# taz.de -- Uber in Frankreich: Zur Kasse, bitte
       
       > Uber und ähnliche Firmen deklarieren ihre Beschäftigten nicht als
       > Arbeitnehmer und versichern sie nicht entsprechend. Jetzt reagiert
       > Frankreich.
       
 (IMG) Bild: Die Sozialkasse fordert 1,7 Milliarden Euro
       
       Wie erst jetzt dank eines Berichts der Zeitschrift „Revue21“ bekannt
       geworden ist, fordert die Kasse der französischen Sozialversicherungen
       URSSAF seit Dezember vom Fahrdienst Uber nicht weniger als 1,7 Milliarden
       Euro. In einem Brief an die französische Filiale des amerikanischen
       Unternehmens wird die Zahlungsaufforderung damit begründet, die Plattform
       Uber habe für die von ihr eingesetzten Fahrer seit dem Beginn ihrer
       Aktivitäten in Frankreich keine Sozialbeiträge bezahlt.
       
       [1][Aus der Sicht der Uber-Direktion] ist das völlig normal, denn sie
       betrachtet die Leute am Lenkrad ihrer Autos als selbstständig Erwerbende,
       die in Frankreich in der Mehrheit als „Autoentrepreneurs“, also
       Einzelunternehmer, ihrem Gewerbe nachgehen und daher selbst für ihre
       Altersvorsorge und Versicherung sorgen müssen.
       
       Die URSSAF dagegen betrachtet die Uber-Chauffeure als Arbeitnehmer im Sinn
       der französischen Gesetzgebung. Und da für diese Beschäftigten die
       obligatorischen Beiträge für das Sozialversicherungssystem – das heißt
       Krankenkasse und berufliche Unfallversicherung, Altersrente,
       Familienzulagen und Arbeitslosenversicherung – nie überwiesen wurden, gilt
       die Erwerbstätigkeit der Fahrer als „Schwarzarbeit“.
       
       Ursprünglich sagte Uber, jeder von ihr vermittelte Chauffeur sei „sein
       eigener Boss“. Die Wirklichkeit des Arbeitsalltags aber sieht anders aus:
       Die Fahrer sind von der Plattform weitgehend abhängig, die auch über die
       Tarife entscheidet und Beschäftigte wegen schlechter Bewertungen durch
       Kunden sanktioniert.
       
       ## Die Justiz hat zur Sicherheit 350 Millionen Euro blockiert
       
       In einem Schreiben von 2024 macht die URSSAF geltend, Uber habe
       „wissentlich eine Arbeitnehmerbeziehung als Unternehmervertrag geschminkt,
       um den (sozialrechtlichen) Verpflichtungen als Arbeitgeber zu entgehen“.
       Damit habe Uber gegen das Gesetz verstoßen. Die Pariser Staatsanwaltschaft
       hat der Zeitung „Le Monde“ bestätigt, dass diesbezüglich eine gerichtliche
       Voruntersuchung eingeleitet wurde, in deren Verlauf bereits mehrere Dutzend
       betroffene Fahrer befragt worden seien.
       
       Im Detail werden 71194 Fälle in der Periode von 2019 bis 2022 aufgeführt.
       Wenn Uber diese Fahrer als Arbeitnehmer deklariert hätte, wären die dafür
       üblichen Sozialbeiträge (in Frankreich je von Arbeitnehmern als Abzüge vom
       Lohn sowie vom Arbeitgeber zu bezahlen) in der Höhe von 1,2 Milliarden Euro
       verrechnet worden. Damit die Forderung von Nachzahlungen samt Verzugszinsen
       nicht einfach als rein formeller Protest übergangen wird, hat die Justiz
       bei Uber schon mal 350 Millionen Euro blockiert.
       
       Seit Jahren fordern Uber-Fahrer, mitunter bei Demonstrationen in mehreren
       Städten Frankreichs, [2][dass ihre Rechte als Arbeitnehmer anerkannt
       werden]. Viele von ihnen haben sich zudem mit dem Kauf des eigenen
       Fahrzeugs für die Arbeit bei Uber hoch verschuldet. Indirekt wären wohl
       auch die traditionellen Taxichauffeure höchst erfreut, wenn die Behörden
       dieser Konkurrenz ein Ende setzen würde.
       
       Uber ist nicht das einzige Unternehmen, das in Frankreich wegen des
       Verdachts auf solche Schwarzarbeit im Visier der Justiz ist. Auch gegen den
       Hauslieferdienst Deliveroo wurde bereits ermittelt, und in erster Instanz
       wurde das Unternehmen zur nachträglichen Bezahlung von 360 Millionen Euro
       für nicht ordnungsgemäß gemeldete Arbeitnehmer verurteilt. Vor dem
       Berufungsprozess scheint sich die URSSAF außergerichtlich geeinigt zu
       haben. Auch Uber scheint nun unter dem Druck den Dialog mit den
       französischen Behörden zu suchen.
       
       6 Feb 2026
       
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