# taz.de -- Obdachlosigkeit in Deutschland: Nächstenliebe ist nicht die Lösung
       
       > Statt auf die Güte einzelner Menschen zu setzen, muss die Politik dafür
       > sorgen, dass Obdachlose besser geschützt sind – besonders im Winter.
       
 (IMG) Bild: Für Würde hat uns das Geld nicht mehr gereicht, für Polizeigesetze schon
       
       Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es zumindest im
       Grundgesetz. Wenn aber Menschen auf der Straße schlafen müssen, ist das
       würdelos. Durch unser Föderalsystem gibt es [1][16 verschiedene
       Polizeigesetze], die wiederum die Unterbringung zum Schutz der Menschen
       unterschiedlich regeln. Dabei spielt es keine Rolle, welche
       Staatsangehörigkeit jemand hat. Das Ziel: ein Dach über dem Kopf.
       
       Viele Behörden setzen dieses Gesetz unzureichend um. Ein [2][Bericht im
       Auftrag des Bundesbauministeriums] hat für das Jahr 2024 über 45.000
       Obdachlose in Deutschland gezählt. Diese Menschen leben in unmittelbarer
       Gefahr, [3][insbesondere im Winter]. Dass die Bevölkerung sie in dieser
       Jahreszeit weniger auf der Straße sieht, bedeutet allerdings nicht, dass
       das System bei eisiger Kälte besser funktioniert. Eher ist es die
       Nächstenliebe, die hier greift: Da drückt der Sicherheitsmann im
       Einkaufszentrum mal ein Auge zu, die Bahnmitarbeiterin zeigt erst nach der
       dritten Ringbahnrunde in Berlin den Ausgang, der Nachbar ruft nicht sofort
       die Polizei.
       
       Alle wissen: Obdachlose riskieren jeden Tag zu erfrieren – manchmal lassen
       Menschen mit Wohnungen Milde walten. Es darf aber niemals in der Hand
       Einzelner liegen oder von ihrer Tagesform abhängig sein, Menschen vor dem
       Tod zu bewahren. Dass die Verantwortlichen in den Ministerien die
       Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrufen, ist eine Farce. Nein, es ist Aufgabe
       der Politik, eine solche Notlage abzuwenden.
       
       Kommunen und Städte stemmen den Kälteschutz für Obdachlose jedes Jahr aufs
       Neue, mit Spenden, Notbetten, Improvisation. Das kann kein Dauerzustand
       sein. [4][Statt jährlicher Kämpfe um Förderungen] braucht der gesamte
       soziale Bereich eine verlässliche Strukturförderung, damit nicht auch noch
       die sozialen Träger ums Überleben kämpfen müssen. Der Bund muss feste und
       planbare Mittel für die Wohnungslosenhilfe zusagen.
       
       5 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bagw.de/fileadmin/bagw/media/Doc/TGD/TGD_15_BUTA_Forum-A-II_Ruder.pdf
 (DIR) [2] https://www.giss-ev.de/pub/frontend/files/de_de/94/2024-bmwsb-bericht.pdf
 (DIR) [3] /Tote-Obdachlose-in-Hamburg/!6149281
 (DIR) [4] /Sachsen-spart-soziale-Projekte-kaputt/!6061980
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sean-Elias Ansa
       
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