# taz.de -- Jordanien im Kreuzfeuer: Irgendwo hinten steigt dunkler Rauch auf
       
       > Jordanien, Palästinenser und Israelis suchen Schutz vor dem Krieg. Irans
       > Gegenangriffe treffen sie im muslimischen Ramadan und am jüdischen
       > Schabbat.
       
 (IMG) Bild: Spuren einer abgefangenen Luftabwehrrakete über Jerusalem
       
       Der lang anhaltende Heulton der Sirene, der das Zeichen zur Entwarnung
       gibt, hat gerade quer durch Amman gehallt. Es ist kurz vor 14 Uhr.
       Ausländer*innen, die sich entgegen den öffentlichen Sicherheitswarnungen
       trotz Luftalarm auf ihren Flachdächern versammelt hatten, seufzen
       erleichtert, die Gesichter entspannen sich, die Blicke bleiben indes gen
       Himmel gerichtet.
       
       Bis vor Kurzem waren dumpfe Explosionen zu hören. In der Entfernung qualmt
       noch dunkler Rauch über den cremefarbenen rechteckigen Wohngebäudev der
       jordanischen Hauptstadt. Unmöglich zu sagen, ob dies von einem
       herabfallenden Raketenteil stammt oder sich aus einem „normalen“ Brand
       entwickelt hat.
       
       Normal ist die Lage sicherlich nicht in Amman an diesem Samstagnachmittag.
       [1][Nach den Luftangriffen Israels und der USA gegen Iran] hat der
       Gegenschlag nicht lange auf sich warten lassen. Solche Luftkonflikte sind
       seit zwei Jahren nichts Neues in der Region. Nur hat es die Islamische
       Republik diesmal offenbar als Erstes auf die arabischen Nachbarländer
       abgesehen, die US-Luftstützpunkte beherbergen. Unter ihnen: Jordanien.
       
       In Jordanien befindet sich ein von den USA und auch von der Bundeswehr
       genutzter Luftstützpunkt in der Nähe von Azraq im Norden, die [2][Muwaffaq
       Salti Air Base]. Jordanien gilt seit jeher als Verbündeter des Westens und
       der USA im Nahen Osten.
       
       ## Unpraktische geographische Lage
       
       Wie schon bei früheren Konflikten zwischen Israel und Iran hat Jordanien
       iranische Raketen über seinem Staatsgebiet abgefangen. Trümmerteile sind an
       zwölf Orten zu Boden geknallt, teilweise noch glühend. Sie haben nur
       Sachschäden verursacht. Videos zeigen Autos auf der Autobahn zum Flughafen,
       die knapp einer Kollision mit einem abstürzenden Raketenteil entkommen.
       
       Das Dröhnen der Kampfjets ist auch nach der Entwarnung zu hören. Am
       hellblauen Himmel haben sich weiße Kondensstreifen gebildet, dort, wo die
       Raketen entlangflogen und dann getroffen wurden. Am Abend meldet das
       jordanische Militär, seine Kampfjets und Abwehrsysteme hätten 49 Drohnen
       und Marschflugkörper abgefangen, die Jordnaien zum Ziel hatten.
       
       Jordaniens geographische Lage zwischen Israel, Westjordanland, Syrien, Irak
       und Saudi-Arabien bringt es [3][in eine delikate Position]. „Jordaniens
       Geographie wird das Land stets in die MItte des Konflikts führen“, sagt
       Geopolitik-Experte Amer al-Sabaileh. Die Beziehungen zu Iran sind
       angespannt, aber Jordaniens Regierung sagt, das Land beteilige sich nicht
       am Konflikt, erlaube jedoch niemandem, seine Souveränität zu verletzen.
       
       Könnten die USA trotzdem Stützpunkte auf jordanischem Boden für Angriffe
       auf Iran nutzen? „Sicherlich wurden die Militärbasen in der gesamten Region
       aktiviert und beherbergen zum ersten Mal seit dem Golfkrieg einen
       Flugzeugtyp, der zeigt, dass alle Basen in diesen Angriff eingebunden
       werden“, sagt al-Sabaileh. Bislang wurden US-Militäreinrichtungen in
       Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten zum Ziel
       iranischer Raketen.
       
       In Amman geht unterdes das Leben weiter. Die Ausländer*innen auf dem
       Flachdach zeigen einander Videos von qualmenden Raketenteilen, In der
       Altstadt gehen Männer und Frauen ihren Einkäufen nach. „Ich habe keine
       Angst“, sagt ein Taxifahrer. „Ich vertraue auf Gott.“
       
       ## Anspannung im Westjordanland
       
       Auf der anderen Seite der Grenze, im israelisch besetzten Westjordanland,
       spüren die Menschen ebenso die Auswirkungen des neuen Konflikts. Die
       israelischen Behörden haben wie schon beim Krieg vom Juni 2025 die
       Bewegungsfreiheit der Palästinenser*innen stark eingeschränkt. Es
       gibt Begrenzungen auf Fahrten zwischen Städten und Dörfern sowie
       verschärfte Kontrollen an Checkpoints.
       
       Die Nachrichtenagentur Wafa vermeldet, in Jericho seien die Tore in und aus
       der Stadt versperrt worden. Außerdem haben die israelischen Behörden die
       Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und die Ibrahimi-Moschee in Hebron
       geschlossen. Öffentliche Ansammlungen sind verboten, in Hebron soll die
       Altstadt laut Wafa in eine militarisierte Zone verwandelt worden sein. Das
       palästinensische Bildungsministerium hat Schulen und Universitäten bis
       Dienstag auf Online-Unterricht umgestellt.
       
       [4][Bunker und Schutzräume gibt es im Westjordanland keine]. Gerade ist
       Ramadan, nach dem Fasten versammeln sich Familien und Gemeinschaften oft
       zum Fastenbrechen. Das Gebet ist für Gläubige in diesem Monat besonders
       wichtig.
       
       ## Israelis in den Bunkern
       
       In Israel gilt ebenso Versammlungsverbot. Schulen sind bis Montag
       geschlossen. Krankenhäuser haben in den Notfallbetrieb gewechselt. Seit
       Samstagmorgen sind die Menschen immer wieder angehalten, sich [5][in der
       Nähe von Bunkern aufzuhalten] und bei Raketenalarm dort Schutz zu suchen.
       
       Am Samstag feiern Juden ihren Ruhetag, den Schabbat. Viele Israelis haben
       ihn diesmal laut Medienberichten mit Hin-und-Herlaufen von und zu den
       Schutzräumen verbracht. Orthodoxe Juden dürfen am Schabbat keine Handys
       oder sonstigen elektronischen Geräte benutzen, daher sind Informationen für
       sie an diesem Tag schwer erhältlich. Säkulare hängen an Radios und
       Smartphones, teils dicht eingepfercht in unterirdischen Räumen. Es könnte
       eine lange Nacht werden.
       
       28 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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