# taz.de -- US-Zollpolitik und Europa: Europa unter Zugzwang
       
       > Der Supreme Court erklärt eigenmächtige Zölle des US-Präsidenten für
       > unzulässig. Für die EU beginnt damit eine Phase neuer
       > Planungsunsicherheit.
       
 (IMG) Bild: Trump und der Supreme Court: sein Zollzug gerät ins Stocken
       
       Neue Unsicherheit für die Wirtschaft, aber auch Hoffnung auf einen besseren
       Deal: In der EU fallen die Reaktionen auf die höchstrichterliche Klatsche
       für US-Präsident Donald Trump in der Zoll- und Handelspolitik sehr
       unterschiedlich aus. Der Supreme Court hatte am Freitag geurteilt, dass
       Trump kein Recht habe, [1][eigenmächtig Zölle] zu verhängen.
       
       Was bedeutet das für die europäische Wirtschaft? Wackelt nun auch der
       sogenannte Turnberry-Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
       Leyen im August 2025 mit Trump ausgehandelt hatte? Die EU-Kommission hält
       sich bedeckt. Man werde das US-Urteil zunächst „sorgfältig“ prüfen, hieß es
       am Sonntag in Brüssel. Man stehe in ständigem Kontakt mit der
       Trump-Regierung und wolle nichts überstürzen.
       
       Weniger zurückhaltend äußerte sich der Vorsitzende des Handelsausschusses
       im Europaparlament, Bernd Lange (SPD). Den Richterspruch bezeichnete er als
       „Klatsche“ für Trump. Für den Turnberry-Deal gebe es nun „keine Grundlage“
       mehr. In Washington herrsche „reines Zollchaos seitens der US-Regierung“.
       Niemand könne sich darauf noch einen Reim machen – es blieben offene Fragen
       und wachsende Planungsrisiken für die EU und andere Handelspartner der USA.
       Für Montag kündigte Lange eine Sondersitzung des Handelsausschusses an.
       Dort soll beraten werden, ob die laufenden Verhandlungen zwischen dem
       EU-Parlament und der US-Regierung vorerst auf Eis gelegt werden.
       
       Der Turnberry-Deal ist ohnehin noch nicht ratifiziert. Das Europaparlament
       hatte die Beratungen unterbrochen, nachdem Trump im Januar im Streit um
       Grönland mit neuen Strafzöllen gedroht hatte. Theoretisch eröffnet das
       Urteil nun die Möglichkeit, die Vereinbarung nicht wie geplant zu
       verabschieden, sondern neu zu verhandeln. Von Anfang an war sie umstritten,
       weil sie zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft vorsieht.
       
       Nach der bisherigen, nun infrage gestellten Vereinbarung fällt auf die
       meisten europäischen Exporte in die USA ein pauschaler Zollsatz von 15
       Prozent an. US-Exporte in die EU hingegen sind von allen Zöllen befreit –
       ein krasses Ungleichgewicht. Eine zusätzliche Belastung sind die
       amerikanischen Sonderzölle für Aluminium und Stahl – sie liegen bei 50
       Prozent. Daran dürfte sich allerdings auch künftig nichts ändern, denn sie
       beruhen auf einer anderen Rechtsgrundlage.
       
       ## Merz will sich bemühen, Unsicherheiten zu beenden
       
       Wie geht es nun weiter? Während die EU in Brüssel noch die neue Lage prüft,
       prescht die Politik in Berlin und Paris schon mit teilweise
       widersprüchlichen Statements vor. Besonders eilig hatte es Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU). „Das größte Gift für die Wirtschaft in Europa und in
       den USA ist diese beständige Unsicherheit über die Zölle“, sagte Merz. Bei
       einer Reise nach Washington in der kommenden Woche werde er sich darum
       bemühen, diese Unsicherheit zu beenden.
       
       Dabei werde er sich um eine abgestimmte EU-Position bemühen, kündigte der
       Kanzler an. Das dürfte allerdings schwierig werden. Denn zum einen ist für
       die [2][Zoll- und Handelspolitik] die EU-Kommission zuständig; Merz kann
       nicht den Takt vorgeben. Zum anderen fällt die erste Reaktion in Paris
       anders aus als in Berlin. Die Entscheidung des US-Gerichts, Trumps Zölle zu
       kippen, sei grundsätzlich zu begrüßen, sagte Staatschef Emmanuel Macron.
       Offenbar funktioniere der Rechtsstaat noch.
       
       Außenhandelsministers Nicolas Forissier erklärte, die EU verfüge über alle
       Instrumente, um sich gegen mögliche neue [3][US-Zölle] zu wehren.
       Ausdrücklich erwähnte Forissier die sogenannte Handels-Bazooka, mit der
       Brüssel auch US-Digitalkonzerne abstrafen kann. Über diese „Bazooka“ hatten
       die EU-Politiker bereits im vergangenen Jahr ausgiebig diskutiert, als es
       noch um die Vorbereitung des Turnberry-Deals ging. Schon damals sprach sich
       Macron dafür aus, mit dieser scharfen handelspolitischen Waffe zu drohen,
       Merz war dagegen.
       
       Nun könnte sich dieser Streit wiederholen. Zunächst geht es aber darum, die
       neue Lage in der amerikanischen Zoll- und Handelspolitik zu erfassen. Wenn
       es bei Trumps letzter Ansage – 15 Prozent Zoll für alle – bleibt, würde
       sich für die EU letztlich nicht viel ändern.
       
       22 Feb 2026
       
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