# taz.de -- 15 Obdachlose gestorben: Hamburg sollte schnell warme Orte schaffen
       
       > Das Winternotprogramm erreicht längst nicht alle Menschen ohne festen
       > Wohnsitz. Die Stadt könnte ihnen das Überleben leichter machen.
       
 (IMG) Bild: Ein Obdachloser ist bei frostigen Minusgraden in seinem Zelt an der Lombardsbrücke in Hamburg verstorben
       
       Tut die Hansestadt genug und das richtige bei dieser Kälte, um den
       obdachlosen Menschen zu helfen? Darüber gibt es in Hamburg Streit. Vor
       einer Woche wurde durch die Staatsanwaltschaft bekannt, dass zwischen dem
       [1][2. und 23. Januar 15 Menschen gestorben] waren, die keinen festen
       Wohnsitz hatten.
       
       Ob diese direkte Erfrierungstode waren, ist noch nicht geklärt, nicht alle
       Toten werden obduziert. Bei zweien ist die Identität noch nicht geklärt.
       Von den übrigen starben drei im Freien, vier in einer Klinik, vier in einer
       Notunterkunft und zwei in Wohnungen. Die 13 Menschen, deren Alter bekannt
       ist, wurden im Schnitt nur 46 Jahre. Es handelt sich um fünf Deutsche,
       einen Syrer und sieben Osteuropäer.
       
       Der Hamburger Senat, der auf eine [2][Anfrage der CDU] hin bis
       einschließlich 16. Januar zehn Todesfälle im öffentlichen Raum und in
       Einrichtungen bestätigte, erklärte sein Bedauern. Zugleich erklärt er,
       Hamburgs Winternotprogramm sei mit 800 Plätzen mit Zwei- und
       Dreibettzimmern gut ausgestattet. Man habe „keine Person wegen fehlender
       Kapazität abgewiesen“, heißt es darin.
       
       Doch Hamburg bemüht sich, sein Winternotprogramm möglichst unattraktiv zu
       machen. So müssen die [3][Obdachlosen die Unterkünfte tagsüber verlassen].
       Erst ab vier Grad Minus, so das Konzept, wird von dieser Regel abgewichen.
       Aktuell dürfen die Menschen zwar bis zum 9. Februar drinnen bleiben. Andere
       Städte im Norden wie Bremen lassen die Obdachlosen den ganzen Winter über
       im Warmen.
       
       Und es gibt eine Hintertür im Hamburger Konzept. Menschen, die „keinen
       Anspruch auf einen Schlafplatz in den Unterkünften“ haben, wird „ein
       nächtlicher Aufenthalt in der Wärmestube“ geboten. Dort gibt es nur
       Sitzplätze. Dieses „Angebot“ gilt laut Sozialbehörde, wenn Personen ihre
       „Selbsthilfemöglichkeiten“ oder „Rückkehrmöglichkeiten“ nicht in Anspruch
       nehmen.
       
       ## Sitz-Stuben sind keine Alternative
       
       Und das passiert oft. So wurden [4][laut offizieller Bilanz] im Winter
       2024/25 insgesamt 104 Personen an diese Sitzstube verwiesen. Am häufigsten
       wegen „mangelnder Mitwirkung“. Die Stube blieb aber meistens leer, von 100
       Plätzen waren im Schnitt nur neun belegt. Das zeigt: Die Menschen gehen
       lieber dahin, wo sie liegen können.
       
       „Ich finde es unmenschlich, Menschen wegen mangelnder Mitwirkung ein Bett
       zu versagen“, sagt die Linken-Sozialpolitikerin Olga Fritzsche. Menschen
       aus Osteuropa hätten einen weiteren Grund, Unterkünfte zu meiden. „Sie
       haben Angst, aufgegriffen und abgeschoben zu werden.“ Wie eine [5][Anfrage
       der Linksfraktion] ergibt, passiert das in Hamburg Dutzenden Obdachlosen,
       die ihren Freizügigkeitsstatus verloren.
       
       Wie schlecht es den Menschen bei der Kälte geht, das merken die
       ehrenamtlichen Helfer. Sie hätten Patienten mit Wärmepflastern versehen,
       „um die Körpertemperatur wieder hochzubekommen“, schrieb das [6][Team des
       Arztmobils] nach seinem Einsatz am Sonntag auf der Reeperbahn.
       
       ## Mit Lungenentzündung aus dem Krankenhaus entlassen
       
       „Das Problem ist die Erschöpfung der Menschen durch die Kälte und die
       Nässe“, sagt Ronald Kelm, der beim [7][Gesundheitsmobil] am Hauptbahnhof
       hilft. Den Obdachlosen fehle Zugang zu medizinischer Versorgung. Ein
       Obdachloser sei gar mit Lungenentzündung aus dem Krankenhaus entlassen
       worden. „Das Grundproblem ist, dass Hamburg auf diese Kälte gar nicht
       eingestellt ist. Wir brauchen jetzt zusätzliche Angebote, die schneller und
       besser koordiniert werden müssen.“
       
       Zuerst schlug übrigens das Obdachlosenmagazin Hinz&Kuntz [8][Alarm]. Die
       [9][plötzliche Häufung der Todesfälle] sei „ungewöhnlich und alarmierend“.
       Dessen Geschäftsführer Jörn Sturm forderte, die Stadt müsse warme Orte
       schaffen und wie zum Beispiel in Hannover über Nacht die U-Bahnhöfe offen
       lassen. Doch das findet Hamburgs Verkehrsunternehmen Hochbahn zu
       gefährlich. Der Engagierte Ronald Kelm regt nun an, zusätzlich Wärmezelte
       aufzustellen, wie es das Rote Kreuz [10][in der Stadt Essen] tut.
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Tote-Obdachlose-in-Hamburg/!6149281
 (DIR) [2] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/102389/23_02768_bessere_chancen_fuer_obdachlose_sechs_tote_obdachlose_in_nur_14_tagen#search=%2522winternotprogramm%2522%23navpanes=0
 (DIR) [3] /Umgang-mit-Obdachlosen-im-Winter/!6142942
 (DIR) [4] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/96934/23_01638_bericht_des_ausschusses_fuer_soziales_und_integration_ueber_die_selbstbefassung_auswertung_des_winternotprogrammes_2024_2025#navpanes=0
 (DIR) [5] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/101193/23_02337_freizuegigkeitsueberpruefungen_von_eu_buerger_innen_im_2_und_3_quartal_2025#search=%2522winternotprogramm%2522%23navpanes=0
 (DIR) [6] https://www.facebook.com/100068295168133/posts/pfbid0pqKY6rD9u8qTk1Sd2DsUZAbUxbevqqe5jDWwLeSYggkAyyxYQoigCETZK6EfipMHl/
 (DIR) [7] https://www.facebook.com/100057214369281/posts/pfbid02VK2diNDf8gb9Xmjp498CEDhvZSrzBK3D7jDkmf8uRvZ3R84KMmUMwMEgE4pBPayLl/
 (DIR) [8] https://www.hinzundkunzt.de/besonders-viele-todesfaelle-zum-jahresbeginn/
 (DIR) [9] /Obdachlose-in-Hamburg/!6147408
 (DIR) [10] https://www.drk-essen.de/angebote/besondere-angebote/kaeltehilfe.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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