# taz.de -- Brennstoff für Reaktoren: USA investieren Milliarden in Uran-Anreicherung
       
       > Um die Abhängigkeit von Uran aus Russland zu verringern, beauftragt die
       > Trump-Regierung drei Konzerne. Ziel: Brennstoff für umstrittene
       > Mini-Reaktoren.
       
 (IMG) Bild: Atomenergie ist die Energie der Zukunft in den USA. In voller Schönheit, der Kühlturm eines Atomkraftwerks in Missouri, USA
       
       Die US-Regierung investiert weitere 2,7 Milliarden US-Dollar in die
       heimische Atomindustrie. Um die Abhängigkeit von Uranimporten aus Russland
       zu verringern, hat das US-Energieministerium drei Konzerne mit Technik für
       die Anreicherung von Kernbrennstoff mit je 900 Millionen Dollar beauftragt.
       Die Regierung sei entschlossen, „eine sichere heimische Lieferkette für
       Kernbrennstoffe wiederherzustellen, die in der Lage ist, die
       Kernbrennstoffe zu produzieren, die für den Betrieb der Reaktoren von heute
       und von morgen benötigt werden“, [1][sagte Energieminister Chris Wright].
       
       Die Mittel für die Konzerne American Centrifuge Operating, General Matter
       und Orano Federal Services sind Teil der US-Strategie, den wachsenden
       Strombedarf für künstliche Intelligenz, Rechenzentren oder Elektroautos
       durch Atomkraft zu decken. Präsident Donald Trump hatte in seinem ersten
       Amtsjahr die Unterstützung für Erneuerbare gekürzt, um mehrere [2][Erlasse]
       für eine „nukleare Renaissance“ zu unterzeichnen. Laut Energieminister
       Wright soll „nuklear wieder sexy werden“.
       
       Ende Mai hatte Trump bereits den Bau von vier neuen Atomkraftwerken mit
       Kosten in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar genehmigt. Die
       Atomstrom-Produktion soll auch durch beschleunigte Verfahren und weniger
       Auflagen in den kommenden 25 Jahren vervierfacht werden. 94 Atomkraftwerke
       decken in den USA derzeit knapp 20 Prozent der Stromproduktion ab.
       
       Außerdem förderte die [3][US-Regierung den Bau von Mini-AKWs], den
       sogenannten „Small Modular Reactors“ (SMR). Dazu wurden bereits im Sommer
       elf Atomprojekte von Nuklear-Start-ups und größeren Firmen ausgewählt, drei
       Testreaktoren sollen bis zum Juli 2026 genehmigt, „gebaut und betrieben
       werden“. Einen SMR soll die US-Armee bis 2028 auf einer Militärbasis
       betreiben.
       
       ## Hoch angereicherter Brennstoff in der Kritik
       
       Ein Drittel des aktuellen Auftragsvolumens geht in die Produktion von
       schwach angereichertem Uran für Atomanlagen, zwei Drittel sollen in die
       Produktion von hochgradig angereicherten Atombrennstoff fließen. Dieses
       sogenannte „high-assay low-enriched uranium“ (HALEU) ist vor allem für die
       kleinen SMR-Reaktoren gedacht. HALEU-Kritiker*innen fürchten, dass der
       Brennstoff auch für Waffen genutzt werden könnte, wenn er in die falschen
       Hände gerät.
       
       Die SMR gelten in der Branche als mögliche [4][Zukunftstechnologie]. Auch
       die CSU forderte gerade auf ihrer Klausurtagung in Seeon erneut die
       Mini-Meiler auch in Deutschland. Sie gelten als vergleichsweise günstig und
       schnell zu bauen. Expert*innen verweisen jedoch darauf, dass diese in
       Serie produzierten Reaktoren die grundsätzlichen Probleme der Technologie
       kaum lösen, also hohe Kosten, Betriebsrisiken und Entsorgungsfragen.
       
       Derzeit können nur Russland und in geringerem Umfang China den
       HALEU-Brennstoff herstellen. Es gibt auch keinen Bedarf dafür: Nur in
       diesen Ländern laufen kleine, keineswegs serienreife SMR. Das einst gehypte
       Vorzeigeprojekt NuScale Power aus den USA floppte 2023 wegen immenser
       Kostensteigerungen. Allerdings gibt es derzeit wieder SMR-Pläne in bis zu
       40 Ländern.
       
       Die Autarkiebestrebungen beim Nuklearbrennstoff sind aus US-Sicht
       nachvollziehbar. Im Jahr 2020 verfügte Russland über fast die Hälfte der
       weltweiten Kapazitäten für die Anreicherung von Uran. Im Mai 2024 haben die
       USA noch unter Joe Biden ein Gesetz zum Verbot russischer Uran-Importe ab
       2028 beschlossen. Die letzte inländische kommerzielle
       Urananreicherungsanlage in US-Hand, die Gasdiffusionsanlage Paducah in
       Kentucky, wurde 2013 geschlossen. Derzeit ist eine Uranfabrik des
       britischen Unternehmens Urenco im Bundesstaat New Mexico die einzige im
       ganzen Land.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.energy.gov/articles/us-department-energy-awards-27-billion-restore-american-uranium-enrichment
 (DIR) [2] https://www.whitehouse.gov/articles/2025/05/president-trump-signs-executive-orders-to-usher-in-a-nuclear-renaissance-restore-gold-standard-science/
 (DIR) [3] /Mehr-Atomenergie-in-den-USA/!6103221
 (DIR) [4] https://www.bgr.bund.de/SharedDocs/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Energie/74_modulare_kleinreaktoren.pdf?__blob=publicationFile&v=1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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