# taz.de -- Schwarze Bürgerrechtler in den USA: Die Black Panthers sind zurück
> In US-Städten protestieren bewaffnete Mitglieder der „New Black Panther
> Party“ gegen die Einwanderungsbehörde ICE. Das wirft alte Fragen über
> gewaltfreien Widerstand auf.
(IMG) Bild: Power to the motherfucking people! So unbewaffnet wie auf diesem Bild sind die Black Pathers normalerweise nicht
Seit Wochen protestieren in vielen US-Städten Menschen gegen die
[1][Anti-Einwanderungs-Politik der Trump-Regierung]. Bisher war der
Widerstand gegen ICE, in Minneapolis und anderswo, dezidiert gewaltfrei.
Die meisten Gruppen, welche die Bürger-Überwachung der Abschiebetruppen
organisieren, wollen vermeiden, der Bundesregierung Grund für eine weitere
Eskalation zu liefern. Man möchte das Recht auf seiner Seite behalten.
So sorgte es für einiges Unbehagen unter den Demonstranten, als vorletzte
Woche bei Kundgebungen in Minneapolis und Philadelphia Truppen mit
Sturmgewehren, Lederjacken und Barretts auftauchten. Zwar hatte der am 24.
Januar von Bundespolizisten erschossene Alex Pretti auch eine Pistole zur
Selbstverteidigung bei sich getragen und er war in Minneapolis und an
anderen Orten nicht der Einzige. Auch wird die Diskussion, ob sich der
Widerstand bewaffnen soll, unter den Menschen in Minneapolis längst offen
geführt. Doch dies war eine neue Dimension der Provokation.
Die martialisch auftretenden, ausschließlich schwarzen Männer und Frauen,
gehörten der „New Black Panther Party“ an – der selbsternannten
Nachfolgegeneration jener Organisation, die, inspiriert von [2][Malcom X],
während der Bürgerrechtskämpfe der 60er und 70er Jahre das Recht für sich
reklamierten, sich gegen Polizeigewalt mit Waffen zu wehren. Eines der
erklärten Ziele der Panthers damals war es, die Polizei zu überwachen und
durch Präsenz zu versuchen, Übergriffe zu verhindern.
So erscheint die Wiederkehr genau im jetzigen Moment durchaus schlüssig.
Die neuen Panthers, von denen sich die ursprünglichen Panthers wie Bobby
Seal und die Erben von Mitbegründer Huey Newton allerdings distanzieren,
glauben, dass dieser Moment wie für sie geschaffen ist. Wie der Widerstand
gegen ICE entstanden die Panthers aus der Erkenntnis, dass man vom Staat
keinen Schutz zu erwarten hat und dass man sich im Gegenteil gegen die
Gewalt einer rechtlos agierenden Regierung wehren muss.
## Philosoph Cornel West ruft zu gewaltfreiem Widerstand auf
Die New Panthers demonstrierten damit, was man in schwarzen Communitys seit
dem Beginn der ICE-Aktionen in verschiedenen US-Städten immer öfter hört.
Unter der Trump-Regierung erlebt das weiße Mainstream-Amerika, was
Afroamerikaner schon lange kennen. Der schwarze Bürgerrechtler und
Philosoph Cornel West sprach in einem viel beachteten Instagramvideo von
der „N****rization of America“. Das weiße Amerika erfahre nun, was es
bedeute, „dämonisiert, traumatisiert und terrorisiert“ zu werden. „Die
Schokoladenerfahrung läuft nun auf die Vanilleseite des Landes über.“
In dieser Lage, so West, könne das Land viel von den „Blues People“ lernen.
Dabei ist seine Lektion jedoch eine andere als die der New Panthers. West
war immer ein Vertreter des gewaltfreien Widerstands, ein Anhänger Martin
Luther Kings. Für ihn gibt es keinen anderen Weg als den „massenhaften
zivilen Ungehorsam“. Die Alternative wäre Bürgerkrieg. „Wenn gewaltfreier
Wandel unmöglich ist, dann wird gewalttätiger Wandel unausweichlich.“
So hat die „Resistance“ gegen ICE eine alte Debatte wieder aufflammen
lassen: West vs. New Panthers, King vs. Malcolm X, Gewaltfreiheit vs.
bewaffneter Widerstand. Und vielleicht ist die Tatsache, dass ihnen das nur
allzu vertraut ist, auch ein Grund dafür, dass Afroamerikaner bislang im
Widerstand gegen ICE unterrepräsentiert sind. Bei den „No Kings“ Märschen
und den Demonstrationen der vergangenen Wochen marschierten schwarze
Amerikaner nicht an vorderster Front.
Es gibt laute afroamerikanische Stimmen, die schon seit der ICE-Invasion
von Los Angeles im vergangenen Sommer sagen, dies sei nicht ihr Kampf. Das
afroamerikanische Portal The Root veröffentlichte ein Editorial darüber,
dass nun, da Weiße wahllose Polizeigewalt erfahren, es auf einmal die ganze
Nation in Aufruhr bringt. Dass dies für Afroamerikaner Normalität sei, habe
man jahrzehntelang ignoriert.
## Strukturen von Black Lifes Matter halfen bei Mobilisierung
Ein anderer Aspekt ist das komplizierte Verhältnis von Afroamerikanern zu
lateinamerikanischen Einwanderern. So weist etwa William Dickens, Direktor
der Vereinigung „American Descendants of Slavery“ in North Carolina darauf
hin, dass Latinos zu 48 Prozent für Trump gestimmt hätten. Jetzt bekämen
sie das, was sie sich gewünscht hätten. Zudem findet er,
lateinamerikanische Einwanderer nähmen insbesondere jungen schwarzen
Männern die Jobs weg.
In Minneapolis, das in so vielerlei Hinsicht zum Vorbild für die Proteste
im ganzen Land geworden ist, scheint das Verhältnis zwischen
afroamerikanischen Gruppen und dem Rest der Bewegung harmonisch zu sein.
Viele der [3][Organisationsstrukturen], die jetzt eine so rasche
Mobilisierung ermöglicht haben, stammen noch von den Protesten nach dem
[4][Mord an George Floyd] im Mai 2020. Die Bewegung, die damals als Black
Lives Matter (BLM) firmierte, war von Anfang an multiethnisch.
So helfen auch jetzt BLM-Gruppen bei den Einsatzteams mit, welche die
ICE-Bewegungen überwachen. Über das Gebot der Gewaltfreiheit ist man sich
allem Druck zum Trotz bislang noch einig. Die Panthers bleiben vorerst eine
Randerscheinung.
5 Feb 2026
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## AUTOREN
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