# taz.de -- Doku über Lieferkuriere aus Südasien: Ausgebeutete Hoffnung
       
       > Tausende Inder*innen liefern in Berlin unter schlechten Bedingungen
       > für dubiose Subunternehmen aus. Das hat System, zeigt eine neue Doku.
       
 (IMG) Bild: Während Wolt und UberEats schon länger auf Subunternehmen setzen, sollen auch bei Lieferando immer mehr Stellen ausgelagert werden
       
       „Du musst härter arbeiten. Und du musst wissen, Uber feuert Lowperformer“,
       wird ein Lieferdienstfahrer gewarnt, während er seinen Lohn von einem
       dubiosen Berliner Subunternehmen von UberEats abholt. Aus Angst vor seinen
       Chefs will er anonym bleiben. Das Geld wird ihm bar in einem Briefumschlag
       ausgezahlt – der sei diesmal „echt dünn“, weil er sich nicht genügend
       angestrengt habe, sagt man ihm.
       
       Der Moment lässt sich in der am Dienstag erscheinenden RBB-Doku
       [1][„Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern“] von Fabian Grieger
       und Jan Wiese beobachten. Sie beleuchtet [2][die strukturelle Ausbeutung,
       der indische Kurier*innen von Lieferdiensten wie UberEats, Wolt und
       Lieferando ausgesetzt sind]. Die Doku ist ein Zeugnis des Versagens
       deutscher Politik, gerechte Umstände für alle hier Arbeitenden zu
       ermöglichen.
       
       Tausende junge Menschen kommen aus Indien zum Studieren nach Deutschland,
       einige davon nach Berlin. Sie werden mit dem Versprechen auf ein besseres
       Leben von Agenturen angelockt und verschulden sich dafür oft massiv. Am
       Ende profitieren dann vor allem Vermieter*innen, fragwürdige private Unis
       und betrügerische Unternehmen, für die die Inder*innen oft unter
       miserablen Arbeitsbedingungen schuften, um sich über Wasser zu halten.
       Bezahlt werden sie nicht selten weit unter dem legalen Mindestlohn. [3][Die
       taz berichtete bereits mehrfach über das ausbeuterische System.]
       
       ## Systematische Umgehung von Arbeitsrecht
       
       Shiwani Sharma ist eine der Betroffenen. Um ihr Studium in Berlin zu
       finanzieren, fing sie an, für einen Subunternehmer von Wolt Essen
       auszuliefern. [4][Die 3.500 Euro Lohn für drei Monate Arbeit habe sie nie
       ausgezahlt bekommen]. Sie verklagt Wolt, das Gericht entscheidet, Wolt
       müsse für den Lohn nicht aufkommen – Sharma sei schließlich bei dem
       Subunternehmen angestellt gewesen. Briefkastenfirmen wie diese seien nur
       dafür da, deutsches Arbeitsrecht zu umgehen, kritisiert Arbeitsrechtsanwalt
       Martin Bechert, der Sharma vertritt.
       
       „Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl, ich bin reingelegt worden“,
       erzählt der Student Parmod Kumar in der Doku: „Mich quälte das sehr“. Er
       hatte sich an der privaten „Internationalen Hochschule“ eingeschrieben. Auf
       der Website habe alles seriös ausgesehen, die Uni schien einen guten Ruf zu
       haben, sagt Kumar. Die bittere Realität offenbarte sich ihm, als er zum
       ersten Mal zum Campus ging, der im hinteren Teil der „Plaza“
       Einkaufspassage in Berlin-Friedrichshain gelegen ist.
       
       Die Doku zeigt ein menschenunwürdiges System, dem vor allem migrantische
       Menschen in Deutschland ausgeliefert sind. Täglich sind sie mit psychischem
       Missbrauch durch Chefs, körperlich belastender und kriminell unterbezahlter
       Arbeit, finanzieller Not und enttäuschten Hoffnungen konfrontiert.
       
       rbb-Story: „Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern“, Dienstag, 2.
       Dezember, 20.15 Uhr, RBB.
       
       2 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb-online.de/doku/o-r/rbb-story/Ausgeliefert.html
 (DIR) [2] /Arbeitskampf-bei-Lieferando/!6112635
 (DIR) [3] /Junge-Inder-in-Deutschland/!6094350
 (DIR) [4] /Prozess-gegen-Lieferdienst-Wolt/!6095299
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anselm Mathieu
       
       ## TAGS
       
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