# taz.de -- Tote Obdachlose in Hamburg: Das Sterben der Wohnungslosen
       
       > In Hamburg sind in diesem Jahr schon 15 Menschen ohne festen Wohnsitz
       > gestorben. Sie wurden im Schnitt nur 46 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Lebensgefährlich: Kälte und Nässe schwächen, dazu kommen gesundheitliche Probleme – obdachloser Mensch im Winter auf der Straße
       
       In Hamburg ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft am 23. Januar
       [1][erneut ein Obdachloser gestorben]. Der 44-Jährige hielt sich im
       Winternotprogramm auf. Damit sind in der Stadt seit Jahresbeginn bereits 15
       wohnungslose Menschen gestorben.
       
       „Das Grundproblem ist die Erschöpfung der Menschen. Dass die Leute schon
       geschwächt sind durch die Kälte und die Nässe“, sagt Ronald Kelm, der als
       Ehrenamtlicher beim Gesundheitsmobil arbeitet. Die Obdachlosen hätten auch
       keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung, sagt er. „Die
       Angebote, die es gibt, sind nur stundenweise geöffnet.“
       
       Jeden Sonntag stehe das Gesundheitsmobil am Hauptbahnhof oder auf der
       Reeperbahn und versorge 20 bis 30 Menschen, sagt Kelm. „Erst am Wochenende
       mussten wir dort wieder zwei ins Krankenhaus einweisen.“
       
       In Hamburg leben laut einer Zählung von 2024 rund 3.800 Obdachlose.
       [2][Dauer-Streitpunkt sind die Öffnungszeiten] des [3][Winternotprogramms]
       mit seinen rund 700 Plätzen. Dieses müssen die Menschen [4][tagsüber
       verlassen]. Nur rund um den Schneesturm „Ellie“ wurde dafür vom 5. bis zum
       12. Januar eine Ausnahme gemacht.
       
       ## Winternotprogramm ist tagsüber zu
       
       „Es ist für die Gesundheit der Menschen nicht förderlich, wenn sie tagsüber
       rausmüssen“, sagt der CDU-Sozialpolitiker Andreas Grutzek. „Die Menschen
       müssen in dieser Tagen sicher untergebracht werden.“ Ein Winternotprogramm
       müsse rund um die Uhr geöffnet sein.
       
       Zuerst schlug das Obdachlosenmagazin Hinz&Kuntz [5][Alarm], weil es bereits
       nach zwei Januarwochen 11 Tote gab. Grutzek stellte daraufhin eine
       [6][Anfrage an den Senat]. Aus der Antwort darauf geht hervor, dass die
       Menschen ab dem 13. Januar wieder tagsüber das Notprogramm verlassen
       mussten. Nur akut erkrankte Obdachlose durften bleiben.
       
       Grutzek hatte den Senat auch gefragt, wie viele tote Obdachlose seit
       Jahresbeginn in Unterkünften und auf der Straße gefunden wurden. Dieser gab
       für die Zeit vom 1. bis 16. Januar zehn Todesfälle an, von denen drei im
       Winternotprogramm, zwei im Krankenhaus, einer in der U-Haft und vier an
       öffentlichen Orten eintraten.
       
       Laut den etwas aktuelleren Zahlen der Staatsanwaltschaft Hamburg sind bis
       zum 23. Januar jedoch schon 15 obdachlose Menschen verstorben. Demzufolge
       starben je vier Personen in einem Krankenhaus oder in einer Notunterkunft.
       In einem weiteren Fall handelte es sich um eine Frau ohne festen Wohnsitz,
       die sich bei einer Verwandten aufhielt.
       
       Auch die Staatsanwaltschaft berichtet von vier Todesfällen im öffentlichen
       Raum. Ein Obdachloser wurde demnach in einem Zelt auf der Lombardsbrücke
       tot aufgefunden, berichtet die Sprecherin. Eine weitere Person habe sich in
       offenbar suizidaler Absicht auf ein Gleis gelegt. Einen weiteren Toten fand
       man dünn bekleidet im Kellerabgang eines Hinterhofs. Da der Mann noch nicht
       identifiziert sei, sei aber noch nicht klar, ob er obdachlos war. Ein
       weiterer Obdachloser starb vermutlich bei einem Unfall in einer Tiefgarage.
       Und zwei Obdachlose starben in Wohnungen, in denen sie vorübergehend wohnen
       konnten.
       
       Die Staatsanwaltschaft hat auch Angaben zu Alter und Nationalität der Opfer
       gemacht. Fünf der Toten waren Deutsche. Bei zweien ist diese Information
       nicht bekannt. Von den Übrigen hatten vier die polnische, zwei die
       lettische, eine die litauische und eine die syrische Staatsangehörigkeit.
       Das Alter ist von 13 Personen bekannt. Einer wurde demnach 65 Jahre alt,
       vier starben hingegen mit 29, 31, 36 und 39 Jahren sehr jung. Im
       Durchschnitt wurden die Toten nur 46 Jahre alt.
       
       ## „Hinz&Kunzt“ fordert regelmäßiges Monitoring
       
       „Wir sind sehr schockiert, dass die Zahl der Menschen, die auf der Straße
       oder in Notunterkünften sterben, wächst“, sagt Hinz&Kunzt-Geschäftsführer
       Jörn Sturm. „Es macht uns hilflos, da keine zusätzlichen Angebote
       geschaffen werden, weil diese Zahlen von der zuständigen Sozialbehörde
       nicht offiziell erhoben werden“, sagt er. Diese müssten stets mühsam durch
       Anfragen ermittelt werden. Stattdessen brauche man ein regelmäßiges
       Monitoring der Stadt, in dem die Todeszahlen aller wohnungslosen Menschen
       erfasst und die Maßnahmen der Lage angepasst werden.
       
       Hamburgs Senat äußert in seiner Antwort „tiefes Bedauern“ über den Tod der
       Obdachlosen. Doch obwohl Hamburgs Standards der Notübernachtung im
       Bundesvergleich einen „Spitzenrang“ einnähmen, zöge ein Teil der
       Obdachlosen die Straße vor. Zum Teil spiele auch die eingeschränkte
       Wahrnehmung der eigenen Gesundheit eine Rolle. Dies sei Ansporn für die
       Straßensozialarbeit, in direkten Gesprächen die Akzeptanz der Hilfen zu
       fördern.
       
       Allerdings gibt es als Teil des Winternotprogramms immer noch die Option,
       Menschen ohne Anspruch auf einen Schlafplatz in eine nächtliche
       [7][„Wärmestube“] mit Sitzplätzen zu verweisen. Dieses „Angebot“ gilt laut
       Sozialbehörde dann, wenn Personen ihre „Selbsthilfe-“ oder
       „Rückkehrmöglichkeiten“ nicht in Anspruch nehmen und ihre Mitwirkung
       verweigern.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/soziales/obdachlosigkeit/winternotprogramm
 (DIR) [4] /Hamburgs-Obdachlose-im-Winter/!6067146
 (DIR) [5] https://www.hinzundkunzt.de/besonders-viele-todesfaelle-zum-jahresbeginn/
 (DIR) [6] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/102389/23_02768_bessere_chancen_fuer_obdachlose_sechs_tote_obdachlose_in_nur_14_tagen#search=%22Obdachlose%22%23navpanes=0
 (DIR) [7] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/soziales/obdachlosigkeit/winternotprogramm/winternotprogramm-43050
       
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