# taz.de -- Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: Wie die AfD im Nordosten gewinnen will
       
       > Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September versucht die
       > AfD mit moderat auftretenden Kandidaten ihre Chancen zu verbessern.
       
 (IMG) Bild: Fehlende Absprachen: Fraktionschef Kramer sowie die beiden Landesvorsitzenden Holm und Schult beim Landesparteitag der AfD (v. l.)
       
       Mit einem bemüht moderat auftretenden Kandidaten für das Amt des
       Ministerpräsidenten versucht die AfD bei der Landtagswahl in
       Mecklenburg-Vorpommern ihre Chancen zu verbessern. Ihr Kandidat, Leif-Erik
       Holm, steht nicht auf der Landesliste, ist aber Bundestagsabgeordneter der
       AfD und Co-Landesvorsitzender. Nach dem selben Muster verfährt auch der
       AfD-Landesverband Baden-Württemberg, wo Markus Frohnmaier ebenfalls nicht
       über die Landesliste antritt.
       
       Zumindest [1][im Nord-Osten stehen die Chancen der AfD gar nicht so
       schlecht]. Seit Monaten liegt der Landesverband bei Umfragen über 30
       Prozent – deutlich vor der SPD mit 25 Prozent, der CDU mit zwölf und der
       Linken mit ebenfalls zwölf Prozent. Für die Landtagswahl am 20. September
       gab der Landesvorsitzende Enrico Schult das Wahlziel 40 Prozent vor. „Die
       [2][Zeit der SPD ist abgelaufen, das Zeitalter der AfD ist angebrochen]“,
       verkündete er auf einem Parteitag im Januar hoffnungsfroh.
       
       Bei der Bundestagswahl 2025 fand die AfD gerade auch bei der Arbeiterschaft
       Zuspruch: 38 Prozent Zuspruch – 17 Prozent mehr als 2021. „Das Rot der
       Arbeitnehmer ist jetzt blau“, plakatierte die AfD schon vor der Wahl.
       Bewahrheiten sich die Umfragen, könnte die Partei ihren Stimmenanteil bei
       der diesjährigen Wahl mehr als verdoppeln. 2021 erreichte die AfD 16,7
       Prozent.
       
       Im Schweriner Landtag ist die AfD seit 2016 vertreten. Mit ihrem Wahlerfolg
       löste sie die NPD ab, die seit 2006 im Landtag gesessesn hatte und die
       heute als Die Heimat auftritt. Die AfD profitiert bis heute sowohl von dem
       vorpolitischen Auftreten als auch von der parlamentarischen Arbeit des
       Heimat-Milieus. Dieses liefert Rechtsextremen eine stabile
       Wähler:innenbasis. Interne Konflikte persönliche Machtkämpfe schaden der
       AfD bei der Wähler:innenschaft kaum – bis gar nicht.
       
       ## Krach im Landesverband
       
       In den vergangenen Wochen hatte der Vorsitzende der Landtagsfraktion,
       Nikolaus Kramer mit seinen Vize, dem Co-Landesvorsitzenden Schult, um Platz
       eins auf der Landesliste gestritten. Schult hatte schon im Sommer
       vergangenen Jahres seinen Anspruch erhoben, Kramer im Dezember.
       Parteifreunde sind beide wohl schon lange nicht mehr.
       
       Auf dem Landesparteitag im Januar setzte sich Schult aber mit 164 von 249
       Delegierten gegenüber 82 Delegierten durch. Die Kandidatur hatte nicht mehr
       bei einem Vier-Augen-Gespräch abgestimmt werden können, wie Schult wohl
       gehofft hatte.
       
       Der Krach dürfte den Absprachen von [3][Holm, dem Kandidaten fürs Amt des
       Ministerpräsidenten], und seinem Co-Landeschef Schult über ihre Rollen im
       Wahlkampf geschuldet sein. Fraktionschef Kramer soll nicht beteiligt
       gewesen sein. Der 49-jährige ehemalige Polizeibeamte könnte zu radikal
       aufgetreten sein.
       
       In Kramers-Podcast mit dem Titel „Außerparlamentarischer Widerstand – Quo
       Vadis IB (Identitäre Bewegung, d. Red.) und Regime Change von rechts“
       spricht der rechtsextreme Vordenker Martin Sellner von einer
       „Demokratie-Simulation“, die es zu überwinden gelte und betont, dass der
       „Bevölkerungsaustausch“ aufgehalten werden müsse. Kramer, der angibt,
       Sellner schon länger zu kennen, widerspricht nicht.
       
       Vor kurzem legten die Vorsitzenden der ostdeutschen AfD-Landtagsfraktionen
       eine „Schweriner Erklärung“ vor. Sie bekennen sich zu Volk, Nation und
       Heimat und wollen Medien, Justiz und Verfassungsschutz neu ausrichten. Mit
       Björn Höcke ließ sich Kramer öffentlichkeitswirksam fotografieren.
       
       Landeschef Schult tritt bewusst moderater auf. Der 46-Jährige ist aber
       nicht minder radikal. Auf dem Parteitag bezeichneter der gelernte
       Vermessungstechniker den Bundeskanzler als „Pinocchio-Kanzler“, beschrieb
       die Landes-CDU als „Kleinstpartei“ und als kommenden „Schwanz am Hund der
       SPD“. Er versprach: „Wir werden sie einstellig machen“. Die Wählenden
       bräuchten „[4][keine Angst“ vor einer AfD-Alleinregierung] zu haben.
       
       9 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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