# taz.de -- Eisschnellläufer Hendrik Dombek: Unterwegs auf brüchigem Eis
> Er engagiert sich bei „Athleten Deutschland“. Nach seinem 16. Platz im
> 1.000-Meter-Sprint wird er oft auf seinen in Verruf geratenen Verband
> angesprochen.
(IMG) Bild: Kommt erst langsam in Fahrt: Hendrik Dombek
Am Ende wird er auf Platz 16 geführt. 1:09,198 Minuten hat [1][Hendrik
Dombek] für die 1.000 Meter bei seiner olympischen Eisschnelllaufpremiere
gebraucht. Dass er das besser kann, weiß der 27-jährige Sportsoldat und
Sportmanagementstudent nur allzu gut. In dieser Saison beim Weltcup in Salt
Lake City ist er fast zwei Sekunden schneller gewesen. Und nun steht er
nach seinem Rennen in der Mixed Zone und muss zugeben, dass es ihm nicht
gelungen ist, noch einmal „diesen Peak“ zu erreichen.
Trotz aller Enttäuschung spricht auch Stolz aus ihm. Immerhin hat er es zu
den Spielen geschafft. Der Auftakt sei nicht einfach gewesen. Bei den
ersten internen Qualifikationsrennen sei er einfach zu nervös gewesen. Dann
in Übersee sei der Knoten geplatzt. Da ist er aus der B-Gruppe plötzlich
ziemlich weit nach vorne gelaufen. Er hat sich verdient, was er jetzt
erleben darf in Mailand bei seinen ersten Olympischen Spielen. Genauso wie
seine beiden Teamkollegen auf den kurzen Strecken, [2][Finn Sonnekalb] und
Moritz Klein, genießt er das Leben im Dorf und dass bei Olympia alles ein
wenig größer ist als sonst in seiner doch eher kleinen Sportart.
Und er hat investiert dafür, dass er hier sein kann. Das Sommertraining auf
Eis habe er wie die anderen deutschen Spitzenläufer selbst finanziert. Dass
Sportlerinnen und Sportler einen nicht unerheblichen teil ihrer
Aufwendungen für Training und Wettkampfreisen selbst bezahlen müssen, war
das Teilergebnis einer [3][Recherche der ARD], die Matthias Große, dem
Präsidenten der Deutschen Eischschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft
(DESG) massive Misswirtschaft und intransparentes Führungsverhalten
vorwirft.
Der möchte sich erst nach den Spielen dazu äußern und ist zum
Saisonhöhepunkt der Sportart, die er vertritt, gar nicht erst nach Mailand
gereist. Seine Lebensgefährtin, Deutschlands erfolgreichste
Winterolympionikin [4][Claudia Pechstein], die sich hinter der Tribüne
bestens gelaunt mit alten Bekannten aus ihrer aktiven Zeit unterhielt,
hatte keine Lust auf Pressefragen.
## Kalender mit Nacktbildern vor eisiger Kulisse
Auch Dombek, der als Präsidiumsmitglied der verbandsunabhängigen
Interessenvereinigung [5][Athleten Deutschland] für ein selbstbewusstes
Auftreten von Sportlern und Sportlerinnen steht, wollte sich während der
Spiele nicht zu Wort melden. Für die Presse hatte er einen Brief
vorbereitet, in dem es heißt, dass es im Verhältnis zum Verband Ziel sein
müsse, „ein Umfeld zu schaffen, das von gegenseitigem Respekt,
transparenter Kommunikation und verantwortungsvollem Umgang mit Macht
geprägt ist“. Viel deutlicher kann man ein zerschnittenes Tischtuch nicht
umschreiben.
Und nun muss der Olympionike, der noch über 500 Meter und 1.500 Meter
antreten wird, doch über seinen in Verruf geratenen Verband sprechen. Er
macht das in einer bewundernswerten Gelassenheit. „Das ist so eine
Funktionärssache. Das sollen die mal regeln“, sagt er. Und er geht davon
aus, dass der Deutsche Olympische Sportbund und das Sportministerium am
Ende schon dafür sorgen werden, dass die Fördergelder an der richtigen
Stelle ankommen.
Dass olympische Athletinnen und Athleten Drittmittel für Training oder
Ausrüstung einwerben, sei überdies schon lange nicht mehr ungewöhnlich. So
hat etwa die [6][Deutsche Eislaufunion] eine Crowdfunding-Kampagne zur
Finanzierung der Teamkleidung gestartet. Und die Eisschnelllaufgruppe aus
Erfurt, zu der auch Dombek gehört, hat 2026 schon zum zweiten Mal einen
Kalender mit Nacktbildern vor eisiger Kulisse herausgegeben. Da geht es
nicht um große Summen. Manchmal fehlen die 250 Euro Sperrgepäckkosten, um
auch einmal ein Trainingsrad zu einem Weltcup in Übersee mitnehmen zu
können. Solche Löcher sollen gestopft werden.
Während Dombek weitgehend unbehelligt über seine Olympiaeindrücke sprechen
konnte, scharten sich die Journalisten aus Deutschland, die zum Eisring in
der Messehalle am Ende der Stadt gekommen waren, um Deutschlands 18-jährige
Eisschnelllaufhoffnung Finn Sonnekalb. Der gilt nach herausragenden
Ergebnissen in diesem Jahr als Medaillenkandidat über 1.500 Meter. Am
Mittwoch über die kürzere Distanz reichte es beim Sieg von US-Superläufer
[7][Jordan Stolz], der vor dem Niederländer Jenning de Boo und Ning
Zhongyan aus China triumphieren konnte, nur zu Platz 12.
Immerhin könne er wieder laufen, meinte er nach dem Rennen. Seinen
fiebrigen Infekt, der ihn nach der Eröffnungsfeier ins Bett gezwungen habe,
sei nun überwunden. Jetzt hoffe er, dass er nächste Woche über seine
Spezialstrecke wieder aus Geschwindigkeit komme. Die hat über 1.000 Meter
definitiv noch gefehlt.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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