# taz.de -- Oxfam über Klima-Ungerechtigkeit: Die Reichsten haben CO2-Budget für 2026 schon verschleudert
> Zehn Tage hat es gedauert, bis das reichste Prozent der Menschen
> ökologisch auf Kosten aller anderen lebt. Die Politik könnte dagegen
> vorgehen.
(IMG) Bild: Luxusyachten im Hafen von Monaco: Reiche leben voll auf Kosten des Klimas
Die Welt ist ein Kuchen. Alle bekommen ein Stück. Manche schaufeln sich
größere Stücke auf. Andere futtern ihres gleich auf, bedienen sich dann bei
ihren SitznachbarInnen und plündern auch gleich noch die Backstube mit den
Kuchen für später. So ließe sich eine neue Berechnung der
Nichtregierungsorganisation Oxfam herunterbrechen.
Demzufolge wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung bereits am 10.
Januar alle Treibhausgase ausgestoßen haben, die ihm für das gesamte Jahr
2026 zusteht – also die Menge CO2, die pro Kopf jährlich emittiert werden
darf, um die Erderwärmung im langfristigen Durchschnitt auf maximal 1,5
Grad zu begrenzen.
Oxfam setzt ein persönliches CO2-Budget von 2,1 Tonnen CO2 pro Jahr an, das
mit dem 1,5-Grad-Ziel verträglich sei. Das basiert auf [1][Angaben des
UN-Umweltprogramms] dazu, wie hoch der weltweite CO2-Ausstoß pro Jahr für
das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels insgesamt sein dürfte. Oxfam beruft sich
außerdem auf Daten des Stockholm Environment Institut, nach denen 2023 das
reichste Prozent der Weltbevölkerung pro Kopf 75,1 Tonnen CO2 emittiert
hat. Auf den Tag heruntergerechnet sind das 0,206 Tonnen CO2. Die 2,1
Tonnen, die für ein Jahr als angemessen angenommen werden, sind also schon
nach 10,2 Tagen erreicht – also im Laufe des 10. Januars.
In der Folge bedeutet das: Alle weiteren Klimaemissionen, die das reichste
Prozent der Welt von nun an ausstößt, gehen auf Kosten der restlichen
Weltbevölkerung und der Zukunft. Oxfam schreibt in einer Pressemitteilung:
„Allein durch Superyachten und Privatjets erzeugt ein:e superreiche:r
Europäer:in in rund einer Woche so viel Treibhausgase wie ein Mensch aus
dem ärmsten Prozent der Weltbevölkerung in seinem gesamten Leben.“ Neben
den Emissionen ihres Lebensstils verursachten viele Geschäftszweige hohe
Emissionen, in die Reiche ihre Vermögen investierten.
## Wissenschaftler: „Politische Beißhemmungen“ bei Reichen
Zum Vergleich: Auch die durchnittsdeutsche Person emittiert mit
[2][ungefähr 10 jährlichen Tonnen CO2-Äquivalent] deutlich mehr, als ihr
nach der Oxfam-Rechnung zustehen würde.
Ungerecht an der Emissionsungleichheit sei, dass die Ärmsten am stärksten
den Folgen der Klimakrise ausgesetzt seien, sagt Philipp Lepenies, der das
Forschungszentrum Nachhaltigkeit an der Freien Universität Berlin leitet.
Dagegen könnten sich die Vermögendsten, die am meisten zur Erderwärmung
beitrügen, auch am besten vor ihr schützen.
„Die Frage ist, ob wir als Gesellschaft thematisieren, dass die Vermögenden
mehr Umwelt zerstören als die anderen. Das machen wir halt nicht“, so der
Politikwissenschaftler. [3][Die Debatte um die Erbschaftssteuer zeige, es
gebe „politische Beißhemmungen“, Reiche zur Verantwortung zu ziehen].
„Dahinter steckt ein Narrativ, dass diejenigen, die viel haben, für alle
anderen sehr nützlich sind“, sagt Lepenies. „Den Trick hat man sich schon
im Spätmittelalter ausgedacht: Die haben zwar ganz viel Geld, aber andere
Menschen kommen dadurch in Lohn und Brot.“
Oxfam fordert eine Reihe von Maßnahmen, um die globale Ungleichheit in den
Treibhausgasemissionen zu verringern. Regierungen sollten Überreiche in die
Verantwortung nehmen. Die NGO schlägt dafür eine Steuer auf hohen Vermögen
vor sowie globale Abgaben auf Gewinne von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen.
Luxusgüter wie Superyachten und Privatjets sollten zusätzlich besteuert
werden, so Oxfam in einer Pressemitteilung.
„Wir unterscheiden Luxusemissionen von Subsistenzemissionen“, sagt
Theologin und Ethikerin Kerstin Schlögl-Flierl, Mitglied des Deutschen
Ethikrats. „Die Frage ist eigentlich, was ist denn genug? Was macht mein
Leben glücklich?“ Für den Familienbesuch in ein anderes Land zu fliegen
habe etwa eine andere Qualität als der Urlaubsflug im Jahr. Eine
Faustregel, mit der das reichste Prozent kommendes Jahr vielleicht
genügsamer mit dem Rest des Kuchens umgeht.
9 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2024
(DIR) [2] https://www.bundesumweltministerium.de/media/kohlenstoffdioxid-fussabdruck-pro-kopf-in-deutschland
(DIR) [3] /Linke-will-Erbschaftsteuer-diskutieren/!6138912
## AUTOREN
(DIR) Tim Feldmann
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