# taz.de -- Studie zu schwindendem Weideland: Weltweite Ernährung in Gefahr
       
       > Eine Studie sagt den massiven Verlust von Weideland weltweit voraus.
       > Davon betroffen sind alle Kontinente, besonders aber Afrika.
       
 (IMG) Bild: Auf grüneren Wiesen weiden als hier wird immer schwerer
       
       Sie sind eine Säule der globalen Ernährungssicherheit – und dramatisch
       durch den Klimawandel bedroht: Die Hälfte der weltweiten Weideflächen
       könnten verschwinden, [1][so eine Studie aus dem Fachjournal Proceeding of
       the National Academy of Science of the United States of America (PNAS)].
       Von dem Grasland hinge das Auskommen und die Ernährung Hunderter Millionen
       von Menschen ab. Aber Weideflächen reagierten empfindlich auf klimatische
       Veränderungen, so die StudienautorInnen.
       
       Die AutorInnen haben für ihre Studie, an der das Potsdam-Institut für
       Klimafolgenforschung (PIK) federführend beteiligt war, untersucht, wie
       klimatische Veränderungen Weideflächen beeinflussen. Dafür haben sie einen
       sogenannten sicheren Klimaraum definiert, unter dem geeignetes Grasland
       fortbestehen kann. Sie maßen die Temperatur, Niederschlagsmengen,
       Luftfeuchtigkeit und Windstärke.
       
       Das Ergebnis: Die menschengemachte Erderwärmung verändert die Bedingungen
       so drastisch, [2][dass geeignete Graslandschaften bis zum Jahr 2100 im
       kontinentalen Ausmaß schrumpfen könnten]. „Wir können den Rückgang über den
       ganzen Kontinent für Afrika, Ozeanien, Südamerika und weitere Regionen
       vorhersagen“, sagte Erstautorin Chaohui Li der taz.
       
       Das Team prognostiziert, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der
       weltweiten Weideflächen wegen der Klimakrise verloren gehen könnte. Mit
       dramatischen Auswirkungen: Weit über einhundert Millionen Menschen, die
       ihre Existenz als HirtInnen sichern, wären betroffen. Das Ausmaß für den
       Viehbestand sei noch einmal weitaus höher: Zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden
       Tiere, Rinder, Schafe, Ziegen, verlören Weiden, von denen sie sich
       ernähren.
       
       ## Ein Pfeiler der globalen Ernährungssicherheit
       
       „Weideflächen und damit zusammenhängende Tierproduktion sind [3][ein
       strategischer Pfeiler der globalen Ernährungssicherheit] und spielen eine
       zentrale Rolle“, sagt Daniel Müller, der zu Landnutzung am Leibniz-Institut
       für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) forscht.
       Weideflächen ermöglichten die Nahrungsproduktion an Standorten, die für den
       Ackerbau ungeeignet seien. Der Forscher sagt, die Studie sei innovativ und
       sorgfältig erarbeitet. Allerdings seien Vorhersagen, insbesondere bis 2100,
       mit großen Unsicherheiten behaftet.
       
       Die AutorInnen betonen, dass vor allem Menschen betroffen seien, deren
       Ernährung schon heute unsicher ist. Der afrikanische Kontinent verliere der
       Studie zufolge besonders viel Weidefläche. Die Ergebnisse zeigten, wie die
       Klimakrise bestehende Ungleichheiten verstärke, indem sie die größte
       Nahrungsmittelproduktion der Welt destabilisiere, an der die Existenz
       vieler lokaler Gemeinschaften hänge.
       
       ## Die Eindämmung der Klimakrise ist zentral
       
       „Die Ergebnisse stellen infrage, ob lokale ViehhalterInnen weiterhin in der
       Lage sein werden, auf herkömmliche Weise auf die Veränderung ihrer Umwelt
       zu reagieren“, sagt Chaohui Li. Auch lokale Maßnahmen wie klimagerechte
       Wiederherstellung von Grasland, dürreresistentes Tierfutter und andere
       Einkommensquellen würden den Verlust kontinentalen Ausmaßes nicht eindämmen
       können.
       
       Entscheidend wird sein, wie konsequent die Weltgemeinschaft die Klimakrise
       bekämpfen wird. Im günstigsten Szenario könnte das ergiebige Weideland in
       Afrika um 16 Prozent schwinden. Sollte die Weltgemeinschaft weiter
       zunehmend Treibhausgase ausstoßen, könnte der afrikanische Kontinent bis zu
       65 Prozent seiner Grasflächen für die Viehhaltung verlieren. Der Studie
       zufolge herrschten heute schon in vielen Regionen Temperaturen, die die
       Weidehaltung an ihre klimatischen Grenzen bringe.
       
       10 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.pnas.org/doi/abs/10.1073/pnas.2534015123
 (DIR) [2] /UN-Bericht-zur-Finanzierung-von-Natur/!6147757
 (DIR) [3] /Faktencheck-zu-Pestiziden/!6151702
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Viehzucht
 (DIR) Globaler Süden
 (DIR) Unterernährung
 (DIR) Ernährung
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Entwicklungspolitik
 (DIR) Ungleichheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Waldbrände in Argentinien und Chile: Klimawandel hat tödliche Feuer wahrscheinlicher gemacht
       
       Viel zu wenig Regen gab es in den betroffenen Regionen, und zwar begünstigt
       durch den Klimawandel. Das haben Forscher:innen nachgewiesen.
       
 (DIR) Entwurf durchgesickert: Bundesregierung schreibt schwaches Klimaschutzprogramm
       
       Bis März muss die Bundesregierung ein Klimaschutzprogramm vorlegen. Ein
       geleakter Entwurf zeigt: Den Klimazielen kommt sie damit wahrscheinlich gar
       nicht näher.
       
 (DIR) Deutsche Entwicklungspolitik: Nur noch im beidseitigen Interesse
       
       Ökonomen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft schlagen vor,
       Entwicklungspolitik systematischer an Reformbereitschaft und Interessen zu
       orientieren.
       
 (DIR) Oxfam über Klima-Ungerechtigkeit: Die Reichsten haben CO2-Budget für 2026 schon verschleudert
       
       Zehn Tage hat es gedauert, bis das reichste Prozent der Menschen ökologisch
       auf Kosten aller anderen lebt. Die Politik könnte dagegen vorgehen.