# taz.de -- Krise im deutschen Eisschnelllauf: „Untragbare Zustände für Spitzensportler“
       
       > Der Präsident des Eisschnelllaufverbands, Matthias Große, steht wegen
       > seines Finanzgebarens in der Kritik. Das geht zu Lasten der Sportler bei
       > Olympia.
       
 (IMG) Bild: Matthias Große inszeniert sich gern als Machertyp
       
       Die Zukunft des deutschen Eisschnelllaufs wird am Donnerstag in der Arena
       in Mailand an den Start gehen. Der erst 18-jährige Finn Sonnekalb ist
       erstmals bei Olympia dabei. Und wenn er in seiner Spezialdisziplin über
       1.500 Meter antritt, lasten auf ihm die Hoffnungen eines ganzen Verbandes.
       Jener hinterlässt wiederum in diesen Tagen einen völlig desolaten Eindruck.
       [1][Die jüngste Recherche der ARD] wirft kein gutes Licht auf die Deutsche
       Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) und insbesondere nicht
       auf deren [2][Präsidenten Matthias Große], der seit 2020 im Amt ist.
       
       Athletinnen und Athleten wurden wegen einer offensichtlich prekären
       Finanzlage „Teilnahmegebühren“ für Weltcupreisen bis zu 2.000 Euro
       abgeknöpft, Haushaltspläne zurückgehalten, Jahresabschlüsse von 2023 und
       2024 immer noch nicht nachgereicht, Prämien mit großer Verzögerung
       ausgezahlt.
       
       Spektakulär war dann auch die vom Präsidium abgebrochene
       Mitgliederversammlung der DESG am 18. Mai 2025, weil die Delegierten dem
       Präsidenten bei der Genehmigung eines Jahresabschlusses nicht folgen
       wollten. Große Wellen haben aber die Vorgänge in einem der kleinsten
       deutschen olympischen Sportverbände nicht geschlagen.
       
       Deshalb, sagt Jens Wallussek, Obmann beim Sächsischen Eissportverband für
       Eisschnelllauf und Short Track, sei er überrascht und erfreut gewesen, dass
       die ARD-Recherche zur besten Olympiazeit sich diesem Thema gewidmet habe.
       Die Verhältnisse bei der DESG seien in dem Beitrag gut erklärt gewesen.
       Wallussek spricht von „untragbaren Zuständen für Spitzensportler“ im
       Verband. Seine Hoffnung ist, dass nun auch der Deutsche Olympische
       Sportbund (DOSB) das alles „auf dem Schirm hat“.
       
       [3][Auf der Homepage der DESG] wird Wallussek noch als 2. Rechnungsprüfer
       geführt. Doch diese Angabe stimmt schon seit August 2025 nicht mehr.
       Aktuell ist der Online-Auftritt des Verbands wahrlich nicht. Und leicht hat
       ihm die Verbandsführung seine Aufgabe nicht gemacht.
       
       ## Gekommen, um Pechstein zu helfen
       
       Große habe in einer für den Verband schwierigen Lage 2020 Verantwortung
       übernommen, räumt Wallussek ein. Die derzeitige finanzielle Schräglage
       schätzt er indes als gravierender ein als jene zu seinem Amtsantritt. Und
       er bilanziert: „Matthias Große hat die DESG übernommen, [4][um Claudia
       Pechstein zu helfen.] Dem Verband hat er damit aber geschadet.“ Die
       erfolgreichste deutsche Wintersportlerin Pechstein ist die Lebensgefährtin
       von Matthias Große und war damals in einen jahrelangen Rechtsstreit mit dem
       Weltverband verstrickt, im sogenannten Dopingprozess. Die DESG habe
       Pechstein dabei auch finanziell unterstützt, sagt Wallussek.
       
       Zugutehalten muss man dem Immobilienunternehmer Große, dass er der DESG
       quasi als Einstiegsgeschenk ein Bauunternehmen als Sponsor bescherte. Aber
       der ehemalige Rechnungsprüfer Wallussek sagt: „Ich weiß nicht, wie viel
       Geld da reingeflossen ist.“
       
       Die unklare Finanzlage der DESG durchzieht die gesamte Ära Große. Als sie
       ihm bei der abgebrochenen Mitgliederversammlung vergangenen Mai beinahe zum
       Verhängnis wurde, setzte er nach ARD-Recherche Verbandsmitglieder unter
       Druck und wurde auf der darauffolgenden außerordentlichen
       Mitgliederversammlung erneut zum Präsidenten gewählt. Doch was für
       Druckmittel hat er in der Hand?
       
