# taz.de -- Friedrich Merz, die Ukraine und der ÖRR: Vagheit und Verhintertürung von Aussagen
> Warum Alice Schwarzer Ehrenvorsitzende der FDP sein könnte, wo die
> deutsche Kompetenz „Hilflos zugucken“ läuft und wofür der Kanzler keine
> Worte fand.
(IMG) Bild: Die Publizistin Alice Schwarzer
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?
Friedrich Küppersbusch: Trump zollt wieder.
taz: Und was wird besser in dieser?
Friedrich Küppersbusch: Checks & Balances doch mal.
taz: Alice Schwarzer sieht trotz inhaltlicher Unterschiede in Alice Weidel
als Bundeskanzlerin eine Ermutigung für Frauen, in die Politik zu gehen.
Sie auch?
Friedrich Küppersbusch: [1][Alice gelogen]! Das hat sie nicht gesagt.
Findet sie. Sondern: eine Bundeskanzlerin Weidel „wäre sicherlich, hätte
trotz alledem vermutlich auch den Effekt, ermutigend für Frauen zu sein.
Wahrscheinlich. Unter anderem, ja.“ Was an Vagheit und Verhintertürung der
Aussage eher für den Ehrenvorsitz der FDP reichen dürfte als für die
knallenden Alicefresser-Schlagzeilen daraus. Schwarzer provoziert durchaus
gern, bevor sie mal gar nicht stattfindet; doch dieses Gestammel klingt
mehr nach „kalt erwischt“ denn nach Klickkalkül. Dabei ist es simpel:
Weidel ist einfach kein ausreichender Grund, dass man gleich die ganze
Frauenbewegung bereuen müsste. Schwarzers inhaltliche Schnittmengen mit
Weidel ja auch nicht.
taz: Am Donnerstag, den 19. Februar, jährte sich der rassistische Anschlag
in Hanau zum sechsten Mal. Auf der Gedenkfeier wurden dieses Mal keine
politischen Reden gehalten, nachdem es letztes Jahr eskaliert war. Besser
so?
Friedrich Küppersbusch: Es gab Kritik an der Rede der Mutter eines der neun
Ermordeten. Danach verkündeten CDU, SPD und FDP in Hanau, künftig „derlei
Gedenkveranstaltung“ nicht abzuhalten, und das aber keinesfalls, weil die
Opfer beim Gedenken danebengedenkt hätten. Auf die gute deutsche Art ist
„sechster Jahrestag“ vielleicht zu krumm und man darf auf den zehnten
hoffen. Bedenkt man die digital millionenfach verbreiteten und oft gefakten
Horrorstorys über Zuwanderer, kann an die Fakten rechter Morde an Migranten
nicht genug erinnert werden.
taz: Diese Woche fand die erste Sitzung des sogenannten Friedensrates
statt, der von Trump ins Leben gerufen wurde. Auch ein Vertreter aus der
EU-Kommission nahm teil. Richtig so?
Friedrich Küppersbusch: Leider! – haben China und Russland die
„UN-Resolution 2803 (2025)“ nicht ins Sterben gerufen. Die blockieren doch
sonst alles! Mit dem Text delegierten 13 Sicherheitsratsmitglieder dem
Trump’schen Hof seinen „Gaza-Friedensplan“. Damit schufen sie die Lage, die
UN mit dem Segen der UN auszuhebeln und Weltpolitik zu privatisieren. Und
die Ausrede, dass die EU die Mittelmeerkommissarin und Deutschland einen
Diplomaten aus dem Außenamt hinschicken – müssen, können, dürfen, sollten.
China und Russland begründeten ihre Enthaltungen mit vernichtender Kritik
an Trumps Egotrip, und dann aber mit ihrem Wunsch nach Frieden,
Hilfslieferungen, Lösungen. Deutschland und Europa konzentrieren sich auf
ihre Kernkompetenz: Hilflos zugucken.
taz: Am Montag geht der Angriff Russlands auf die Ukraine in sein fünftes
Jahr. Man hört noch deutsche Politiker am 24. Februar 2022 sagen: „Der
Krieg ist in drei Tagen vorbei.“ Die EU-Außenminister tagen an diesem Tag
auch zu Russland/Ukraine. Was werden sie wohl sagen?
Friedrich Küppersbusch: Hoffentlich weder, wie recht sie doch hatten, noch
wie verpeilt sie damals waren. Recht gehabt, mit dem Russen nicht zu
verhandeln, verpeilt in der Fiktion vom ukrainischen Siegfrieden. Denn
nichts davon macht auch nur ein Opfer wieder wach. Und alles zusammen hat
sie als mögliche Verhandler aus dem Spiel genommen. Den EU-Außenministern
bleibt nichts, als die [2][Ukraine für diese endlose Notwehr] zu rüsten und
zugleich jeden Ausweg zu versuchen. Schön aussehen kann man nach dem Krieg.
taz: Zahlreiche Sozial- und Familienverbände fordern von der Regierung, die
geplanten Verschärfungen bei der Grundsicherung zurückzunehmen. Gibt es
unter Kanzler Merz überhaupt noch irgendeine Versicherung?
Friedrich Küppersbusch: Die Streichungen treffen Haushalte mit Kindern –
weniger Miethilfe, früher wieder arbeiten, weniger Zuschüsse. Das, so die
Verbände, passt nicht zu Wohnungsnot und Kitamangel. Bringt aber auch
brutal wenig Geld für den Staat. Merz’ Problem ist, dass er sich regelmäßig
in volkstümliche Armenverachtung verläuft, ohne das wenigstens
durchgerechnet zu haben. Ihm geht es eher um einen autoritären Gestus.
Könntet Ihr ruhig auch mal nach fragen!
taz: Laut Deutschland-Monitor ist jede fünfte Person in Deutschland offen
für autoritäre Ideen. Überraschend?
Friedrich Küppersbusch: Der [3][Kanzler beklagte diese Sehnsucht in seiner
Parteitagsrede]. Fand aber nicht die Worte, Kompromiss, Teamgeist,
Konsensfindung nicht als umständlichen Kram, sondern absolutes
Premiumprodukt von Demokratie zu verkaufen. Schade.
taz: Experten empfehlen die Anhebung des Rundfunkbeitrags ab 2027. Wie
taktisch klug ist solch eine Empfehlung in einem Wahljahr, in dem die AfD
vor allem mit Hass auf den ÖRR punktet?
Friedrich Küppersbusch: Die zuständige Kommission KEF hatte vor zwei Jahren
eine Erhöhung um 58 Cent errechnet. Das verweigerte die Politik, und nun
sollen es nur 28 Cent mehr sein. Es gebe inzwischen mehr Haushalte, heißt
es als Begründung – um das Argument „uns war halt danach“ zu vermeiden oder
gleich „mal gucken, ob wir damit durchkommen“. Wer die AfD bekämpfen will,
unterstützt den ÖRR.
taz: Und was macht der RWE?
Friedrich Küppersbusch: 0:3 beim direkten Konkurrenten Osnabrück, ungefähr
eher sechs Punkte verloren.
22 Feb 2026
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