# taz.de -- Eisschnelllaufchef versus Pressefreiheit: Der unwählbare Präsident
       
       > Eisschnelllaufchef Matthias Große zeigt, wie autonom und schwach der
       > deutsche Sport ist. Einer Fehde mit Journalisten ordnet er alles unter.
       
 (IMG) Bild: Mit Furor und einer Power-Point-Präsentation hat sich Matthias Große gegen die Berichterstattung der ARD gewehrt
       
       Nehmen wir einmal an, [1][die Recherche der ARD] über die miserablen
       Zustände im deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack wäre frei erfunden,
       ebenso wie das beschriebene Klima der Angst. [2][All das würde jeglicher
       Grundlage entbehren] und wäre Ergebnis dilettantischer journalistischer
       Arbeit, die sich nur aus Böswilligkeit nährte.
       
       Müsste es für den Präsidenten dieses Sportverbandes nicht ein Leichtes und
       ein Genuss sein, die dafür Verantwortlichen in vorderster Reihe zu
       platzieren, um ihr miserables Werk vor den Augen der Kolleginnen und
       Kollegen mit Präzision und Besonnenheit zu zerpflücken?
       
       Getragen am besten von unbefangen auftretenden Sportlerinnen und Sportlern
       aus den unterschiedlichen Bundesstützpunkten, die glaubhaft bezeugen
       könnten, seit Amtsantritt [3][von Matthias Große] im Jahr 2020 nie
       finanziell geschröpft und stets wie mündige Menschen behandelt worden zu
       sein.
       
       Nun, Kufensportler waren am Donnerstag nicht anwesend. Und Große, der einst
       eine Militärlaufbahn in der DDR anstrebte, wollte lieber laut werden, um zu
       zeigen, dass er recht hat. So laut, dass sein inhaltlicher Vortrag bei den
       Medienvertretern vor Ort kaum haften blieb. Sie schrieben und redeten
       beeindruckt darüber, mit welchem Furor er über die ARD-Journalisten Hajo
       Seppelt und Jörg Mebus herzog, wegen deren Bericht alle zusammengekommen
       waren. Nur Seppelt und Mebus nicht, denen hatte Große ein Hausverbot
       erteilt.
       
       ## Wie ein Mini-Trump
       
       [4][Eine Schimpfkanonade ließ er über die Ausgeschlossenen los.]
       Ohrenzeugen berichten von Wörtern wie Lügner, Hassspiele, Schmutzkampagne
       und Denunziation. Und der wohlhabende Immobilienmann kündigte an, sein
       Vermögen und alles, was er habe, dafür einzusetzen, um nicht mehr so in
       Verruf gebracht zu werden. Dass der Verbandspräsident, der sein Sportreich
       mit Steuergeldern des Bundes regiert, sich bei seinem Feldzug notfalls
       selbst über das Grundgesetz stellt, das freie Berichterstattung garantiert,
       machte er bereits am Donnerstag deutlich. Er gebärdete sich wie ein
       Mini-Trump. Sollte das auf die eine oder den anderen einschüchternd wirken,
       ist das vermutlich nicht unerwünscht.
       
       Der Demokratie-Nachhilfeunterricht und die Rügen, die er von
       Journalistenverbänden und dem Deutschen Olympischen Sportbund erhielt,
       werden ihn kaum zähmen. Im Kampf gegen die Dopinganschuldigungen, der sich
       seine Lebensgefährtin Claudia Pechstein ausgesetzt sah, hat sich Große
       selbst in Bundestagsbüros einen Namen als entfesselter Einschüchterer
       gemacht.
       
       Nach seiner Wahl zum Sportsverbandschef erklärte er 2020: „Jetzt bin ich
       vom Unwählbaren zum klaren Präsidenten geworden.“ Mit seinem beispiellosen
       Auftritt von Donnerstag hat sich Matthias Große wieder zum „Unwählbaren“
       gemacht. Verloren hat an diesem Tag, an dem Große alles seiner Fehde mit
       zwei Journalisten unterordnete, der deutsche Sport. Viel zu leicht kann er
       in Hände von Despoten geraten.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Johannes Kopp
       
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