# taz.de -- Politisches Wrestling: „Fuck ICE“-Chöre
       
       > Der Wrestler Brody King ist eine der bekanntesten US-Sportler, die die
       > Migrationspolitik der Regierung kritisieren. Das macht ihn zur
       > Attraktion.
       
 (IMG) Bild: Begeistert auch mit klarer politischer Haltung: Brody King bei einem Kampf vergangenen September
       
       Mit rund 132 Kilogramm und einer Größe von knapp zwei Metern, die meisten
       Flächen davon tätowiert, ist Brody King eine beeindruckende Gestalt. Der
       Rauschebart, die großen Hände und braun-schwarzen Augen runden seine
       bedrohliche Erscheinung ab. Dabei ist der 38-Jährige alles andere als
       bösartig. Zumindest nicht, wenn man hinter seine Rolle als Profiwrestler
       schaut.
       
       Denn seit er im Juni 2025 mit einem „Abolish ICE“-Shirt (zu Deutsch:
       Schafft ICE ab) bei einer Show in Mexiko aufgetreten ist, jubelt das
       US-Publikum dem Hünen zu. Mittlerweile hat sich Brody King zu einer
       Attraktion entwickelt: Kaum steigt er in den Ring, bebt die Halle vor „Fuck
       ICE“-Chören. Damit ist er aktuell eine der prominentesten Figuren im
       US-Sport, die sich gegen die radikale Migrationspolitik stellen.
       
       Doch wenn sich im Professional Wrestling muskelbepackte Athlet:innen
       gegenseitig schlagen, durch Tische werfen und von Ringseilen springen,
       obwohl Sieg und Niederlage von vornherein festgelegt sind, ist das für
       viele unverständlich. Für andere ist es Unterhaltung auf höchstem Niveau
       und eine Art modernes, körperbetontes Theater. Wie auch immer man [1][zum
       Wrestling stehen mag,] es ist immer ein Medienspektakel. Die weltweit
       größte Wrestling-Organisation WWE prägte mit Wrestlemania die Popkultur wie
       kaum ein anderes Sportevent. Daraus entstanden große, wenn auch nicht
       unproblematische Namen [2][wie Hulk Hogan], Dwayne „The Rock“ Johnson und
       John Cena.
       
       Die Trump-freundliche WWE galt lange als konkurrenzlos, [3][bis sich 2019
       die Organisation AEW gründete] – und entgegen aller Erwartungen behaupten
       konnte. Seitdem ist AEW nicht nur exponentiell schnell gewachsen, sondern
       hat sich immer wieder queer- und migrationsfreundlich präsentiert. Und der
       größte Fürsprecher für die Trump-kritische Haltung von AEW ist der
       hünenhafte Brody King.
       
       ## Hype hat US-Talkshows erreicht
       
       Dass das Publikum sich lautstark bemerkbar macht, ist im Wrestling keine
       Seltenheit. Dass dem gerade ein so starker politischer Charakter innewohnt,
       hingegen schon. Doch es ist ein organisch entstandener Zuspruch, der zeigt,
       wie schnell sich Widerstand ausdrücken kann.
       
       Der Hype rund um Brody King und seine deutliche Haltung hat auch die
       US-Talkshows erreicht. „Last Week Tonight“, eine der populärsten
       Late-Night-Shows, und ihr Moderator John Oliver griffen das Spektakel
       dankend auf: „An alle Beteiligten: sehr gut gemacht.“ Und seitdem sich die
       Chöre als Kings Markenzeichen etabliert haben, ist er noch öfter in den
       AEW-Shows zu sehen. Inzwischen stimmt die Menge sogar „Fuck ICE“ in Matches
       ohne seine Beteiligung an.
       
       Sport und Politik lassen sich ebenso wenig trennen wie die WWE und Donald
       Trump. Immer auf das größtmögliche Medienspektakel bedacht, trat dieser
       dort mehrere Male in den 2000er Jahren auf, unter anderem bei Wrestlemania
       23, wo er nach dem „The Battle of the Billionaires“ dem WWE-Eigentümer
       Vince McMahon die Haare scheren durfte. AEW nimmt davon Abstand und lehnt
       im Gegensatz zur WWE auch vehement Geschäfte mit Saudi-Arabien ab.
       
       Dass Brody King sich als Anti-ICE-Riese positioniert, passt in die liberale
       Ausrichtung der vergleichsweisen jungen Organisation. Doch das Politische
       um seine Person wird auch in deren Shows aufgegriffen. So sagte in einem
       der für das Wrestling typischen Wortgefechte ein anderer Wrestler: „Noch
       nie in meinem Leben habe ich jemand so liberalen wie dich getroffen, der
       trotzdem wie ein Nazi aussieht.“
       
       Am 15. März hat Brody King bei der Veranstaltung „AEW Revolution“ in Los
       Angeles seinen nächsten großen Auftritt. Und jeder weiß, was die Menge dort
       anstimmen wird.
       
       4 Mar 2026
       
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