# taz.de -- US-Team bei Olympischen Winterspielen: Viel Liebe vor Ort, viel Hass auf Social Media
       
       > Die USA sind traditionell sehr präsent bei Olympia. Doch für welche USA
       > sind Athleten und Zuschauer im Einsatz? Die Spiele sind politisch
       > aufgeladen.
       
 (IMG) Bild: Patriotin und Teil der LGBTQI-Community: Eiskunstläuferin Amber Glenn nach dem Goldgewinn mit dem Team
       
       Die [1][Eiskunstlaufwettbewerbe bei Olympia] stehen nicht nur für
       Unterhaltung auf dem Eis. Auch ein Teil des Publikums nutzt die Events als
       Bühne für ein ganz eigenes Schaulaufen. Da sind junge japanische Frauen,
       die wie Mangafiguren daherkommen. Der Italiener, der sich als Super Mario
       verkleidet, ist auch immer da. Und dann sind da die unzähligen Fans aus den
       USA, die ebenfalls viel unternehmen, um ja nicht übersehen zu werden. Die
       junge Frau etwa, die als Freiheitsstatue zuschaut, die Männer in
       Stars-and-Stripes-Overalls oder jene mit handgestrickten Pullis mit
       riesigen Adlerköpfen.
       
       Die US-Fans, die eine fast kindliche Olympiabegeisterung mit sich
       herumtragen, gehören traditionell zum Inventar der Spiele. Zu Tausenden
       sind sie auch dieses Mal nach Italien gekommen. Sie sorgen dafür, dass es
       besonders laut wird, wenn eine Sportlerin oder ein Sportler aus den USA
       auftritt. Die Frage, für welche USA sie jubeln, mussten sie sich bis zu
       diesem Jahr nie stellen. Diejenigen, die man anspricht, möchten sie meist
       nicht öffentlich beantworten. Doch es gibt auch US-Fans, denen man ansieht,
       wofür sie stehen. Die zahlreichen Pride-Fahnen, die jedes Eiskunstlaufevent
       auch zu einem queeren Familienfest machen, werden vor allem von Fans aus
       den USA geschwenkt.
       
       Obwohl das Internationale Olympische Komitee politische Äußerungen
       fernhalten möchte von den Arenen und auch nicht davor zurückschreckt,
       [2][den ukrainischen Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch zu
       disqualifizieren,] weil dieser auf seinem Helm im Krieg getöteten Sportlern
       gedenken wollte, schreiten in Mailand jedoch keine Ordner ein. Sie hätten
       viel zu tun. Wie groß die queere Community ist, die sich beim Eiskunstlauf
       versammelt, wird deutlich, als Amber Glenn beim Teamwettbewerb das erste
       Mal das Eis betritt. Es wird so laut, als wollten die Fans, noch im Weißen
       Haus in Washington gehört werden.
       
       Amber Glenn badet in diesem Applaus. Sie sieht sich als Teil der
       LGBTQI-Community, hat ihren Sieg bei den US-Meisterschaften mit einer
       Pridefahne auf dem Eis gefeiert und trägt seit ihrer Ankunft in Mailand
       einen Regenbogen-Pin an ihrer Akkreditierung. Sie war noch vor der
       Eröffnungsfeier eine der ersten US-Athletinnen, die ihre Probleme mit der
       Regierung von US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz
       öffentlich gemacht hat. Die Liebe, die ihr in der Halle zuteilwurde, steht
       in krassem Widerspruch zu dem Hass, der ihr umgehend in den sozialen Medien
       entgegen schlug.
       
       Nachdem sie mit dem Team die Goldmedaille gewonnen hatte, sprach sie von
       „einer angsteinflößenden Zahl von Hassbotschaften“ und stellte klar: „Aber
       ich werde nie aufhören, meine Stimme zu erheben, wenn ich an etwas glaube.“
       Das Ergebnis war ein Lovestorm aus der Community der Olympiasiegerin, die
       2019 öffentlich gemacht hat, dass sie bi- und pansexuell ist.
       
