# taz.de -- Kritik an Berlinale-Chefin: Tricia Tuttle soll gehen
       
       > Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat eine Sondersitzung der Gremien
       > einberufen. Hintergrund sind propalästinensische Proteste bei der
       > Berlinale.
       
 (IMG) Bild: Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle bei einer Pressekonferenz im Februar in Berlin
       
       Tricia Tuttle, die Chefin der Berlinale, wird offenbar entlassen.
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat für den Donnerstag vormittag eine
       Sondersitzung des Aufsichtsrats einberufen. Ein Sprecher Weimers
       bestätigte, dass es dabei um die Ausrichtung der Berliner Filmfestspiele
       gehen soll. Wie die Bild-Zeitung berichtete, soll dabei [1][Tricia Tuttle]
       von der Leitung der Filmfestspiele abgelöst werden. Ein Sprecher Weimers
       ließ das undementiert. Als Kulturstaatsminister ist Weimer Vorsitzender des
       Aufsichtsrats der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, die die
       Berlinale trägt.
       
       Hintergrund sind laut Bild propalästinensische Auftritte auf der Berlinale.
       Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib gewann bei den
       Filmfestspielen einen Preis für das beste Spielfilmdebüt und verband seine
       Dankesrede mit scharfer Kritik an der Haltung der Bundesregierung im
       Gaza-Krieg. Er hielt der Bundesregierung vor, „Partner des Völkermords in
       Gaza zu sein“. Außerdem sagte er, er werde sich ⁠jeden merken, der an der
       Seite der Palästinenser stehe, ‌und jeden, der auf der anderen Seite sei.
       Bundesumweltminister [2][Carsten Schneider (SPD) hatte daraufhin aus
       Protest die Veranstaltung verlassen].
       
       Tuttle hatte den Vorfall auf der Veranstaltung unkommentiert gelassen.
       Weimer dagegen hatte hinterher scharfe Kritik geäußert: „Die
       Pali-Aktivistenszene hat auf der Berlinale mit Israel-Hass, Aggressivität
       und Bekenntnisnötigungen ihre hässliche Fratze gezeigt“, sagte er nach der
       Preisverleihung. Es seien Jury-Arbeiten und Preisverleihungen für
       „politische Destruktion“ missbraucht worden.
       
       Offenbar gibt es also fundamentale Differenzen zwischen Weimer und Tuttle,
       wie die Berlinale sich gegenüber propalästinensischen Protesten verhalten
       soll. Gegenüber dem [3][offenen Brief] von Filmleuten, die der Berlinale
       eine Beteiligung an der Zensur palästinensischer Stimmen vorgeworfen
       hatten, hatte Tuttle die Filmfestspiele [4][noch verteidigt]. Sie schrieb:
       „Wir wissen, dass die Darstellung von Menschen als ‚propalästinensisch‘
       oder ‚proisraelisch‘ die komplexe Bandbreite an Perspektiven verengt und
       den Diskussionen, die wir über eines der schwierigsten und
       polarisierendsten Themen unserer Zeit führen müssen, nicht gerecht wird.“
       Diesen Ansatz, die Berlinale als unabhängigen Diskursraum zu behaupten,
       kann Tuttle nun offenbar nicht durchhalten.
       
       Ein Problem für Weimer ist laut Bild aber nicht nur der Eklat bei der
       Preisverleihung. Die 56-jährige Tuttle habe mit der Filmcrew des Films
       „Diary of A Siege“ von Abdallah Alkhatib eine Woche zuvor bereits mit
       Palästinenserfahne und Palästinensertüchern posiert. Tuttle leitet die
       Berlinale seit 2024.
       
       Mit Material von dpa und epd.
       
       25 Feb 2026
       
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 (DIR) Dirk Knipphals
       
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