       Wallussek sagt, allen sei bekannt, dass Große ein vermögender Mann sei.
       Wegen einiger öffentlicher Äußerungen habe es Klageandrohungen von Großes
       Anwälten gegeben. Als Ehrenamtler ziehe man dann eher zurück und suche nach
       anderen Wegen.
       
       Vor den Olympischen Winterspielen wäre es zudem höchst ungünstig gewesen,
       die Führung zu wechseln. Das größte Problem sei jedoch die intransparente
       Finanzlage. Wallussek stellt die rhetorische Frage, wer sich schon in
       unklare Verhältnisse reinwählen lasse. Keiner würde ja wissen, was ihn
       erwarte.
       
       Andererseits stellt sich die Frage, was Matthias Große im Amt hält, was ihn
       mit der DESG noch verbindet. Bei den Olympischen Winterspielen sei er nicht
       vor Ort, teilte der Verband auf Nachfrage der taz mit. Der sportliche
       Höhepunkt seiner Athletinnen und Athleten scheint Große nicht zu locken.
       Der Fall Pechstein ist juristisch längst geklärt.
       
       Der sächsische Sportfunktionär weiß, dass man im Bundesinnenministerium
       sehr unglücklich über die Lage bei der DESG sei. Öffentlich würde das
       niemand sagen, aber die Präsidenten der Landesverbände hätten ihre direkten
       Kontakte ins Ministerium.
       
       Sein Landesverband, in dessen Zuständigkeitsbereich der Profisport
       eigentlich nicht fällt, ist vor den Winterspielen wegen der paralysierten
       DESG eigeninitiativ geworden. Für die drei Olympiateilnehmerinnen Josie
       Hofmann, Josephine Schlörb und Lea Sophie Scholz hat man die Kosten des
       Sommertrainingslagers in Inzell übernommen. Ein Förderantrag machte es
       mithilfe des Landessportbunds und der Landespolitik möglich.
       
       Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde verändert, weil die Anwälte der
       DESG, vertreten durch den Präsidenten Matthias Große, der taz eine
       eidesstattliche Erklärung von Jens Wallussek zugesandt haben. Zweimal sieht
       sich Wallussek von der taz falsch zitiert. Er will das nicht mehr gesagt
       haben. Die Aussagen von Wallussek in indirekter Rede entsprechen den
       Eintragungen des Autors in seinem Aufschrieb. Zudem will Wallussek nicht,
       wie es im Text steht, behauptet haben, dass er seine Tätigkeit als 2.
       Rechnungsprüfer schon im Jahr 2022 beendet hat. Vielmehr sei er erst mit
       dem offiziellen Ende seiner Amtszeit im August 2025 nicht mehr in dieser
       Funktion tätig gewesen. Auch das haben wir angepasst. 
       
       Richtigstellung: In einer früheren Version haben wir außerdem berichtet,
       dass Große im Alleingang die Mitgliederversammlung des DESG am 18.5.2025
       abbrach. Das stimmt nicht. Die Versammlung wurde unterbrochen, das
       Präsidium, bestehend aus Matthias Große, Dr. Clarissa Forster und Gert
       Oestreich, hat den Abbruch entschieden und Große als Präsident den Abbruch
       verkündet. 
       
       Anmerkung der Redaktion: Wir mussten zwei Sätze aufgrund einer Entscheidung
       des LG HH entfernen. Wir werden den Streit darum aber fortsetzen. Dabei
       geht es um die Frage, ob wir eine Person aus dem Umfeld der DESG zutreffend
       zitiert haben. Die Redaktion
       
       12 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sportschau.de/olympia/desg-bittet-eisschnelllaeufer-zur-kasse,desg-eisschnelllauf-grosse-100.html
 (DIR) [2] /Matthias-Grosse/!t5698002
 (DIR) [3] https://www.desg.de/
 (DIR) [4] /Claudia-Pechstein/!t5023683
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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