       Schon bevor sie in den Fokus der Berichterstattung geriet, hatte die weit
       weniger bekannte Snowboarderin Maddie Mastro, die das Finale in der
       Halfpipe in Livigno am Donnerstag als Zwölfte beendet hat, [3][auf
       Instagram Bilder] von den jüngsten Demos in Minnesota repostet.
       Unmissverständlich hat sie so ihre ablehnende Haltung zu den ICE-Milizen
       zum Ausdruck gebracht.
       
       Auf einem Pressetermin vor ihrem Wettkampf meinte sie, dass sie durchaus
       stolz sei, ihr Team, ihr Land zu vertreten. „Doch es macht mich traurig,
       was zu Hause passiert. Ich finde, wir dürfen davor die Augen nicht
       verschließen.“ Dann wurde sie deutlich: „Wir leben in Zeiten der
       Ungerechtigkeit.“
       
       Viel mehr Aufmerksamkeit erregte der Fall des Freestyle-Skiartisten Hunter
       Hess. Der hatte eigentlich nicht viel mehr als seine gemischten Gefühle zum
       Ausdruck gebracht, die er nun als sportlicher Vertreter der USA bei den
       Spielen hat. Eine persönliche Erwähnung durch Donald Trump auf dessen
       Netzwerk Truth Social machte ihn umgehend zur Hassfigur des MAGA-Lagers.
       
       ## Heimatkritik aus Liebe
       
       Der Skiartist, der als Dritter der X-Games 2025, des weltgrößten
       Funsport-Events, bewiesen hat, dass er alles andere als ein Loser ist,
       antwortete auf Instagram auf eine wahrhaft patriotische Art: „Ich liebe
       meine Heimat. Es ist so vieles großartig in Amerika. Aber es gibt eben auch
       immer Dinge, die besser laufen könnten. Und was das Land wirklich toll
       macht, ist die Möglichkeit und die Freiheit, genau das auszusprechen.“
       Hess, Mastro oder Glenn wurden mit ihren Äußerungen schnell zu
       Hoffnungsträgerinnen all jener, die noch an das Gute in Amerika glauben.
       Mündige Sportlerinnen, die ihre Heimat deshalb kritisieren, weil sie es
       lieben.
       
       Sogar das IOC fand die zahlreichen politischen Äußerungen von Athletinnen
       aus den USA beispielhaft. Wie toll es doch sei, dass auch während der
       Olympischen Spiele jeder offen seine Meinung sagen könne – auf Social Media
       ebenso wie auf Pressekonferenzen, freute sich sogar IOC-Sprecher Mark Adams
       auf einer seiner täglichen Pressekonferenzen in Mailand. Die kritischen
       US-Athletinnen wissen in der Tat nur allzu gut, wie sie nicht in Konflikt
       mit dem IOC geraten, so wie es Wladyslaw Heraskewytsch passiert ist.
       
       Wie sie in den USA von den offiziellen Stellen empfangen werden, wenn sie
       nach dem Spielen zurückkehren, wissen sie noch nicht. Vize-Präsident JD
       Vance hat, auf Hunter Hess angesprochen, schon mal klargestellt, dass die
       Sportler nicht bei den Spielen seien, um sich über die Politik auszulassen.
       Wenn sie es dennoch tun, müssten sie mit Gegenwind rechnen.
       
       Der bleibt Amber Glenn noch erspart, solange sie in Mailand ist. Am
       Dienstag startet sie mit dem Kurzprogramm in den Einzelwettbewerb. Menschen
       in den merkwürdigsten Kostümen werden US-Fahnen in die Höhe halten.
       Zahlreiche Pride-Fahnen werden zu sehen sein. Vielleicht wird auch wieder
       jener US-Fan aus Greenwich, Connecticut in der Halle sein, der neulich eine
       US-Fahne mit der Aufschrift „Entschuldigung an die Welt für unser
       schlechtes Benehmen – wir bringen das selbst wieder in Ordnung“
       hochgehalten hat. Ob es das IOC möchte oder nicht, ob es der US-Regierung
       gefällt oder nicht, es wird eine politische Demonstration werden. Gut so!
       
       13 Feb 2026
       
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