# taz.de -- Gespräche im Oman: Was zwischen USA und Iran auf dem Spiel steht
> Kürzlich noch forderte US-Präsident Trump einen Machtwechsel im Iran, nun
> gibt es Verhandlungen. Wie es zur Kehrtwende kam und worum es jetzt geht.
(IMG) Bild: Hat seine Ziele in Iran bislang nicht klar benannt: US-Präsident Donald Trump
dpa | Nach intensiver Vermittlung regionaler Staaten wollen sich Vertreter
aus den USA und dem Iran heute zu neuen [1][Verhandlungen im Golfstaat
Oman] treffen. Beide Seiten gehen jedoch mit deutlich unterschiedlichen
Positionen in [2][die Gespräche] in der Hauptstadt Maskat, die vor dem
Hintergrund von Sorgen vor einem neuen Krieg stehen. Antworten auf zentrale
Fragen:
## Warum verhandeln die beiden Seiten plötzlich?
Die neue Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran hat viele
Experten und auch [3][Menschen im Iran] zunächst überrascht. Während des
Höhepunkts der iranischen Proteste gegen die autoritäre Staatsführung
[4][hatte US-Präsident Donald Trump den Demonstranten signalisiert]: Ich
stehe an eurer Seite. Mitte vergangenen Monats sprach sich Trump zudem für
einen Machtwechsel im Iran aus und begann, das amerikanische Militär in der
Region aufzustocken.
Plötzlich signalisierte Trump jedoch seine Bereitschaft für Verhandlungen.
Ein Grund dafür dürfte die Krisendiplomatie regionaler Staaten wie
Saudi-Arabien, Katar und der Türkei sein, die ein pragmatisches Verhältnis
zu Teheran pflegen und eine militärische Eskalation mit gravierenden
Auswirkungen auf ihre Länder fürchten.
## Welche Interessen verfolgt Trump?
Der US-Präsident hat seine Ziele im Iran bislang nicht klar benannt. Die
massive militärische Verstärkung signalisiert einerseits, dass sich die USA
wohl ernsthaft für einen Konflikt mit Teheran rüsten. Gepaart mit
wiederholten Äußerungen zu einem möglichen militärischen Eingreifen seines
Landes baute Trump dadurch auch eine Drohkulisse auf.
Von der ist er bis heute nicht abgerückt – auch wenn er inzwischen davon
spricht, dass der Iran einen Deal wolle. Seine Botschaft an Teheran lautet
nun: Ein Deal ist eure Chance. Schlagt ihr sie aus, riskiert ihr, dass wir
euch angreifen. Mithilfe der militärischen Drohkulisse erhöht Trump dabei
den Druck auf den Iran, sich seinen Forderungen zu beugen. Er verlangt
unter anderem, die Reichweite von ballistischen Raketen zu begrenzen und
vollständig auf eine heimische Urananreicherung zu verzichten.
In seiner Verhandlungsposition sieht sich Trump auch durch den US-Angriff
auf Venezuela gestärkt, der zur Gefangennahme des autoritären Staatschefs
Nicolás Maduro führte. Tenor seiner Botschaft Richtung Iran: In Venezuela
habt ihr gesehen, wozu wir in der Lage sind.
## Worum geht es bei den Gesprächen?
Im Fokus der Gespräche steht das umstrittene iranische Atomprogramm. Trump
und der Westen wollen verhindern, dass die Islamische Republik an
Atomwaffen gelangt. Während Teheran beteuert, sein Nuklearprogramm nur
zivil zu nutzen, ist die Staatsführung zu Kompromissen bei der
Einschränkung bereit.
Teheran hat jedoch nach außen gleich mehrere rote Linien definiert. Die
Industrie zur Urananreicherung wolle man nicht vollständig aufgeben, nicht
verhandelbar seien außerdem Fragen zum Raketenprogramm. Die
Vermittlerstaaten dürften vor allem ihren Einfluss nutzen, um einen großen
regionalen Krieg abzuwenden.
## Was will Irans Staatsführung erreichen?
Die iranische Regierung hatte bereits bei den letzten Verhandlungen mit den
USA als Ziel formuliert, eine Aufhebung der harten Wirtschaftssanktionen
anzustreben. Die Strafmaßnahmen haben das Land vom internationalen
Finanzmarkt weitgehend abgeschottet und Investoren abgeschreckt. Sie gelten
als wichtiger Grund für die katastrophale Wirtschaftslage, die die
Mittelschicht ausgehöhlt und Teile der Bevölkerung an den Rand der Armut
gedrängt hat.
