# taz.de -- Urteil im Prozess um Social-Media-Sucht: Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe
> 20-Jährige in den USA soll 6 Millionen Dollar bekommen, weil sie süchtig
> nach Youtube und Instagram war. Betreiber Alphabet und Meta prüfen
> rechtliche Schritte.
(IMG) Bild: Bindend: Social-Media-Apps auf einem Handy
rtr/afp | Die Techkonzerne Alphabet und Meta sind in einem wegweisenden
Prozess um die Abhängigkeit von sozialen Medien zu Schadensersatzzahlungen
in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Geschworenen sprachen der Klägerin
einschließlich Strafzahlungen 4,2 Millionen Dollar von Meta und 1,8
Millionen Dollar von der Google-Mutter zu.
Der Fall dreht sich um eine 20-jährige Frau, die nach eigenen Angaben in
jungen Jahren wegen fesselnden Designs der Apps süchtig nach Youtube und
Instagram wurde. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass die
Unternehmen bei der Entwicklung fahrlässig gehandelt und nicht vor den
Gefahren gewarnt hätten. Das Urteil gilt als wegweisend und könnte die
Branche zwingen, ihre Verteidigungsstrategien bei Klagen zur
Nutzersicherheit grundlegend zu überdenken.
Kaley G. M. hatte bei ihrer Aussage Ende Februar von ihrem Suchtverhalten
und dadurch ausgelösten Angstzuständen und Depressionen berichtet. Selbst
wenn sie auf Instagram gemobbt worden sei, sei sie auf der App geblieben.
„Wenn ich nicht online war, hatte ich einfach das Gefühl, etwas zu
verpassen“, sagte sie. Nach Angaben ihres Anwalts war Kaley bis zu 16
Stunden pro Tag auf den Plattformen.
Ihr Anwalt Mark Lanier argumentierte vor Gericht, die Internetkonzerne
hätten mit Social-Media-Apps „eine Sucht in den Gehirnen von Kindern
erzeugt“. Ihnen sei es darum gegangen, sie möglichst lange auf den
Plattformen zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern.
Instagram-Chef Adam Mosseri bestritt dagegen ein Suchtpotenzial der App. In
dem siebenwöchigen Prozess sagte auch Meta-Chef Zuckerberg aus. Er räumte
Probleme bei der Alterskontrolle der Nutzerinnen und Nutzer ein, die nach
den Instagram-Regeln mindestens 13 Jahre alt sein sollen.
„Das heutige Urteil ist ein Signal der Geschworenen an eine ganze Branche,
dass die Zeit der Rechenschaft gekommen ist“, erklärte der Hauptanwalt der
Klägerin.
Meta wies die Entscheidung zurück. Das Unternehmen prüfe rechtliche
Schritte, teilte der Konzern mit. Google plant, in Berufung zu gehen, sagte
Unternehmenssprecher José Castañeda.
Die verhängten Strafen fallen für die beiden wertvollsten Unternehmen der
Welt gering aus: Meta rechnet für das Jahr 2026 mit Investitionsausgaben
zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar, Alphabet plant im selben Zeitraum
mit 175 bis 185 Milliarden Dollar. An der US-Börse schlossen beide Konzerne
leicht im Plus.
Die Klägerseite hatte sich in dem Verfahren auf das Design der Plattformen
und nicht auf deren Inhalte konzentriert. Dies erschwerte es den
Konzernen, eine Haftung abzuwenden. Im Prozess versuchten die Anwälte zu
belegen, dass Meta und Google gezielt Kinder ins Visier genommen und
Gewinne über die Sicherheit gestellt hätten.
Meta führte die psychischen Probleme der Klägerin dagegen auf ihr
schwieriges familiäres Umfeld in der Kindheit zurück. YouTube
argumentierte, sie habe die Videoplattform nur sehr wenig genutzt. Snap
und Tiktok waren ursprünglich ebenfalls angeklagt, hatten sich jedoch vor
Prozessbeginn mit der Klägerin auf einen Vergleich geeinigt.
Große Technologieunternehmen stehen in den USA seit Jahren wegen der
Sicherheit von Minderjährigen in der Kritik. Da der Kongress bislang keine
umfassenden Gesetze zur Regulierung sozialer Medien verabschiedet hat,
verlagert sich die Auseinandersetzung zunehmend auf Gerichte und
Bundesstaaten. Mindestens 20 US-Staaten haben im vergangenen Jahr Gesetze
zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder erlassen.
Im Sommer werden weitere große Prozesse in Kalifornien erwartet, bei denen
es ebenfalls um die Suchtgefahr von Plattformen wie Instagram, Youtube,
Tiktok und Snapchat geht. Erst am Dienstag hatte eine Jury in New Mexico
Meta in einem separaten Verfahren wegen der Gefährdung von Kindern
verurteilt.
26 Mar 2026
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