# taz.de -- Reaktionen auf Iran-Krieg: „Politischer Wandel lässt sich nicht von außen herbeibomben“
       
       > Nach Angriffen der USA und Israels rufen Organisationen zur Deeskalation
       > auf. Merz, Macron und Starmer verurteilen iranische Gegenangriffe auf
       > US-Militärbasen.
       
 (IMG) Bild: Finden Irans Gegenangriff schlecht: Merz, Macron und Starmer am 24.6.2025
       
       taz/dpa/afp | Nach dem israelisch-amerikanischen Angriff gegen Iran haben
       Deutschland, Frankreich und Großbritannien die iranische Reaktion
       kritisiert. „Wir verurteilen die iranischen Angriffe auf Staaten in der
       Region auf das Schärfste. Iran muss seine willkürlichen Militärschläge
       unterlassen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und
       Großbritanniens Premier Keir Starmer, nachdem Iran Raketen auf
       US-Militärbasen in der Region abgefeuert hatte. „Wir rufen zu einer
       Wiederaufnahme der Verhandlungen auf und fordern die iranische Führung auf,
       eine Verhandlungslösung zu finden.“ heißt es weiter.
       
       Laut einem Sprecher der Bundesregierung war Merz vorab über den Angriff
       informiert worden, allerdings nicht am Angriff beteiligt gewesen. Er beriet
       sich demnach am Samstag mit seinen Kabinettsmitgliedern, mit den
       Regierungen in Paris und London sowie mit Israels Regierungschef Benjamin
       Netanjahu und anderen Partnern in der Region. Außerdem stehe die
       Bundesregierung „im engen Austausch“ mit den USA.
       
       Am späten Nachmittag rief die Bundesregierung Iran in einer
       Pressemitteilung dazu auf, „sofort die militärischen Schläge gegen Israel
       und unsere anderen Partner in der Region einzustellen“. Sie verurteile die
       Schläge scharf und müsse „destabilisierende Aktivitäten“ unterlassen sowie
       „die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung beenden“.
       
       ## UN ruft alle Parteien zu Mäßigung auf
       
       [1][UN-Generalsekretär António Guterres] rief zu einer sofortigen
       Einstellung der Kampfhandlungen und zur Deeskalation auf und verurteilte
       den beidseitigen Einsatz von Gewalt: „Ich verurteile die heutige
       militärische Eskalation im Nahen Osten. Der Einsatz von Gewalt durch die
       USA und Israel gegen den Iran, und die folgende Vergeltung des Iran in der
       ganzen Region, untergraben internationalen Frieden und Sicherheit.“
       
       Dem schloss sich auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk an und warnte
       weiter vor dramatischen Folgen für die Bevölkerung: „Wie immer in jedem
       bewaffneten Konflikt sind es die Zivilisten, die letztlich den höchsten
       Preis zahlen. […] Um diese schrecklichen Folgen für Zivilisten abzuwenden,
       rufe ich zu Zurückhaltung auf und appelliere an alle Parteien, zur Vernunft
       zu kommen, zu deeskalieren und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“
       
       ## Internationales Rotes Kreuz warnt vor humanitären Folgen
       
       Auch die Sprecherin des [2][Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
       (ICRC)], Mirjana Spoljaric, warnte vor Folgen für Zivilist:innen in der
       Region: „Die militärische Eskalation im Nahen Osten entfacht eine
       gefährliche Kettenreaktion in der ganzen Region, mit potenziell
       verheerenden Konsequenzen für Zivilisten.“. Das humanitäre Völkerrecht
       inklusive der Genfer Konventionen zu achten, sei eine Verpflichtung, keine
       Wahl. Es gelte, zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Wohnungen und
       Schulen zu schützen, so Spoljaric weiter.
       
       Zuvor waren iranischen Angaben zufolge bei einem Raketenangriff im Süden
       Irans mindestens 70 Schülerinnen ums Leben gekommen. Getroffen worden sei
       eine Grundschule für Mädchen in der Provinz Hormusgan, berichteten
       Staatsmedien. Rund 90 weitere Schülerinnen seien verletzt worden.
       
       ## Kritische Stimmen aus der SPD
       
       Mehrere SPD-Politiker warnten vor einer weiteren Eskalation. Die
       israelischen- und amerikanischen Angriffe und die ‌iranische Gegenreaktion
       auf mehrere Staaten „verschärfen eine ohnehin hochgefährliche Lage
       dramatisch“, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD, Adid Ahmetovic.
       Man teile ‌das Ziel, dass der Iran [3][keine Atombombe besitzen dürfe].
       Aber dies sei politisch lösbar. „Er rechtfertigt keinen Krieg mit
       unabsehbaren Folgen für die gesamte Region und darüber hinaus.“
       
       Ein [4][durch externe Gewalt herbeigeführter Regimewechsel] drohe in einem
       Bürgerkrieg zu münden, „der den Nahen und Mittleren Osten auf Jahrzehnte
       destabilisieren kann“. Ähnlich äußerte sich die stellvertretende
       SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller: „Sollte das verbrecherische
       Mullah-Regime infolge dieser Entwicklungen tatsächlich stürzen und es zu
       einem Systemwechsel kommen, der dem iranischen Volk mehr Freiheit bringt,
       wäre das zweifellos zu begrüßen“, sagt sie. „Doch politischer Wandel lässt
       sich nicht von außen herbeibomben“, sondern müsse vom iranischen Volk
       selbst gestaltet werden.
       
       28 Feb 2026
       
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