# taz.de -- Neue rechte Partei in Italien: Roberto Vannacci sind die Rechten nicht rechts genug
> Ein italienischer Ex-General will eine neue rechtsextreme Partei namens
> Futuro Nazionale gründen. Die „Teams Vannacci“ haben den Weg bereitet.
(IMG) Bild: Taugt als rechte Ikone: der frühere Armeegeneral Roberto Vannacci
Noch vor drei Jahren kannte kein Mensch in [1][Italien] Roberto Vannacci –
doch jetzt hat der frühere Armeegeneral die Schlagzeilen aller Zeitungen
des Landes. Die Aufmerksamkeit verdankt er seiner Ankündigung, er wolle
eine neue rechtsextreme Partei gründen. Futuro Nazionale, soll sie heißen,
Nationale Zukunft. Offenbar geht es ihm selbst unter der postfaschistischen
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Italien noch nicht rechts genug zu.
Als rechte Ikone taugt der schneidige 57-jährige Ex-Soldat gewiss. Er,
selbst Sohn eines Offiziers, brachte es in seiner aktiven Zeit zum General
der Fallschirmjäger, war in den Nullerjahren in Afghanistan und Irak, dann
auch in Libyen im Einsatz. Doch offenbar füllte ihn dieser Job nicht aus.
Nach Feierabend setzte er sich, im Jahr 2023, an den Computer und schrieb
ein Buch unter dem programmatischen Titel „Il mondo al contrario“ –
„Verdrehte Welt“. Verdreht fand er vor allem das ganze woke Zeug, die Idee
einer multikulturellen Gesellschaft, die Aufmerksamkeit für Schwule, Lesben
und trans Personen sowie den Feminismus.
Im Selbstverlag hatte er das Werk publiziert, doch dann druckte
ausgerechnet die linksliberale Tageszeitung La Repubblica Auszüge – und die
Auflage ging durch die Decke. Am Ende konnte sich Vannacci nicht bloß über
250.000 verkaufte Exemplare freuen, sondern auch darüber, dass er fast über
Nacht zur nationalen Berühmtheit geworden war.
Das war auch einem Politiker aufgefallen, der seit Jahren schon am rechten
Rand unterwegs ist: Matteo Salvini. Er, der als Chef der Lega im Kabinett
der Postfaschistin Giorgia Meloni stellvertretender Ministerpräsident ist,
leidet darunter, dass Melonis Fratelli d’Italia (26 Prozent bei den Wahlen
2022) seine Lega (8,8 Prozent) klar abgehängt hatte – und er sah in
Vannacci die Chance, die Lega wieder zu stärken.
## Die AfD als Vorbild
Die Gelegenheit bot sich bei den Europawahlen 2024, für die er den General
als Lega-Spitzenkandidat engagierte. Das zahlte sich für die Partei, die am
Ende auf 9 Prozent kam, ein bisschen aus, ein bisschen mehr aber für
Vannacci selbst. Der Mann konnte, bei insgesamt 2,2 Millionen Stimmen für
die Lega, alleine 550.000 Präferenzstimmen auf seinem persönlichen Konto
verbuchen. Das trug ihm umgehend den Vizefraktionsvorsitz der Patrioten im
EP (zu denen auch Marine Le Pens Rassemblement National, die spanische Vox
und Viktor Orbáns Fidesz gehören) ein, und nebenher, seit dem Jahr 2025,
auch den Posten eines der vier stellvertretenden Vorsitzenden der Lega.
Doch selbst Salvinis stramm rechtspopulistisch-fremdenfeindlicher Laden ist
Vannacci zu lasch. Er predigt seit Monaten die „Remigration“ und meint, die
„Masseneinwanderung zersetzt die Kompaktheit einer Zivilisation, verwässert
die Identität eines Volkes“. Er feiert die „Decima Mas“, eine Eliteeinheit
der italienischen Marine, die sich im Zweiten Weltkrieg mit zahlreichen
Verbrechen gegen die Partisanen, die Mussolini bekämpften, hervortat.
Und obwohl er Vizechef der Lega war, gründete er im ganzen Land Zirkel
unter dem Namen „Team Vannacci“, die dieses Gedankengut verbreiten – und
die wohl von Anfang an als Sprungbrett für die jetzt verkündete
Parteigründung dienen sollten: für die Schaffung einer „nicht moderaten
Rechten“, als deren Vorbild die italienischen Medien immer wieder die AfD
zitieren.
5 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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