# taz.de -- Lieferdienste im Winter: Gefährlich durch die Kälte
> Trotz Glatteis müssen Kuriere weiter Essen ausliefern. Das Lieferando
> Workers Collective kritisiert, Unternehmen würden zu selten den Betrieb
> einstellen.
(IMG) Bild: Trotz Schnee und Eis auf der Straße: Lieferando-Kuriere
Viele Berliner:innen trauen sich [1][angesichts von Dauerfrost und
Glätte] kaum noch auf die Straße. Keine Wahl haben hingegen Hunderte
Kurierfahrer:innen, die für Lieferunternehmen wie Lieferando und Wolt Essen
ausliefern. Während die Zahl der Unfälle steigt, tue das Unternehmen nicht
genug für die Sicherheit der Fahrer:innen, kritisieren
Lieferando-Beschäftigte.
„Die Arbeit ist im Winter am gefährlichsten“, sagt Max vom Lieferando
Workers Collective (LWC). Seinen vollen Namen möchte der Lieferfahrer aus
Angst vor Konsequenzen nicht nennen. Bei dem Wetter werde es in den
kommenden Wochen noch viele Unfälle geben, fürchtet Max. „Lieferando könnte
die verhindern, aber handelt komplett unverantwortlich.“
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass das Unternehmen den Betrieb auch bei
Glatteis und Kälte aufrechterhält: „Lieferando pausiert den Betrieb sehr
selten und sehr spät“, berichtet Max.
Laut internen Unfallzahlen, die der taz vorliegen, wurden im Januar acht
Vorkommnisse gemeldet. Im relativ eisfreien November waren es nur drei
Vorfälle. Dabei handele es sich nur um die schweren Unfälle mit
versicherungsrelevanten Verletzungen. „Die Dunkelziffer ist viel höher“,
schätzt Max vom LWC ein.
## Lieferando: „Sicherheit hat Priorität“
Auf taz-Anfrage bestreitet Lieferando die Vorwürfe. „Die Sicherheit unserer
Fahrer*innen hat oberste Priorität“, teilt ein Sprecher des Unternehmens
mit. Man beobachte die Wetter- und Straßenverhältnisse auf lokaler Ebene
genau und pausiere die Auslieferung bei widrigen Witterungsbedingungen wie
Blitzeis. Wer sich unsicher fühle, könne sich jederzeit von seiner Schicht
abmelden.
Offiziell gibt es bei Lieferando ein mehrstufiges System, auf Unwetterlagen
zu reagieren. Laut einem internen Protokoll, das der taz vorliegt, werden
bei Unwetterwarnungen speziell geschulte Fahrer:innen zu den
Witterungsbedingungen befragt. Sollten diese „Weather Watcher“ die
Bedingungen als ungünstig einstufen, würde der Betrieb geschlossen.
Doch das System existiere nur auf dem Papier, kritisiert Max vom LWC.
Seiner Erfahrung nach stoppe das Unternehmen Auslieferungen erst, wenn sich
viele Fahrer witterungsbedingt abmelden. Aber Geld für die ausgefallene
Schicht erhielten die Fahrer nur dann, wenn der gesamte Betrieb eingestellt
wird. „Es wird häufig nichts bezahlt“, berichtet Max.
Hinzu komme, dass nach 18 Uhr und an den Wochenenden, also zu den nachfrage
stärksten Zeiten, kaum jemand im Büro zu erreichen sei, der auf
Extremwetterereignisse reagieren könne, berichtet Max.
Daher habe es trotz des frostigen Wetters in diesem Jahr nur vereinzelte
Unterbrechungen für wenige Stunden gegeben, aber keine ganztägige
Betriebspause. „Immer dann, wenn sich zu viele Fahrer beschwert haben“,
sagt Max.
Ali, ein weiterer [2][Fahrer], mit dem die taz sprechen konnte, berichtet,
dass auch die Versorgung mit Winterausrüstung dürftig sei. Er und seine
Kolleg:innen seien zwar vor Monaten gefragt worden, was sie an
Ausrüstung benötigen, davon sei aber bisher noch nichts angekommen. „Die
Leute benutzen ihre eigenen Sachen“, sagt Ali.
Noch schlimmer sei die Situation hingegen [3][bei dubiosen Subunternehmen,
auf die Lieferando, Wolt und Uber Eats verstärkt setzen.] Viele Kuriere
hätten dort keinen gültigen Arbeitsvertrag und bekämen Anweisungen über
eine Whatsapp-Gruppe, berichtet Max vom LWC. „Wenn du da nicht bereit bist
bei jedem Wetter zu fahren, kriegst du keine Kohle und wirst in der App
deaktiviert.“
4 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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