# taz.de -- FAQ zum Social-Media-Verbot: Ist das wirklich so schlimm für Kinder und Jugendliche?
       
       > Social Media sei schlecht fürs Gehirn, heißt es im Diskurs um ein Verbot
       > für Kinder. Doch was genau weiß man über die Gefahren von Instagram und
       > Co.?
       
 (IMG) Bild: Statt Erleuchtung eher Gehirnschaden
       
       Berlin taz | Kinder unter 14 Jahren sollen keinerlei Zugang zu Social Media
       mehr haben. Jugendliche unter 16 Jahren sollen eine eingeschränkte Version
       der Apps nutzen dürfen. Das [1][fordert aktuell die SPD] und stößt damit
       nun auch in Deutschland die Debatte für Social-Media-Verbote an, nachdem
       [2][Australien] Anfang des Jahres als erstes Land der Welt eine
       Altersbeschränkung eingeführt hat und sich auch das EU-Parlament dafür
       ausspricht. Auch Bundeskanzler Merz begrüßt den Vorstoß. Aber wie doll
       beeinflussen soziale Medien Kinder und Jugendliche wirklich?
       
       ## Warum haben soziale Medien Interesse daran, die Gehirne ihrer
       Nutzer:innen in Bann zu ziehen? 
       
       Das Geschäftsmodell von sozialen Medien ist die Erfassung und Vermarktung
       persönlicher Nutzungsdaten. Die Plattformen sind darauf ausgelegt, dass
       Nutzer:innen möglichst lange Content konsumieren, damit die Apps mehr
       Daten sammeln können. Zusätzlich dazu steigen die Werbeeinnahmen bei
       längerer Nutzung, da mehr Werbeanzeigen geschaltet und rezipiert werden
       können.
       
       ## Wie viel Zeit verbringen Kinder und Jugendliche auf sozialen Medien? 
       
       Eine [3][aktuelle Untersuchung der DAK-Gesundheit] ergab, dass im Herbst
       2024 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren werktags
       durchschnittlich 157 Minuten und an Wochenenden 227 Minuten, also fast 4
       Stunden, auf sozialen Medien verbrachten. Aus den Daten ergebe sich, dass
       jedes vierte Kind problematische Nutzungsmuster aufweist. Die zeichnen sich
       beispielsweise dadurch aus, dass Kinder und Jugendliche sich stundenlang
       nicht vom Bildschirm reißen können bis hin zur Vernachlässigung ihrer
       sozialen Kontakte, damit sie mehr Zeit auf den sozialen Medien verbringen
       können.
       
       ## Warum kann exzessive Social-Media-Nutzung schädlich sein? 
       
       Zwischen mentaler Gesundheit und der Nutzung sozialer Medien gibt es
       nachweislich [4][Zusammenhänge]. Grundsätzlich gebe es viele Studien, die
       einen Verbindung zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und
       negativen Erscheinungen wie Schlafstörungen, Körperunzufriedenheit bis hin
       zur Essstörung und depressiven Tendenzen aufzeigen, sagt Christian Montag,
       Neurowissenschaftler und Dozent an der Universität von Macau, der taz.
       
       Auch die möglichen negativen Auswirkungen von Social-Media-Nutzung auf
       kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit (und gegebenenfalls damit auch zu
       erbringende schulische Leistungen) seien kritisch zu sehen. Ebenfalls
       negative Effekte hätten das Erscheinen von nicht-alters adäquaten Inhalten,
       etwa pornografischen oder gewaltvollen Inhalten, sowie Cybermobbing.
       
       Christian Montag betont, dass „ein Geschäftsmodell, das darauf abzielt, die
       Online-Zeit zu verlängern und das Engagement der Plattform zu erhöhen,
       eigentlich per se nicht gesund sein kann, schon gar nicht, wenn dieses
       Geschäftsmodell in ein kritisches Zeitfenster fällt, in dem Kinder und
       Jugendliche andere entwicklungspsychologische Aufgaben zu erfüllen haben“.
       
       ## Macht sich die Nutzung auch neurologisch im Gehirn bemerkbar? 
       
       Während die psychischen Auswirkungen gut beschrieben sind, fällt die
       Datenlage zur neuronalen Wirkung mau aus. Für eine systematische Aussage
       über neuronale Prozesse im Gehirn, insbesondere bei Kindern und
       Jugendlichen, sei es noch verfrüht. Gut geklärt sei allerdings, dass das
       Erhalten eines Likes das Belohnungssystem des Gehirns aktivieren kann, sagt
       Christian Montag. Was das endlose Scrollen mit unserem Gehirn macht, ist
       bisher noch nicht konkret erforscht.
       
