# taz.de -- Ergebnisse des „Berlin Monitor“: Nur die Linken können die Demokratie retten
> Eine Umfrage zeigt: Ganz links außen wird die Demokratie verteidigt. Die
> Gefahr geht von den Rechten aus – und der bürgerlichen Mitte.
(IMG) Bild: Das Hufeisen muss gerade gebogen werden
Die Demokratie ist von ihren äußeren Rändern von rechts und links bedroht,
so lautet das allgemeine Mantra der selbsternannten politischen Mitte.
Diese [1][Hufeisentheorie], wonach sich beide Extreme in ihrer
antidemokratischen Haltung annähern, ist bequem, weil sies es Bürgerlichen
erlaubt, nicht auf die eigenen Defizite schauen zu müssen. Sie ist schon
deshalb falsch, weil die extreme Rechte anders als die extreme Linke eben
nicht von der Gleichheit aller Menschen ausgeht, also dem grundgesetzlich
garantierten Kern der Demokratie.
Der in dieser Woche [2][vorgestellte vierte Berlin-Monitor], eine
[3][repräsentative Befragung] zu den Einstellungen der Berliner:innen
zu Demokratie und Autoritarismus, zeigt nun, dass die These grundsätzlich
vom Kopf auf die Füße gestellt gehört. Zusammengefasst lässt sich sagen: Es
sind die Rechten und Rechtsextremen, die die Demokratie bedrohen.
Verteidigt wird sie hingegen am verlässlichsten von jenen, die sich im
politischen Spektrum am weitesten links verorten.
Die Befragung von mehr als 2.000 repräsentativ ausgewählten
Berliner:innen hat gezeigt: Nur 46 Prozent können als solide
Demokrat:innen bezeichnet werden. Sie lehnen Vorstellungen von einer
Einparteienherrschaft, einer Diktatur oder einem Führer strikt ab.
Unter jenen, die sich selbst als „rechts-außen“ einschätzen, finden sich
nur noch 10 Prozent solide Demokraten, während 16 Prozent von ihnen ein
geschlossen autokratisches Weltbild vertreten. Einher damit gehen auch hohe
Zustimmungswerte für sozialchauuvinistische und rassistische Positionen.
Demgegenüber stehen die „politisch-ideologisch extremen Linken“, die mit 66
Prozent der höchsten Anteil solider Demokrat:innen stellen.
## Antisemitismus ist vor allem ein rechtes Problem
Auch ein weiteres Ergebnis zeigt: Es sind nicht die Linken, von denen die
große Gefahr für ein demokratisches und friedliches Miteinander ausgeht.
Obwohl die Studie ihren Antisemitismusbegriff erweiterte und neben der
Zustimmung zu Schuldabwehr- und tradiertem Antisemitismus („Die Juden haben
zu viel Macht“) auch nach israelbezogenem und postkolonialem Antisemitismus
(„Der deutsche Schuldkomplex behindert den Freiheitskampf der
Palästinenser“) fragte, zeigt sich ein deutliches Gefälle von rechts nach
links.
Während ganz rechts die Zustimmung zu den vier Formen des Antisemitismus
von 20 bis fast 50 Prozent reicht, sind es ganz links 2,8 bis 8 Prozent.
Bemerkenswert ist auch: In drei von vier Kategorien liegen antisemitische
Einstellungsmuster in der Mitte des politischen Spektrums ebenfalls
deutlich höher als am linken Rand.
Für die Studienautor:innen ist die hohe Demokratie-Zustimmung unter
Linken ein „überraschend gutes Abschneiden“. Doch überraschend ist das nur,
wenn man ein Bild von Linken pflegt, die einem autoritären
Staatssozialismus anhängen, statt den Ideen einer vertieften Demokratie,
die mehr Bereiche des gesellschaftlichen Lebens umfasst und sich nicht auf
rein repräsentative Mechanismen beschränkt. Das Zerrbild der Linken dient
dem bürgerlichen Lager zudem dazu, die eigenen antidemokratischen und
autoritären Einstellungen zu verstecken.
Wenn die Demokratie wackelt, dann nicht in erster Linie, weil die
Rechtsextremen die Oberhand gewinnen, [4][sondern weil ihnen die
Konservativen nachgeben]. So war es und so bleibt es. Oder wie es einst der
KPD-Abgeordnete Max Reimann sagte, der 1949 dem Grundgesetz aus Sorge vor
der damit verbundenen Festsetzung der deutschen Teilung verweigerte: „Es
wird jedoch der Tag kommen, da wir Kommunisten dieses Grundgesetz gegen die
verteidigen werden, die es angenommen haben.“
28 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hufeisentheorie/!t5671962
(DIR) [2] /Studie-zu-autoritaeren-Tendenzen/!6156776
(DIR) [3] https://berlin-monitor.de/wp-content/uploads/2026/02/BerlinMonitor2025_Aktuell.pdf
(DIR) [4] /Debatte-um-Oeffnung-der-CDU-zur-AfD/!6130459
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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