# taz.de -- US-Sportler gegen ICE: Der Sport wacht langsam auf
       
       > Nach der Black-Lives-Matter-Ära schienen die US-Sportstars verstummt. Nun
       > melden sich doch die ersten Profis zur Gewalt in Minnesota zu Wort.
       
 (IMG) Bild: Aufwärmen mit Statement: Anthony Edwards von den Minnesota Timberwolves vor dem NBA Spiel vergangenen Donnerstag gegen Oklahoma
       
       Steve Kerr hat eine lange Karriere im Profi-Basketball hinter sich, in 14
       Jahren als Spieler und 12 Jahren als Trainer war er bei Tausenden von
       Spielen dabei. Doch ein Spiel wie am vergangenen Wochenende in Minneapolis
       hat er noch nie erlebt.
       
       Der Gegner seiner Golden State Warriors, die Minnesota Timberwolves,
       spielten unter dem Eindruck all dessen, [1][was in ihrer Stadt passiert],
       wie gelähmt. Die Warriors konnten ihren Sieg deshalb gar nicht so recht
       genießen. Das Publikum war ungewöhnlich still, es lag eine Schwere in der
       Arena, durchbrochen nur von ein paar vereinzelten „Fuck ICE“ Rufen. „Die
       Menschen sind hierhergekommen, um sich abzulenken“, sagte Kerr, „das ist
       wohl nicht so richtig gelungen.“
       
       Kerr selbst, der sich politisch noch nie zurückgehalten hat, nahm auch
       diesmal kein Blatt vor den Mund. Den Tod von Renée Good nannte er
       unverblümt Mord. Einwanderung, sagte er, sei tatsächlich ein Problem in den
       USA, aber es dürfe nicht auf den Straßen mit Gewalt gelöst werden. Dass
       Alex Pretti und Renée Good nicht mehr nach Hause zu ihren Familien kommen,
       wenn das alles vorbei ist, nannte er herzzerreißend.
       
       Kerr war nicht der einzige Vertreter des Profisports, der sich zur Gewalt
       in Minnesota zu Wort meldete. Sein Kollege Chris Finch, Trainer der
       Timberwolves, sprach vor dem Spiel den Angehörigen Prettis sein Mitgefühl
       aus und beschrieb die Lage Minneapolis als ungeheuerlich. Seine Mannschaft
       stehe in Solidarität mit den Menschen der Stadt, eine Haltung, welche die
       Spieler beim Aufwärmen mit T-Shirts mit der Aufschrift „We Stand with
       Minnesota“ unterstrichen.
       
       ## Amerika, wach auf!
       
       Der französischstämmige [2][Superstar Victor Wembanyama] von den San
       Antonio Spurs meinte derweil vor seinem Spiel gegen Orlando, was er in den
       Nachrichten sehe, sei „völlig unakzeptabel“. Es habe ihn auch zu tiefen
       Gedanken über sein eigenes Leben angeregt. Was er wirklich denke, fügt er
       an, könne er nicht sagen, die persönlichen Kosten seien zu groß.
       
       Andere Sportler hatten weniger Angst vor den Konsequenzen. So sagte die
       Assistenztrainerin der WNBA-Mannschaft Minnesota Lynx nach dem Tod von Alex
       Pretti: „Was ist jetzt Deine Ausrede, Amerika? Das war keine durchgeknallte
       linke Lesbe, sondern nur ein Mann, der eine Waffe trug und der Frauen
       beschützte. Was machen wir denn hier?? Amerika muss aufwachen! Wir können
       nicht erlauben, dass das Böse siegt.“
       
       Die Basketballmannschaften aus Minneapolis ließen ihren Worten Taten
       folgen. Eine gemeinsame Stiftung der Timberwolves und der Lynx spendete
       200.000 Dollar für lokale Organisationen, die Einwanderer unterstützten.
       Paige Bueckers, die in Dallas spielt, aber in Minneapolis aufwuchs, legte
       noch einmal 50.000 aus eigener Tasche drauf.
       