       Auch, ob soziale Medien eine Sucht – im klinischen Sinne – auslöst, ist
       bisher noch nicht ausreichend geklärt. In einer [5][Studie aus dem Jahr
       2023] heißt es, es gebe zwar Überschneidungen der Symptome von exzessivem
       Social-Media-Gebrauch und Suchtkrankheiten, ob dabei gleiche
       Gehirnmechanismen in Gang gesetzt werden, konnte jedoch noch nicht
       wissenschaftlich belegt werden.
       
       ## Gibt es einen Grad an Medienkonsum, der als in Ordnung gilt? 
       
       Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Ab wann genereller
       Medienkonsum problematisch wird, hängt von der jeweiligen Person ab sowie
       von anderen Faktoren wie der Nutzungsmotivation und -art. Scrolle ich
       beispielsweise nur ein bisschen durch meinen Feed oder gehe ich in den
       aktiven Austausch mit Anderen? Will ich mir nur ein paar lustige Videos zur
       Unterhaltung anschauen oder möchte ich mehr über die neuesten Nachrichten
       erfahren?
       
       In Bezug auf Kinder und Jugendliche rät die Deutsche Gesellschaft für
       Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) zu einer maximalen Bildschirmzeit von 45
       bis 60 Minuten für Neun- bis Zwölfjährige. Bis zum sechzehnten Lebensjahr
       sollten die Jugendlichen nicht länger als zwei Stunden an den Bildschirmen
       hängen. Diese Angaben sind nur Empfehlungen, eine konkrete Einzelstudie zu
       unbedenklicher Nutzung sozialer Medien gibt es nicht.
       
       ## Wie wird bisher der Gebrauch von sozialen Medien durch Kinder und
       Jugendliche reguliert? 
       
       Viele soziale Medien sind ab dem Alter von 13 Jahren zugänglich, wie
       beispielsweise in den Meta-Richtlinien für Instagram festgelegt ist. In der
       EU brauchen Jugendliche unter 16 allerdings die Zustimmung ihrer Eltern,
       wobei diese nicht von den jeweiligen Plattformen kontrolliert wird.
       
       ## Neue Medien lösen immer neue Ängste aus, gab es ähnliche Debatten auch
       schon in Bezug auf andere Medien? 
       
       Schon vor zwanzig Jahren gab es ähnliche Debatten zum Thema Fernsehkonsum
       bei Kindern und Jugendlichen. Auch die Gefahren von Videospielen wurden
       stark diskutiert, vor allem von Waffenspielen. 2005 schreibt Manfred
       Spitzer, damals Leiter der Psychiatrischen Klinik an der Universität Ulm,
       Fernsehen mache „dick und gewalttätig“.
       
       Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat 2008 zu
       Fernseh-Einschränkung bei Kindern geraten. Zu einem Verbot für Kinder kam
       es nie, aber für Film und Fernsehen haben sich Regulierungsempfehlungen in
       Form der FSK etabliert. Auch sind die Ausspielzeiten für bestimmte
       Werbungen und Filme begrenzt.
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Altersbegrenzung-auf-Social-Media-Bei-Forscherinnen-umstritten/!6155008
 (DIR) [2] /Social-Media-in-Australien/!6153679
 (DIR) [3] https://www.google.com/url?q=https://www.dak.de/dak/gesundheit/psychische-gesundheit/sucht/social-media-sucht-bei-jugendlichen_85778&sa=D&source=docs&ust=1771583027394548&usg=AOvVaw2hKVLHrJUbvmm-q_k9odzc
 (DIR) [4] /Altersbeschraenkung-fuer-die-Nutzung-von-Social-Media-Was-sagt-die-Wissenschaft/!6142285
 (DIR) [5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37838613/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amélie Richter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Social Media
 (DIR) psychische Gesundheit
 (DIR) Wissenschaft
 (DIR) Konsumverhalten
 (DIR) Instagram
 (DIR) Schwerpunkt Meta
 (DIR) Snapchat
 (DIR) Sucht
 (DIR) CDU
 (DIR) Social Media
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Social Media
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) CDU-Parteitag: Christdemokraten wollen ein Social-Media-Verbot für Kinder
       
       Auf dem Parteitag in Stuttgart fordert die CDU ein Social-Media-Verbot für
       Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren. Seltsamerweise ohne Debatte.
       
 (DIR) Social-Media-Verbot: Mit Kinderschutz gegen Kinderrechte
       
       Auch Kanzler Friedrich Merz fordert ein Social-Media-Verbot für Jugendliche
       unter 14 Jahre. Dabei ignoriert er das Kinderrecht auf Zugang zu Medien.
       
 (DIR) Debatte um Social-Media-Plattformen: Jenseits der Altersgrenze
       
       Es muss nicht unbedingt ein Mindestalter sein: Sollen junge und nicht junge
       Menschen besser geschützt werden, gibt es diverse Möglichkeiten.
       
 (DIR) Mindestalter für Social Media: Zu jung für Insta?
       
       Die politischen Forderungen nach einer Altersbeschränkung für die Nutzung
       von Social Media werden lauter. Doch Wissenschaftler:innen sind
       uneins.