# taz.de -- Startverbot gegen Eisschnellläufer: Fatale Signale
> Athleten Deutschland e. V. fordert die Aufhebung des Startverbots gegen
> Eisschnellläufer Fridtjof Petzold. Kritik am Verband müsse möglich sein.
(IMG) Bild: Fridtjof Petzold, einer der besten deutschen Eisschnellläufer, wurde wegen Verbandskritik aussortiert
Die Gefahr ist groß, sich im Kleinteiligen zu verlieren. Vielleicht auch
deshalb hob die Interessensvertretung der Profisportler Athleten
Deutschland am Mittwoch Grundsätzliches hervor, als sie die sofortige
Aufhebung des Startverbots gegen [1][Eisschnellläufer Fridtjof Petzold] und
seinen Verbleib im Bundeskader forderte. Bei den aktuellen Vorgängen im
deutschen Eisschnelllauf, erklärte Athleten Deutschland, gehe es um
grundlegende Defizite bei der Verbandsführung. Der Einzelfall weist also
aus Sicht der Betroffenen über die spezifischen Probleme des kleinen
olympischen Verbandes hinaus.
Das Statement war ganz bewusst getimt. Ein Bericht der Bundesregierung zur
Situation in der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft
(DESG) wurde für Mittwochnachmittag im Sportausschuss angekündigt.
Die ARD-Recherche zu Missständen im Verband [2][und die Pressekonferenz von
DESG-Präsident Matthias Große] vergangenen Donnerstag schlagen weiter
mächtig Wellen. Vorwürfe der finanziellen Intransparenz und insbesondere
der unzumutbaren finanziellen Belastung von Spitzensportlern durch den
Verband stehen im Raum. Große [3][versuchte die Anschuldigungen] in der
erwähnten Presserunde zu entkräften und die beiden dafür verantwortlichen
ARD-Journalisten, denen er ein Hausverbot erteilt hatte, als Lügner zu
diskreditieren. Letztere legten am Dienstag neue Schriftstücke vor, um
wiederum die Anschuldigungen von Große zu widerlegen. Der Konflikt wird
sehr kleinteilig ausgetragen.
Es geht etwa um 59,90 Euro Eigenbeteiligung, welche Eisschnellläufer auch
internen Mails zufolge leisten mussten. Große hatte derlei zuvor heftigst
abgestritten.
## Startverbot nach Kritik
Dabei sind die Missstände bei der DESG unterdessen mit Händen zu greifen.
Spätestens seit vergangenen Freitag, als Fridtjof Petzold wegen seiner
Kritik am Verband ein vorläufiges Startverbot erhielt und dessen Status als
Bundeskaderathlet mit sofortiger Wirkung ausgesetzt wurde. Petzold hatte
während der Olympischen Winterspiele von strukturellen Problemen im Verband
gesprochen und kritisiert, dass er in Mailand nur mangelhaft betreut worden
sei.
„Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre
Kaderzugehörigkeit zu riskieren“, erklärte Johannes Herber, Geschäftsführer
von Athleten Deutschland. Die DESG sende gegenteilige Signale.
Auch machte er deutlich, dass der Verband trotz eigener gegenteiliger
Darstellung schon länger kein gutes Bild abgibt: „In den vergangenen Jahren
haben sich wiederholt Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer an uns
gewandt und auf Fehlentwicklungen in der DESG hingewiesen.“
Der Einschüchterungsversuch von Große, durch Ausschluss Kritiker zum
Schweigen zu bringen, scheint nicht wirklich zu fruchten. Am Dienstag hatte
Eisschnellläufer Felix Maly angekündigt, aus Solidarität mit seinem
Teamkollegen Petzold nicht an der Mehrkampf-WM im niederländischen
Heerenveen teilnehmen zu wollen.
Athleten Deutschland nimmt den Vorfall bei der DESG zum Anlass, auf die
Notwendigkeit eines unabhängigen Clearingsystems im deutschen Sport
hinzuweisen, das Sportlerinnen und Sportler vor Willkürmaßnahmen von
Verbandspräsidenten schützt. Leistungsfördernd wäre das gewiss.
Der Sportausschuss im Bundestag, der noch bei Redaktionsschluss tagte, soll
sich also neben den konkreten Vorgängen bei der DESG auch damit
beschäftigen, wie grundsätzlich Machtmissbrauch in kleinen Verbänden
unterbunden werden kann. Das war der Auftrag, den Athleten Deutschland dem
Parlament am Mittwoch erteilte und der weit über den Rahmen einer Sitzung
hinausgeht.
4 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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