# taz.de -- Hausverbot für ARD-Journalisten: Aufklärungsstunde für Auserwählte
       
       > Matthias Große, Chef des Eisschnelllaufverbands, nimmt zu Vorwürfen einer
       > ARD-Recherche Stellung und schließt die verantwortlichen Journalisten aus
       
 (IMG) Bild: Matthias Große will zeigen, dass der Verband sauber gearbeitet hat
       
       Mit großer Spannung wurde am Donnerstag um 11 Uhr die Pressekonferenz am
       Müggelturm in Berlin erwartet. Matthias Große, der Präsident der Deutschen
       Eisschnelllauf- und Shorttrackgemeinschaft (DESG), wollte „vollumfänglich“
       zu den Missständen im Verband Rede und Antwort stehen, die eine
       ARD-Recherche bereits in der ersten Olympiawoche thematisiert hatte. Wegen
       der finanziellen Notlage soll er seine Sportlerinnen und Sportler vor
       Weltcups zu Kasse gebeten, Jahresabschlüsse zurückgehalten haben und wegen
       der intern wachsenden Kritik, so wurde berichtet, habe Große vermutlich
       widerrechtlich eine Mitgliederversammlung aufgelöst.
       
       Doch die inhaltlichen Fragen traten erst einmal in den Hintergrund, als
       bekannt wurde, dass die Anlassgeber dieser Pressekonferenz im Berliner
       Osten am Müggelturm ausgeschlossen wurden. Vorab erhielten die
       ARD-Journalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus in einem von Große
       beauftragten Anwaltsschreiben ein Hausverbot für den Veranstaltungsort, der
       zu seinem Privatbesitz zählt.
       
       Dagegen protestierte der [1][Deutsche Journalisten-Verband (DJV)] und
       kündigte an, sich wegen dieses Vorgangs an das Bundesinnenministerium zu
       wenden. „Es geht nicht an, eine Pressekonferenz wie einen closed shop zu
       organisieren“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster.
       
       Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) verurteilte den Vorfall
       ebenso und erklärte: „Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren
       Eingriff in die Pressefreiheit.“ Seppelt selbst bezeichnete dies gegenüber
       der taz „als beispiellosen Vorgang in der Geschichte deutscher
       Sportverbände“, die schließlich vom Bund und mit Steuergeldern finanziert
       würden. Auch die taz, [2][die bereits kritisch zu den Vorgängen bei der
       DESG berichtet hatte,] erhielt trotz mehrfacher Nachfragen bei der
       Pressestelle des Verbandes keine Einladung.
       
       ## „Schmutzkampagne und Hassspiel“
       
       Der [3][Deutsche Olympische Sportbund] prangerte ebenfalls das Hausverbot
       durch die DESG an: „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und
       autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in
       gleicher Weise respektieren, wie wir das tun.“
       
       Matthias Große verteidigte auf der Presskonferenz seine Entscheidung,
       sprach von einer „Schmutzkampagne“ der beiden ARD-Journalisten gegen den
       Verband und einem „Hassspiel“, das sich auch gegen ihn und seine Partnerin
       Claudia Pechstein, die fünfmalige Olympiasiegerin im Eisschnelllauf,
       richten würde. „Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele
       gecrasht, und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht“, sagte Große. Und
       er erklärte: „Das, was passiert ist, ist die größte Schande. Jeder kann mit
       mir sprechen, außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt.“
       
       Zweieinhalb Stunden dauerte die exklusive Veranstaltung am Müggelsee. Große
       wies dabei in sehr kleinteiligen Ausführungen sämtliche Vorwürfe, die in
       der ARD-Recherche erhoben wurden, mithilfe einer Power-Point-Präsentation
       zurück. Auch ein „Klima der Angst“, wie berichtet wurde, gebe es nicht,
       betonte Große. Athleten selbst waren nicht vor Ort.
       
       Sowenig Matthias Große die finanzielle Notlage des Verbandes, wie sie die
       ARD dargestellt hatte, eingestehen wollte, so sehr wies er auf absehbare
       Notlagen in der Zukunft hin. Der Schaden, der durch die Ausstrahlung des
       ARD-Berichts entstanden sei, veranschlagte er im siebenstelligen Bereich.
       Die Botschaft war klar: Es gibt keine internen Probleme, sondern
       ausschließlich externe.
       
       Der Präsident der DESG kündigte an, in den juristischen Kampf zu ziehen.
       Der Prozess werde „genauso lange dauern wie die Causa Pechstein. Und ich
       verspreche Ihnen, der geht genauso aus wie die Causa Pechstein.“ (mit Hilfe
       von dpa)
       
       26 Feb 2026
       
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