# taz.de -- In Myanmar im Gefängnis: „Ich spüre Solidarität“
> Ma Thida war mehr als 5 Jahre in Haft in Myanmar. Ihre Gedanken über
> Solidarität von innen und außen. Menschlichkeit ist für sie das
> wichtigste Thema.
(IMG) Bild: „Im Gefängnis waren auch weibliche Wärterinnen. Solidarität mit mir gab es von ihnen nicht.“ – Schriftstellerin Ma Thida
Als ich im Gefängnis war, wollten meine Unterstützer meinen Fall bekannt
machen, um Druck für meine Freilassung aufzubauen. Aber in autoritären
Regimes nehmen sie auch die Familien ins Visier. Sie machen das so lange,
bis die Familie sagt: „Bitte tun Sie das nicht. Unser Leben wäre auch in
Gefahr, wenn Sie das tun.“ Das gilt besonders für Frauen, die von ihren
Kindern getrennt werden.
Auch um die Erlebnisse [1][in Haft] zu verarbeiten oder wenn sie ins Exil
müssen, brauchen Frauen eine andere Art von Unterstützung. Je kleiner die
Kinder sind, desto weniger können sie gehen. Bei Programmen wie „writers in
exile“ laden wir alle ein, und viele Frauen bringen ihre Kinder mit. Männer
kommen in der Regel allein.
Für alle braucht es juristische Unterstützung, Hilfe von den Behörden zum
Beispiel für Visa. Und natürlich Geld. Das gilt auch für die Familien. Für
uns Schriftsteller ist es besonders schwer. Schreiben hilft mir, das
Erlebte zu heilen. Aber wenn wir Schriftsteller unser Land verlassen
müssen, verlieren wir auch unser Publikum. Deshalb ist die Übersetzung
unserer Werke so wichtig.
## Verbotene Geburtstagstorte
Ich konnte und kann eine feministische Solidarität international deutlich
spüren. Als ich in Haft war, haben an meinem Geburtstag Frauen Wünsche an
mich geschrieben. Eine Gruppe wollte mir sogar eine Geburtstagstorte
vorbeibringen. Aber die Polizei hat das verboten. Von den Wünschen habe ich
auch erst erfahren, als ich wieder frei war. Aber wahr ist auch, dass die
Personen, die mich gequält haben, ebenfalls Frauen sind.
Im Gefängnis waren auch Wärterinnen. Solidarität mit mir gab es von ihnen
nicht. Sie befolgten alle Anweisungen des Militärregimes. Ein Beispiel: Im
Gefängnis hatte ich mich mit Lungentuberkulose angesteckt und wog nur noch
rund 40 Kilo. Doch meine Gefängnisärztin wollte, dass ich ihr Geld für die
Behandlung gebe. Das habe ich nicht getan. Als sich mein Zustand
verschlechterte, kündigte ich einen Hungerstreik an. Später bekam ich eine
Behandlung – von einem Gefängnisarzt.
Menschlichkeit ist für mich das wichtigste Thema. Ich wollte und will mein
Land verändern und werde nicht aufgeben.
Ma Thida kommt aus Myanmar, ist Ärztin und Schriftstellerin. 1999 wurde die
politische Gefangene aus humanitären Gründen nach mehr als 5 Jahren aus dem
Insein-Gefängnis entlassen. Sie ist Vorsitzende des Komitees für
Schriftsteller in Haft bei Pen International.
Protokoll: Tanja Tricarico
7 Mar 2026
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