       Der Sportkolumnist Dave Zirin, auf den Zusammenhang von Sport und Politik
       spezialisiert, nannte all diese Dinge hoffnungsvoll. 2025 sei das
       schlimmste Jahr für den Sportaktivismus gewesen. Nach der
       Black-Lives-Matter-Ära [3][seien die US-Profis wieder verstummt.] „Der
       Sport sah wie eine weitere Branche aus, die sich einem autoritären Regime
       fügt.“ Nun, da die Trump-Regierung ihr hässlichstes Gesicht zeige, scheine
       er aufzuwachen.
       
       ## Der Football bleibt (noch) still
       
       Alleine der Football, der mit der Superbowl am kommenden Wochenende seine
       größte Party feiert, ist noch still. Den Grund nannte in einem
       Instagram-Post der Abgeordnete George Cook aus New Jersey: „Colin
       Kaepernick, Colin Kaepernick, Colin Kaepernick.“ Kaepernick, der die
       Spielerproteste auf dem Feld erfunden hatte, hat im Football niemals wieder
       eine Anstellung gefunden.
       
       Damit der Football auch still bleibt, hat Heimatschutzministerin Kristi
       Noem bereits eine starke ICE-Präsenz bei der Super Bowl angekündigt. Auf
       die Frage, was die Einwanderungspolizei dort zu suchen habe, antwortete sie
       nur. „Wenn Sie ein guter, stolzer Amerikaner sind, haben Sie nichts zu
       befürchten.“ Zur Entscheidung der NFL, den [4][Trump-kritischen Popstar Bad
       Bunny in der Halbzeit auf die Bühne zu bringen], sagte sie nur: „Die sind
       Scheiße. Und wir werden gewinnen.“
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /-ICE-in-den-USA-/!6150189
 (DIR) [2] /Ausnahmetalent-Wembanyama-in-der-NBA/!5988979
 (DIR) [3] /US-Sportler-und-Proteste/!6091488
 (DIR) [4] /Statement-gegen-Trump-Bad-Bunny-wird-beim-Super-Bowl-komplett-auf-Spanisch-singen/!6118032
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Moll
       
       ## TAGS
       
 (DIR) American Pie
 (DIR) US-Sport
 (DIR) Minnesota
 (DIR) Basketball
 (DIR) NBA
 (DIR) Superbowl
 (DIR) Protest
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Bad Bunny
 (DIR) Super Bowl
 (DIR) Superbowl
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Fußball-WM
 (DIR) Puerto Rico
 (DIR) Los Angeles
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Super Bowl in den USA: Bad Bunny triumphiert, Trump tobt
       
       Latin-Star Bad Bunny liefert beim großen NFL-Finale eine bombastische Show
       mit viel politischer Symbolik. US-Präsident Trump ist verärgert.
       
 (DIR) Bad Bunny beim Super Bowl: Hase gegen Hass
       
       Gerade erst bekam er den Grammy für das "Album des Jahres", am Sonntag
       tritt Bad Bunny beim Super Bowl auf. Wer ist der Künstler, der das
       MAGA-Lager so reizt?
       
 (DIR) Werbung beim Super Bowl: Politisch sein ist out
       
       Einst war der Super Bowl auch eine Bühne für Haltung. In den jetzigen,
       verunsicherten USA setzen Unternehmen aber auf seichte, risikofreie
       Werbung.
       
 (DIR) Schwarze Bürgerrechtler in den USA: Die Black Panthers sind zurück
       
       In US-Städten protestieren bewaffnete Mitglieder der „New Black Panther
       Party“ gegen die Einwanderungsbehörde ICE. Das wirft alte Fragen über
       gewaltfreien Widerstand auf.
       
 (DIR) Fußball-WM 2026: Soll die Weltmeisterschaft den USA entzogen werden?
       
       US-Präsident Trump droht politisch missliebigen Gastgeberstädten dreist mit
       WM-Entzug. Das wirft eine grundsätzliche Frage auf. Ein Pro und Contra.
       
 (DIR) Vor Auftritt beim Football-Finale: Bad Bunny bringt Spanisch zum Super Bowl
       
       Das Trump-Lager tobt, doch im Late Night-TV macht der puertoricanische
       Superstar klar, dass er mit einem rein spanischsprachigen Set auftreten
       wird.
       
 (DIR) US-Sportler protestieren kaum: Schauriges Schweigen
       
       Nur wenige Sportler in den USA beziehen Stellung zu den Protesten gegen
       Trumps Politik. Viele fürchten wohl Konsequenzen.