andere Szenarien sind jetzt wahrscheinlicher.
(IMG) Bild: Die USA und Israel griffen am Samstag Iran an – was die Militäroffensive bezwecken soll, bleibt unklar
Militärs brauchen deutlich formulierte Kriegsziele. Was die USA und Israel
mit ihrem [1][Angriff auf Iran] bezwecken, ist jedoch alles andere als klar
kommuniziert. US-Präsident Donald Trump wollte uns noch letzten Sommer
davon überzeugen, dass das iranische Atomprogramm beim letzten US-Angriff
auf Iran praktisch „ausradiert“ worden sei. Sein Nahost-Gesandter Steve
Witkoff argumentierte aber vor ein paar Tagen, dass Iran eine Woche vor dem
Bau der Atombombe stehe.
Dann redet Trump davon, dass die iranischen Raketen demnächst die USA
erreichen könnten. Und nicht zuletzt spricht er vom Regimewechsel in
Teheran und dass die Iraner sich nun selbst befreien könnten. Derartig
breit angelegte Kriegsziele tragen das Rezept des Scheiterns schon in sich.
Es ist unwahrscheinlich, dass [2][die heterogene iranische Protestbewegung]
in den nächsten Tagen in Teheran die Macht übernimmt. Zwei andere Szenarien
sind als Ausgang wahrscheinlicher.
Das iranische Regime kommt im Doppelpack daher: mit der Macht der Mullahs,
aber auch mit den Revolutionsgarden, die im Grunde eine klassische
Militärdiktatur darstellen. Gut möglich, dass die Mullahs beseitigt werden
und die Militärdiktatur oder einer ihrer Offiziere versucht, einen
Alleingang zu starten. Das Land wäre dadurch stabilisiert – das ist nur
nicht das, was die Protestbewegung im Sinn hat.
## Chaos und Bürgerkrieg
Das zweite Szenario wäre das von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die
Protestbewegung ist zwar stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch
genug Unterstützer und Profiteure. Diesen Fortgang der Ereignisse fürchten
die arabischen Nachbarn und die Golfstaaten, die keine Freunde des
iranischen Regimes sind. Sie haben vor diesem Angriff auf Iran gewarnt,
genau mit dem Argument, dass eine ohnehin fragile Region so in noch mehr
Instabilität gestürzt würde.
Die Interessen von Trump und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu
sind hinsichtlich der weiteren Entwicklung nicht immer deckungsgleich.
Trump hofft wahrscheinlich auf irgendeine Art von Putsch aus den Reihen der
Revolutionsgarden und auf einen neuen starken Mann, der die Lage
stabilisiert und eine freundliche Politik gegenüber den USA und Israel
betreibt. Seine Verbündeten am Golf dürften dementsprechend Druck machen,
damit die Situation nicht völlig außer Kontrolle gerät.
Netanjahu wiederum hätte dagegen keinerlei Probleme mit einem auf Dauer
instabilen Iran und mit arabischen Nachbarn, die dann damit beschäftigt
wären, dass die Situation nicht zu ihnen überschwappt. Instabilität
bedeutet Schwäche. Es wäre ein Weg, die israelische Hegemonie in der Region
zu zementieren.
Aber eines ist schon jetzt klar: Mit dem [3][erneuten Angriff auf Iran]
wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Und in Wirklichkeit hat derzeit
niemand die Kontrolle darüber, wie es weitergehen wird.
28 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Karim El-Gawhary
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