# taz.de -- Jahrestag der Islamischen Revolution: Irans Präsident entschuldigt sich ein bisschen für das Blutbad
> Zum 47-jährigen Bestehen der Islamischen Republik mobilisiert das Regime
> seine Anhänger. Massud Peseschkian zeigt sich zu einem Atomkompromiss
> bereit.
(IMG) Bild: Kein Fingerzeig auf die Verantwortlichen: Irans Präsident Massud Peseschkian spricht auf der Bühne zum regimetreuen Volk
Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat Bedauern über den Tod von
Demonstranten beim [1][Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die jüngsten
Proteste] geäußert. Er bitte alle um Entschuldigung, die von den Protesten
und deren blutiger Niederschlagung betroffen seien, sagte Peseschkian am
Mittwoch auf der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Islamischen
Revolution von 1979. Zugleich verurteilte er nicht näher bezeichnete
„westliche Propaganda“ im Zusammenhang mit den Demonstrationen.
Peseschkian sagte, er wisse um die große Trauer der Menschen. Auf die
Verantwortung iranischer Sicherheitskräfte für das Blutvergießen ging er
aber nicht direkt ein. „Wir schämen uns vor dem Volk und sind verpflichtet,
allen Betroffenen dieser Vorfälle beizustehen“, sagte der Präsident und
versicherte: „Wir suchen keine Konfrontation mit dem Volk.“
Die Revolutionsfeiern boten einen gespaltenen Blick auf das Leben in Iran.
Präsident Peseschkian bemühte sich um verbindliche Töne. Das
Staatsfernsehen zeigte währenddessen Zehntausende Unterstützer des
theokratischen Systems, die auf Kundgebungen US-Flaggen verbrannten und
„Tod für Amerika“ riefen. Einige kritisierten auch Reza Pahlavi, den im
Exil lebenden Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Er hatte seine Landsleute zu
weiteren Protesten ermuntert. Andere trugen Bilder des Obersten Führers
Ajatollah Ali Chamenei, der in allen Fragen das letzte Wort hat.
## Regimetreue Demonstrationen und Zwischenrufe
In der Hauptstadt Teheran zeigte das Staatsfernsehen Regierungsanhänger auf
den großen Verkehrsachsen in der Stadtmitte. „Millionen Iraner“ nahmen in
mehr als 1.400 Städten und rund 40.000 Dörfern an den Feierlichkeiten teil,
berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Traditionell stellte der
Staat auch militärisches Gerät zur Schau. Unter anderem waren auf den
Straßen mobile Lkw-Abschussrampen mit Attrappen ballistischer Raketen zu
sehen, wie Bilder regierungsnaher Medien zeigten.
Am Vorabend der Revolutionsfeiern waren nach Angaben von Zeugen dagegen
Rufe wie „Tod dem Diktator“ zu hören. Ein Mann beobachtete die Gedenkfeier
traurig vom Bürgersteig in Teheran aus. „In den vergangenen Jahren habe ich
regelmäßig an der Kundgebung teilgenommen“, sagte er und wollte aus Angst
vor Repressalien anonym bleiben. „Aber wie kann ich das jetzt tun, wo der
Asphalt der Straßen im vergangenen Monat [2][mit Blut getränkt] wurde?“
Die Protestwelle hatte Ende Dezember begonnen, nachdem die Landeswährung
Rial gegenüber dem Dollar auf ein Rekordtief gefallen war. Sie breitete
sich auf das ganze Land aus und richtete sich bald auch gegen die
theokratische Verfassung des Landes. Bei der gewaltsamen Niederschlagung
der Demonstrationen [3][töteten Sicherheitskräfte nach Angaben von
Aktivisten Tausende Menschen]. Weitere Zehntausende wurden verhaftet.
## Peseschkian offen für Zugeständnisse
US-Präsident Donald Trump hatte wegen der Gewalt gegen Demonstranten mit
einer Militäraktion gedroht. Später nahm er davon mit der Begründung
Abstand, der Iran habe zugesichert, Hunderte Hinrichtungen zu stoppen.
Dennoch verstärkte Trump die US-Streitkräfte im Nahen Osten weiter,
verbunden mit der Forderung, Iran solle Zugeständnisse bei seinem
Atomprogramm machen. Nach eigenen Worten erwägt er, einen weiteren
Flugzeugträger in die Region zu beordern.
Peseschkian ging auch auf die Atomverhandlungen mit den USA ein und
beteuerte, Iran wolle keine Atombombe bauen. „Wir streben keine Atomwaffen
an […] und sind zu jeder Art von Verifikation bereit“, erklärte er.
„Gleichzeitig engagieren wir uns mit voller Entschlossenheit für einen
Dialog, der auf Frieden und Stabilität in der Region abzielt, gemeinsam mit
unseren Nachbarländern.“ Die Gespräche seien noch nicht zu einem Abschluss
gekommen, weil die „Vereinigten Staaten und Europa durch ihre früheren
Aussagen und Taten“ eine „hohe Mauer des Misstrauens“ geschaffen hätten.
Teheran [4][verhandelt derzeit mit den USA über sein Atomprogramm]. Ob eine
Einigung erzielt werden kann, ist jedoch weiterhin unklar. Gleichzeitig ist
die Internationale Atomenergiebehörde seit Monaten nicht in der Lage, das
iranische Atomprogramm zu kontrollieren.
11 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Islamwissenschaftlerin-ueber-Iran/!6146715
(DIR) [2] /Ein-Protokoll-aus-Iran/!6144277
(DIR) [3] /Protestwelle-im-Iran/!6148368
(DIR) [4] /Gespraeche-im-Oman/!6152131
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Atomabkommen mit Iran
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
(DIR) Zivilgesellschaft
(DIR) GNS
(DIR) Donald Trump
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Atomabkommen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Israel und USA: Trump will Verhandlungen mit Iran weiterführen
Israels Regierung warnt vor einem Abkommen mit dem Mullahregime, das sich
nur auf dessen Atomprogramm beschränkt. Trump bevorzugt hingegen einen
schnellen Deal.
(DIR) Auszeichnung für iranische Aktivistin: Erster Paulskirchenpreis geht an Masih Alinejad
Einem Mordversuch entgangen, als Hardlinerin umstritten: Jetzt würdigt
Frankfurt die prominente Regime-Gegnerin aus dem Iran mit einem neuen
Preis.
(DIR) Massaker in Iran: Die unsolidarische Linke
Links der Mitte tut man sich schwer, mit dem Freiheitskampf der Iraner
echte Solidarität zu zeigen. Warum Linken die Unterstützung so schwerfällt.
(DIR) Repression in Iran: Weitere Haftstrafe für Friedensnobelpreisträgerin
Menschenrechtlerin Narges Mohammadi ist trotz gesundheitlicher Probleme
seit Kurzem wieder inhaftiert. Nun ist sie laut Anwalt noch einmal
verurteilt worden.
(DIR) Gespräche im Oman: Was zwischen USA und Iran auf dem Spiel steht
Kürzlich noch forderte US-Präsident Trump einen Machtwechsel im Iran, nun
gibt es Verhandlungen. Wie es zur Kehrtwende kam und worum es jetzt geht.