# taz.de -- World Report von Human Rights Watch: Menschenrechte unter Druck
> Human Rights Watch dokumentiert einen internationalen Angriff auf
> Menschenrechte. Auch in Deutschland – insbesondere seit der
> Bundestagswahl.
(IMG) Bild: Auch überharte Polizeieinsätze gegen Pro-Palästina Demonstrant:innen verletzen in Deutschland die Menschenrechte
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt in ihrem [1][neuen
World Report] vor globalen Angriffen auf die regelbasierte internationale
Ordnung. Für die 36. Ausgabe des Berichts, die am Mittwoch veröffentlicht
wird, analysierte die Organisation die Menschenrechtslage in mehr als 100
Ländern. „Es geht um eine konzertierte Angriffsaktion auf Menschenrechte“,
sagte Phillip Frisch, Deutschlanddirektor von Human Rights Watch, bei der
Vorstellung des Berichts am Dienstag in Berlin.
Verantwortlich seien insbesondere die Politik der Trump-Regierung sowie
autoritäre Mächte wie China und Russland. Die Organisation forderte
menschenrechtsorientierte Demokratien auf, eine Allianz zu bilden, um die
regelbasierte internationale Ordnung zu verteidigen. Auch Deutschland solle
sich einem solchen Bündnis anschließen, sagte Frisch. Menschenrechte, wie
das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Verbot von Folter oder das Recht
auf Leben, schützten vor staatlicher Willkür und seien Grundlage für
friedliche Zusammenarbeit.
Frisch kritisierte auch die Regierungserklärung der vergangenen Woche von
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Merz hatte gefordert, Deutschland müsse
die [2][„Sprache der Macht lernen“]. Sicherheitspolitisch sei Deutschland
jedoch „ein Leichtgewicht“, so Frisch, und er empfahl stattdessen auf Soft
Power zu setzen, also auf die Attraktivität eines Lebens in Freiheit und
Würde. Deutschland müsse sich gegen den Diskurs stellen, der Menschenrechte
zunehmend verächtlich mache – besonders sichtbar sei das derzeit in der
Migrationspolitik.
Außenpolitisch kritisierte Frisch die deutsche Haltung zu Israel und
Palästina, Deutschland sei dort seiner Verantwortung nicht gerecht
geworden. Positiv bewertete er dagegen die Politik gegenüber Iran. Auf
europäischer Ebene bemängelte Frisch das abgeschwächte Lieferkettengesetz.
Es sei gefährlich, „Menschenrechte als eine Frage von Bürokratie“
darzustellen.
## Menschenrechte auch für Armutsbetroffene
Der World Report stellt unter anderem fest, dass rechtsextreme Rhetorik und
Gewalt in Deutschland zugenommen hätten – insbesondere gegen Minderheiten
und Migranten und insbesondere seit dem Wahlkampf 2025. Zudem gebe es einen
Zuwachs an Angriffen auf die Zivilgesellschaft. Almaz Teffera, die für
Human Rights Watch zu Rassismus in Europa forscht, nannte als Beispiele die
Anfrage der Unionsfraktion 2025 mit [3][551 Fragen an
zivilgesellschaftliche Organisationen]. Außerdem verwies sie auf die
Repressionen gegen Klimaaktivist:innen sowie Einschränkungen der
Meinungsfreiheit von Menschen, die Solidarität mit Palästina einforderten.
Struktureller Rassismus bleibe zudem Lebensrealität vieler Menschen in
Deutschland, erklärte Teffera. Migrantisierte Menschen würden zunehmend als
Problem dargestellt, etwa durch die Unterscheidung in „gute“ und
„schlechte“ Migrant:innen. Jede fünfte migrantisierte Person erwäge
inzwischen, Deutschland zu verlassen. In der Debatte über das Bürgergeld
würde außerdem „sozialer Schutz zunehmend an Bedingungen geknüpft“,
kritisierte Teffera. Dabei gelten auch für armutsbetroffene Personen
Menschenrechte.
Weltweit beobachtet Human Rights Watch massiv wachsende Angriffe auf die
Rechte von LGBTQ-Personen. Alex Müller, Direktorin des LGBT-Programms von
Human Rights Watch, verwies auf die Entscheidung von Bundestagspräsidentin
Julia Klöckner (CDU), auch anlässlich des [4][Christopher Street Days die
Regenbogenflagge nicht mehr am Reichstagsgebäude zu hissen]. Das Argument,
die Flagge bedrohe die „politische Neutralität“, sei rechtspopulistisch, so
Müller. Die Regierung plant zudem, das 2024 erlassene
[5][Selbstbestimmungsgesetz] zu evaluieren. Dieses ermöglicht es,
Geschlechtseintrag und Vornamen zu verändern. Das Gesetz sei ein
Meilenstein für Transpersonen und sollte nicht angegriffen werden, mahnte
Müller.
4 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hrw.org/world-report/2026
(DIR) [2] /Regierungserklaerung-zur-Aussenpolitik/!6149826
(DIR) [3] /551-Fragen-im-Bundestag/!6072207
(DIR) [4] /Verbot-queerer-Symbole-Kein-Regenbogen-am-Bundestag/!6102264
(DIR) [5] /Aenderung-beim-Selbstbestimmungsgesetz-/!6106418
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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