# taz.de -- Debatte um Social-Media-Verbot: „Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad gedreht“
       
       > Die Politik soll sich zumindest eingestehen, dass sie das Leben junger
       > Menschen „beschissener“ macht, sagt der Tiktoker Levi Penell.
       
 (IMG) Bild: „Zu viel Social Media gehörte nie zu meinen Problemen“: Levi Penell
       
       taz: Herr Penell, auf X schrieben Sie kürzlich, dass Ihnen „Rentner in der
       end life crisis auf den Sack gehen“. Was haben Sie gegen alte Menschen? 
       
       Levi Penell: Prinzipiell erst mal gar nichts. Allerdings beobachte ich,
       dass ältere Menschen sich oft sehr schlecht eingestehen können, wenn sie
       von etwas keine Ahnung haben. Die Formel „je älter, desto weiser“ geht halt
       aber nicht immer auf.
       
       taz: In welchen Punkten sind junge Menschen denn cleverer als ältere? 
       
       Penell: Junge Menschen fallen beispielsweise deutlich seltener auf
       Onlinebetrug herein. Trotzdem stellen die Alten sich dann hin und meinen,
       den Jungen erklären zu müssen, wie das denn im Internet so läuft.
       
       taz: Die CDU will [1][auf ihrem Parteitag] über einen Antrag abstimmen, der
       ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige fordert. Ist das im Sinne
       Jugendlicher? 
       
       Penell: Das ist sicher für jeden Jugendlichen unterschiedlich. Allerdings
       sind die [2][Debatten] um [3][Social]-Media-[4][Verbote] sowie der neue
       Wehrdienst Beispiele für Maßnahmen, die die Freiheiten junger Menschen
       einschränken. Die Konsequenzen von Missständen in unserem Land, die alle
       Generationen betreffen, werden zunehmend einfach an junge Menschen
       abgegeben. Ich unterstelle der Politik nicht, dass sie das Leben junger
       Menschen absichtlich beschissener macht. Mir fehlt allerdings die Einsicht,
       dass es im Resultat oftmals so ist.
       
       taz: Was hat Social Media für den 14-jährigen Levi Penell denn bedeutet? 
       
       Penell: Es war für mich ein extrem wichtiger Rückzugsort. Mir ging es in
       meiner Jugend nicht sonderlich gut, im analogen Leben hatte ich kein
       stabiles Umfeld. Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad
       gedreht.
       
       taz: Momentan werden psychische Probleme Jugendlicher aber eher als
       Argument für Social-Media-Verbote angeführt. 
       
       Penell: Stimmt, und dennoch gibt es keine Studie, die belegt, dass
       [5][Social Media mentale Probleme verursacht]. Es ist dabei einfach nicht
       klar, was Ursache und was Wirkung ist. Bei mir beispielsweise war das
       Internet niemals der Grund für meine Probleme. Vielmehr habe ich dort so
       viel Zeit verbracht, weil ich im echten Leben kaum Freunde hatte.
       
       taz: Welche Folgen hätte ein Social-Media-Verbot denn in dieser Zeit für
       Sie gehabt? 
       
       Penell: Vermutlich keine.
       
       taz: Echt? 
       
       Penell: Ich war schon damals technisch recht affin und bin mir sicher, dass
       ich das Verbot sehr leicht hätte umgehen können. Heute ist [6][das beste
       Beispiel Australien]: Nachdem dort zehn Social-Media-Dienste für unter
       16-Jährige verboten wurden, tauchten ganz oben in den App-Charts plötzliche
       neue und bis dahin eher unbekannte Plattformen auf. Die Jugendlichen waren
       weiter auf Social Media, nur eben nicht mehr auf Tiktok und Instagram. Wenn
       durch Verbote immer wieder neue Plattformen entstehen, wird es nochmals
       schwieriger, diese zu kontrollieren.
       
       taz: Was gilt es eigentlich zu kontrollieren? 
       
       Penell: Die Algorithmen. Auch wenn die Plattformen natürlich kein Interesse
       daran haben werden, müssen sie offenlegen, wie ihre Algorithmen
       funktionieren. Social Media ist das wichtigste Meinungsmedium unserer Zeit,
       wir dürfen es nicht allein dem Markt überlassen.
       
       taz: Also muss es doch die Politik richten? 
       
       Penell: Ja, und zwar indem sie an den Algorithmen ansetzt, auch wenn das
       keine Schlagzeilen wie „Social-Media-Verbot für alle unter 16“ liefert.
       Lediglich die [7][Forderung nach solchen Verboten] ist das Ergebnis einer
       Politik, die sich nicht ernsthaft mit den Lebenswelten Jugendlicher
       auseinandersetzt. Pauschale Verbote werden Plattformen wie Tiktok, die
       weitaus vielfältiger als andere Medien sind, einfach nicht gerecht.
       
       taz: Jetzt aber mal ehrlich: Gab es in Ihrem Leben nie den Moment, in dem
       Sie sich wünschten, jemand nähme Ihnen das Handy weg? 
       
       Penell: Ich hatte schon so einige Probleme in meinem Leben – zu viel Social
       Media gehörte nie dazu.
       
       20 Feb 2026
       
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