# taz.de -- Demokratiemonitor 2026: Die Idee finden viele gut, die Praxis nicht
       
       > Ein Großteil der Bürger:innen möchte an der Demokratie festhalten,
       > zeigt eine neue Studie. In der Praxis sind aber die wenigsten richtig
       > zufrieden.
       
 (IMG) Bild: Der Bundesadler fliegt weiter: Eine Studie verzeichnet hohe Zustimmung für die Demokratie als Deutschlands Staatsform
       
       Es darf ja auch mal gute Nachrichten geben: Die viel beschworene
       Vertrauenskrise der Demokratie ist offenbar weniger gravierend, als
       Schlagzeilen, Talkshows und AfD-Wahlergebnisse vermuten lassen. Darauf
       deuten zumindest die Ergebnisse des „[1][Demokratiemonitors 2026]“ der
       gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung hin. Darin nämlich zeigt sich: Auch
       wenn viele Bürger:innen mit dem Funktionieren der deutschen Demokratie
       in der Praxis unzufrieden sind, hat dies keinerlei Auswirkungen auf die
       grundsätzliche Akzeptanz der Demokratie als Staatsform.
       
       Im Schnitt identifizieren sich 82 Prozent der Befragten mit den Werten,
       Regeln und Institutionen der Demokratie, darunter freie Wahlen,
       Gewaltenteilung und Bürgerrechte. Gleichzeitig sind aber nur 29 Prozent der
       Ansicht, dass das Ganze in der Praxis auch gut klappt. Eine große Kluft,
       die laut den Autor:innen des Demokratiemonitors aber Mut machen sollte.
       „Das Fundament der liberalen Demokratie in Deutschland ist und bleibt
       stabil“, lautet das Fazit der Studie.
       
       Einen Vergleichswert bietet eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2019. In den
       sieben Jahren seit dem letzten Demokratiemonitor ist die Zustimmung zur
       Demokratie als Staatsform leicht gestiehen. Und das trotz Pandemie,
       Energiekrise und dem [2][Bruch der Ampelregierung]. Die Forschenden sehen
       daher keinerlei Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen politischer
       Unzufriedenheit und einer Abkehr von der Demokratie.
       
       In anderen Worten: Weder ein unbekanntes Virus noch die Streitereien der
       Ampel oder [3][das Rekordtief in Friedrich Merz' Umfragewerten] haben dem
       Ansehen der Demokratie als Solche geschadet.
       
       ## Die Demokratie ist nicht in einer Vertrauenskrise
       
       Robert Vehrkamp, Mitautor der Studie, zeigte sich selbst überrascht von den
       „enorm hohen“ Zustimmungswerten zu demokratischen Grundwerten – aus seiner
       Sicht sei das ein klares Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der
       Demokratie. Der Demokratieforscher warnt davor, von einer Krise zu
       sprechen, sobald sich Unzufriedenheit mit der Regierung zeigt.
       
       „Wer bewusst kritisch mit dem Funktionieren der Demokratie unmgeht, hat in
       der Regel auch konkretere Vorstellungen was besser laufen könnte“, betont
       Vehrkamp. Vielmehr als eine Vertrauenskrise der Demokratie zeigten die
       Ergebnisse ein realistisches Demokratieverständnis in der Bevölkerung,
       wonach das Ideal in der Praxis oft nicht ganz realisierbar sei.
       
       Trotz positivem Fazit wollen die Autor:innen die weit verbreitete Kritik
       an demokratischer Praxis nicht einfach so vom Tisch wischen. Der
       Demokratiemonitor verzeichnet insbesondere bei politischer Teilhabe
       jenseits von Wahlen und bei den Parteien deutlich Luft nach oben – mit
       Zustimmungswerten von lediglich 15 und 17 Prozent. Viele Befragte äußerten
       den Eindruck, nur wenig Einfluss auf das politische Geschehen und
       Parteiprogramme nehmen zu können.
       
       „Die Ergebnisse sind noch lange kein politisches Ruhekissen“, warnt deshalb
       Vehrkamp. Im Gegenteil: Sie zeigten einen klaren Handlungsbedarf.
       
       ## Berlin-Monitor verzeichnet antidemokratische Tendenzen
       
       Dass die grundlegende Zustimmung zu der Demokratie als Staatsform jedoch
       nicht unbedingt die Abkehr von antidemokratischen Alternativen bedeutet,
       zeigte jüngst der „[4][Berlin-Monitor]“ der Universität Leipzig, der trotz
       ähnlichem Namen nichts mit dem Demokratiemonitor zu tun hat.
       
       Demnach empfinden 86 Prozent der Berliner:innen die Demokratie zwar als
       das beste System für Deutschland, ähnlich den Ergebnissen der Bertelsmann
       Stiftung. Gleichzeitig gaben aber auch 40 Prozent der befragten
       Berliner:innen an, dass sie sich ebenfalls mit einer autoritären
       Staatsform zufriedengeben würden.
       
       4 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/zustimmung-zur-liberalen-demokratie-in-deutschland-bleibt-sehr-hoch
 (DIR) [2] /Aufloesung-der-Ampel-Regierung/!6047510
 (DIR) [3] /Ein-Jahr-Schwarz-Rot-mit-Friedrich-Merz/!6170746
 (DIR) [4] /Studie-zu-autoritaeren-Tendenzen/!6156776
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jule Frank
       
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