# taz.de -- Social-Media-Verbot: Mit Kinderschutz gegen Kinderrechte
       
       > Auch Kanzler Friedrich Merz fordert ein Social-Media-Verbot für
       > Jugendliche unter 14 Jahre. Dabei ignoriert er das Kinderrecht auf Zugang
       > zu Medien.
       
 (IMG) Bild: Mit Handy auf dem Weg zur Schule: laut der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf Zugang zu Medien
       
       Die SPD [1][hat Anfang der Woche gefordert], Social Media für Kinder und
       Jugendliche unter 14 Jahren zu verbieten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz
       hat sich dafür offen gezeigt. Begründet wird das mit dem Wohl der Kinder:
       Die [2][Suchtgefahr] von sozialen Medien ist groß, außerdem verbreiten sich
       politischer Extremismus und ungesunde Körperbilder.
       
       Deshalb klingt es erst mal sinnvoll, Kindern Social Media zu verbieten. Das
       Ding ist aber: Soziale Medien sind nicht inhärent gefährlich. Sondern sie
       sind zuallererst ein Ort des Austauschs. Hier werden Informationen geteilt
       und gesellschaftspolitische Debatten geführt.
       
       Social Media wegen des Suchtfaktors mit Zigaretten oder Alkohol und zu
       vergleichen, macht nur begrenzt Sinn, weil jede einzelne Zigarette komplett
       verzichtbar und noch dazu gesundheitsschädlich ist. Auf sozialen Medien gib
       es dagegen viele sinnvolle Inhalte, die der Gesundheit keineswegs schaden.
       Was sie gefährlich macht, sind andere Dinge, zum Beispiel: süchtig machende
       Algorithmen, rechtsextreme Arschlöcher und patriarchale Schönheitsbilder.
       
       Ein Social-Media-Verbot erscheint als eine einfache Lösung. Das ist es aber
       nicht. Laut der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder nicht nur ein Recht
       auf Wohlergehen, sondern auch ein Recht auf Meinungs- und
       Informationsfreiheit sowie auf Zugang zu Medien. Das Recht auf Wohlergehen
       darf nicht missbraucht werden, um die anderen beiden in die Tonne zu
       treten.
       
       Kinder, die ohnehin wenig Macht haben, weil sie an Wahlen nicht teilnehmen
       dürfen, systematisch von sozialen Medien und damit vom gesellschaftlichen
       Diskurs auszuschließen, entmachtet sie noch weiter. Wenn Plattformen ihre
       Inhalte nicht verantwortungsvoll gestalten, sollte das nicht zum Problem
       junger Menschen gemacht werden, sondern zum Problem der Anbieter.
       
       [3][Auf EU-Ebene existieren längst Leitlinien], die Algorithmen regulieren
       könnten. Plattformen müssten dazu verpflichtet werden, Eltern bei der
       Aufsicht ihrer Kinder auf sozialen Medien zu unterstützen. Medienkompetenz
       in Schulen müsste ausgebaut werden. Es gibt tausend Möglichkeiten, um
       Kinder vor den Plattformen zu schützen. Ein Verbot gehört nicht dazu.
       
       Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes stand
       fälschlicherweise, Friedrich Merz wolle das Social-Media-Verbot auf
       Jugendliche unter 16 ausweiten. Es ging aber nur um Jugendliche unter 14
       Jahre. Wir bitten um Entschuldigung.
       
       18 Feb 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexandra Hilpert
       
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