Dieses Mal dürfte es jedoch um deutlich mehr gehen. „Es ist Zeit, nach
einer neuen Führung im Iran zu suchen“, sagte Trump Mitte Januar dem
Nachrichtenportal „Politico“. Seit Wochen prägen im Iran Kriegssorgen die
Schlagzeilen. Nach außen demonstrieren Regierung und Militär zwar
Geschlossenheit und Bereitschaft zur militärischen Eskalation. Hinter den
Kulissen dürfte die Staatsführung jedoch um ihre Existenz fürchten.
## Wie ordnen Fachleute die Verhandlungen ein?
Der Nahost-Experte Daniel Gerlach sagte vor ein paar Tagen in der
ARD-Sendung „Caren Miosga“, er gehe davon aus, dass der Iran versuchen
werde, das Atomprogramm in den Vordergrund zu stellen. Zwar behaupte der
Iran, es gebe nur ein ziviles Atomprogramm und kein militärisches, das sei
aber eine Verhandlungstaktik. Der Iran denke, er könne die Oberhand
gewinnen, indem er Trump in einen Verhandlungsmarathon ziehe. Dadurch
gewinne man Zeit.
Es gebe dabei vonseiten der USA einen Zielkonflikt. Man wolle die
militärischen Kapazitäten des Iran einschränken und das Atomprogramm
stoppen sowie den Menschen im Iran helfen und einen Machtwechsel
herbeiführen. „Wenn man auf der einen Seite mit dem Regime Verhandlungen
eingeht, kann man nicht sagen, man wolle es ja eigentlich stürzen“, sagte
Gerlach. Auch die Staaten in der Region wie Katar, Saudi-Arabien und die
Türkei spielten eine große Rolle. Diese hätten zwar ein Interesse an einer
militärischen Schwächung Irans, wollten aber die Staatsführung nicht
stürzen.
Ein iranischer Professor im Ruhestand glaubt, die Regierung sei anders als
in ihren öffentlichen Äußerungen zu großen Kompromissen bereit. „Ich bin
mir sicher, dass der Iran alle US-Forderungen akzeptieren wird“, sagte der
Insider. Im Gegenzug könne die Staatsführung seiner Einschätzung nach die
Freigabe eingefrorener Konten mit mehreren Milliarden Dollar im Golfstaat
Katar verlangen.
## Was denken Menschen im Iran über Verhandlungen mit den USA?
Inzwischen sind die Massenproteste von Anfang Januar zwar verstummt, doch
das Trauma des brutalen staatlichen Vorgehens gegen die Demonstrationen
sitzt noch tief. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA hat
nach eigenen Angaben den Tod von mindestens 6.400 Demonstranten
verifiziert.
Trump, der den Demonstranten auf dem Höhepunkt der Aufstände seine
Unterstützung zugesagt hatte, stößt mit seiner Bereitschaft zu
Verhandlungen im Iran auch auf Ablehnung. „Das Blut der jungen Menschen,
das vergossen wurde, darf nicht mit Füßen getreten werden“, sagt etwa
Fatemeh (24), eine junge Buchhalterin aus der Hauptstadt Teheran. Sie sei
gegen Verhandlungen. In ihrer Wut auf die Antwort des Staatsapparats auf
die Proteste gibt ihr nur der Gedanke auf Zerstörung Hoffnung.
Moslem (36), Lehrer, bezweifelt ein schnelles Ergebnis. Insgeheim hofft
auch er auf eine Eskalation. „Natürlich besteht nach dem Scheitern der
Verhandlungen noch Hoffnung auf den Beginn eines Krieges“, sagt er mit
Blick auf mögliche Attacken gegen Irans Staatsführung. Madschid (45),
Leiter eines Transportunternehmens, sagt: „Die Regierung gibt aus Angst vor
Krieg und Zerstörung alles her, um zu überleben.“
Mohammed (29), Angestellter und Anhänger der Regierung, begrüßt die neuen
Verhandlungen hingegen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es kaum ein Land
gibt, das ohne internationale Interaktion wirtschaftliches Wachstum
erreichen konnte“, sagt er. Deshalb sei er für ein Abkommen mit den USA,
„aber nicht dafür, dass wir nur Zugeständnisse machen“.
6 Feb 2026
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